Manche Studentinnen ziehen sich für ihren Präsident aus, andere kritisieren ihn. Foto: Perlin/Tabak

Studentinnen lassen für Präsident Putin die Hüllen fallen, andere protestieren dagegen.

Moskau - Sie hat ihn wieder angezogen. Den schwarzen Mantel, den sie in diesen frischen Moskauer Tagen immer trägt. Schwarz, weil sie nicht auffallen will, hier in der Menge der Hauptstadt-Studenten. Doch Jelisaweta Menschikowa ist längst aufgefallen - mit ihrer Aktion für Russlands Regierungschef Wladimir Putins 58. Geburtstag. Sie ließ sich für einen Kalender fotografieren. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch sie und ihre Freundinnen von der Journalistik-Fakultät der Moskauer Staatsuniversität stellen darin Fragen. Fragen wie "Wer hat Anna Politkowskaja ermordet?" oder "Wann gibt es den nächsten Terroranschlag?". Nun hat ihr "Alternativer Kalender" auch den Kreml erreicht. Dieses Jahrbuch, das es gar nicht zu kaufen gibt, diese wenigen Bilder, die Jelisaweta Menschikowa als Liz Anderson in ihrem Blog veröffentlicht hat.

"Wann kommt Chodorkowski frei?"

Auch dafür hatte sie ihren schwarzen Mantel angezogen - als Protestaktion gegen ihre Mitstudentinnen. Zwölf von ihnen hatten für Putin ihre Hüllen fallen lassen. "Wladimir Wladimirowitsch, wir lieben Sie", betitelten sie ihren "Erotischen Kalender". Für umgerechnet 6,50 Euro liegt er in den Moskauer Läden aus, 50.000 Exemplare waren bereits vor Putins Geburtstag am vergangenen Donnerstag verkauft. Üppige Brüste, rote Lippen, feine Unterwäsche, verführerische Posen und Sätze wie "Sie haben die Waldbrände gelöscht, ich aber brenne immer noch" oder "Wie wär's mit einem dritten Mal?".

"Unwürdig", findet Jelisaweta Menschikowa. "Das wirft doch ein schlechtes Licht auf uns Journalistik-Studentinnen." Also rettet die 20-Jährige die "Ehre der Fakultät", die "Ehre der Frauen". Eine große Aufgabe. Eine spontane Idee. Sie ruft ein paar Freundinnen zusammen - "man sitzt da, man lacht, man spinnt sich was zusammen" -, schnell ist ein Fotostudio aufgebaut, ein Konzept auf dem Papier entworfen. Sie ziehen sich dunkel an, überkleben ihre Münder mit einem gelben Klebestreifen, kreuzen die Arme. "Wie wirkt sich die Inflation auf die Bestechungsgelder aus?", fragt die Siebtsemesterin Swetlana Muchina. "Wann kommt Chodorkowski frei?", steht neben der Fünftsemesterin Margarita Schurawljowa. Mit einem großen Wirbel rechnen die jungen Frauen nicht - und doch überrollt er sie gerade. 500 Kommentare innerhalb weniger Minuten finden sich in Jelisawetas Blog. Die Uni beschäftigt sich mit der Aktion: "Mit Konsequenzen müssen unsere Studentinnen nicht rechnen", sagt die Dekanin Jelena Wartanowa. Der Sprecher des Premierministers meldet sich zu Wort: "Die Mädchen aus dem erotischen Kalender imponieren dem Premierminister mehr", lässt Dmitri Peskow die Medien wissen.

"Unsere Fragen werden natürlich nicht beantwortet, aber vielleicht bekommen wir nach dieser Aktion interessante Jobs", sagt Jelisaweta Menschikowa und schlüpft wieder in ihren schwarzen Mantel.

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