Mit seinem aktuellen Osterprogramm geht der Kammerchor Markgräflerland auf Konzertreise in die Schopfheimer Partnerstadt Poligny. Zuvor erklang das „Osterlob“ in der Stadtkirche.
Osterzeit ist Hochsaison für Chöre und Kirchenmusiker. Und so haben an diesen Tagen der Schopfheimer Bezirkskantor Christoph Bogon und sein Rheinfelder Kollege Rainer Marbach mit ihren Sängern ein immenses Pensum gestemmt.
Am Ostermontag führten sie dem Kammerchor Markgräflerland, dessen Leitung sich Bogon und Marbach teilen, ein besonderes Programm unter dem Titel „Osterlob!“ in der gut besuchten Stadtkirche auf. Schon zuvor, am Karfreitag, haben die beiden Kirchenmusikdirektoren mit ihrer jeweiligen Kantorei ein geistliches Werk einstudiert: Bogon die Johannespassion von Schütz in einer speziellen Fassung mit Orgelbegleitung, Marbach die Markuspassion, die lange dem Bach-Zeitgenossen Reinhard Keiser zugeschrieben wurde.
Bemerkenswert ist auch, dass in diesem Auswahlchor des Kirchenbezirks Markgräflerland einige Mitglieder der Kantoreien Schopfheim und Rheinfelden mitsingen, die schon bei diesen Karfreitags-Passionen anspruchsvolle Literatur zu meistern hatten.
Chor feiert Zehnjähriges
Vor zehn Jahren gegründet, hat sich der Kammerchor Markgräflerland aus erfahrenen, sehr versierten Chorkräften aus einem Einzugsbereich von Grenzach-Wyhlen bis ins Obere Wiesental einen Ruf als hervorragendes Vokalensemble mit ambitionierten Programmen gemacht. Denn nur mit geübten Leuten, die über sehr viel Chorerfahrung verfügen, lässt sich in einem solchen Projektchor in wenigen Proben anspruchsvolle Kirchenmusik erarbeiten. Der Kammerchor unternimmt auch Konzertreisen, so wie in dieser Woche in das französische Jura, um unter anderem in Schopfheims Partnergemeinde Poligny ein Konzert mit diesem österlichen Repertoire zu geben.
Auftritt in der Partnerstadt
Bei seinem Schopfheimer Auftritt, der den Auftakt für die Konzerttour bildete, spannte der Chor zeitlich und stilistisch einen weiten Bogen von früher Renaissancemusik bis zu aktuellen Werken der Gegenwart.
Das war für die 23 Chormitglieder eine große Herausforderung, zumal alle Werke a-cappella gesungen wurden, also ohne instrumentale Begleitung, und die Bandbreite vom 16. bis 21. Jahrhundert eine enorme Flexibilität im Chorklang fordert, was auch tadellos gelang.
Sucht man in den Renaissancegesängen eher den hellen, herben Klang, braucht es in der Romantik einen runden Wohlklang und bei der neuen Chormusik fein nuancierte Vokalfarben. Das alles hatte das Ensemble zu bieten.
In dem titelgebenden „Victimae paschali laudes“ (Osterlob), in dem es heißt „Singt das Lob dem Osterlamme“, überzeugte die Klarheit im Chorklang. Ebenso konnten die Wiedergaben in einem „Angelus Domini“ von Valentin Rathgeber und einem Werk von Homilius mit präziser Intonation für sich einnehmen.
Natürlich durfte Großmeister Bach nicht fehlen in dieser Oster-Auswahl. Meditativ klang sein Choral „Christ lag in Todesbanden“. Aus „aktuellem Anlass“ wurde „Verleih uns Frieden gnädiglich“ als Zugabe noch einmal gegeben.
Zwischen die Werke aus Renaissance, Barock und Romantik streute der Chor Beispiele aus der zeitgenössischen, aktuellen Vokalmusik. Und da konnten die Zuhörer durchaus einige Repertoire-Entdeckungen machen. Der Name Anna Lapwood mag Orgelfans hellhörig machen, denn die 30-jährige Britin sorgt mit ihrer Popklassik als „Taylor Swift der Orgel“ für einen regelrechten Hype, sei es in der Royal Albert Hall in London oder im Kölner Dom. Auf Social Media ist sie ein absoluter Topstar. So konnte man durchaus gespannt sein, was sie als Komponistin einbringt.
„Taylor Swift der Orgel“
Ihr Chorwerk „O nata lux de lumine“ („O Licht, geboren aus dem Lichte“) erwies sich als sehr gut hörbare „neue“ Chormusik, die angenehm ins Ohr geht. Klanglich und programmatisch spiegelt sie ein Licht, das sanft und behutsam aufleuchtet und immer stärker zu einer Flamme wird. So setzt das Stück sehr leise ein, kaum wahrnehmbar im feinsten Pianissimo, um nach einem Crescendo wieder hauchzart auszuklingen. Der Chor realisierte diese Lichtkomposition feinsinnig. Ähnliches lässt sich über die anderen Gegenwarts-Werke sagen: etwa über „O salutaris hostia“ von Eriks Esenvalds. Das hat etwas von sphärischem, schwebendem Klang, wie sich zwei hohe Soprane solistisch über flächige Chorakkorde aufschwingen.
Auch Vytautas Miskinis’ „Cantate Domino“ empfiehlt sich als klangvolle, eingängige Chormusik mit einer Verbindung aus prägnantem Rhythmus, groovigen und zart-melodiösen Teilen: ein Werk, das dem Chor ebenso Freude machte wie dem Publikum.
Ebenso zeigte sich der Kammerchor in Simon Waw sechsstimmigem „Pater Noster“ und in Knut Nystedts „Laudate Dominum“ als stilsicher und firm in der modernen Vokalmusik.
Aufgelockert wurde das Gesangsprogramm durch souverän gestaltete Orgelsoli von Christoph Bogon an beiden Kirchenorgeln.