Aparte Klangbereicherung: das Flötentrio mit Maruta Staravoitava (Flöte), Anna Mazurek-Thiersch (Cello) und Liudmyla Polova (Klavier) bei den Kammerkonzerten Efringen-Kirchen. Foto: Jürgen Scharf

Bei den Kammerkonzerten Efringen-Kirchen stellte sich erstmals ein Flötentrio vor. Diese seltene Besetzung kam beim Publikum an.

Johann Nepomuk Hummel schont die Pianistin nicht. In seinem Trio op.78 hat Liudmyla Polova am historischen Konzertflügel im Saal der Alten Schule alle Hände voll zu tun. Der Klaviersatz ist höchst anspruchsvoll, doch die Pianistin hat ihren schweren Part souverän im Griff.

 

Auch die Flötistin Maruta Staravoitava und die Cellistin Anna Mazurek-Thiersch, die mit ihr dieses (noch) namenlose Flötentrio bilden, lassen diesem selten erklingenden, auf die Romantik im Sinne Webers weisenden Werk eine Frischzellenkur mit feurigem Spiel und Elan angedeihen.

Vor allem in den dramatischen Szenen von Thema und Variationen, in denen der Mozart-Schüler und Beethoven-Freund Hummel das ukrainische Lied „Schöne Minka, ich muss scheiden“ sehr virtuos variiert.

Das passte also perfekt zusammen, der Hummel nach dem recht gut bekannten Trio für Flöte, Cello und Klavier op. 63 von Carl Maria von Weber, mit dem den Interpretinnen ein glänzender Einstieg gelang.

Ein Stück mit Zugabencharakter

Brillant, voller Schwung und technischer Virtuosität und mit dem richtigen Quäntchen Kunstfertigkeit erklang dieses Werk sehr erfrischend: das Scherzo, ein Stück mit Zugabencharakter, mit markantem Zugriff; das Klagelied des Schäfers (nach einem Goethe-Gedicht) mit plastischer Espressivo-Ausformung.

Auch der zweite Teil nach der Pause war weiterhin etwas für Liebhaber. So das Stück „Caprice und Pastorale“ der Amerikanerin Amy Beach. Die Cellistin wies bei ihrer Einführung darauf hin, dass es für die ausführenden Frauen wichtig sei, heute auch Frauen zu präsentieren.

Lang vergessene Musik taucht wieder auf

Es ist der neue Trend, Komponistinnen zu entdecken. Und in diesem Bereich taucht viel Musik in Archiven und Bibliotheken wieder auf, die lange vergessen war. Es gebe, so Mazurek-Thiersch, fantastische Musik von Frauen, die es leider nicht leicht hatten.

Amy Beach gehört dazu. Zu Lebzeiten ihres Mannes wurde sie sehr eingeschränkt in ihren Konzerten. Die beiden Stücke von ihr waren impressionistisch-spätromantisch getönt, klangen französisch angehaucht und waren sorgfältig im Detail von den drei Interpretinnen erarbeitet, die den Charme und Unterhaltungswert der Musik voll auskosteten.

Von Geigen- auf Flötenstimme umgeschrieben

Zum Schluss stand mit Debussys G-Dur-Klaviertrio ein ausgesprochen klangschönes (Früh-)Werk auf dem Programm. Das von der Geigen- auf die Flötenstimme umgeschriebene Stück funktioniert gut in dieser Bearbeitung, vielleicht auch, weil es mit ausgeprägtem Klangempfinden und großer Verve aufgeführt wurde.

Gute Balance im Ensemble

In diesem Ensemble herrscht eine gute Balance. Die Dialogpartner hören aufeinander, „atmen“ zusammen, was in dieser Besetzung mit Flöte eine zentrale Rolle spielt, das Cello erfreute mit warmer Klangfülle, die Flöte bestach durch Klarheit und federleichte Grazie, das Klavier war blendend virtuos, aber nicht zu dominant.

Für den reichlichen Applaus bedankte sich das Flötentrio mit einem ungewöhnlichen Walzer („Danse fantastique“) des Schweizers Paul Juon und kam dann noch mal zum Anfang, zu Weber, zurück.