Wenn die Sonne untergeht, ist die Mondhalde ein stimmungsvolles Plätzchen. Kein Wunder, dass sie zu den schönsten Plätzen am Kaiserstuhl gehört. Solche Ausblicke laden zu Ausflügen ein. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie für weitere Informationen. Foto: Kaiserstuhl Tourismus

Bei einer Weinbergsafari am Kaiserstuhl halten die Gäste statt einer Flinte ein Probiergläschen in der Hand. Und erfahren unterwegs, warum das Terroir für einen guten Tropfen wichtig ist.

Vogtsburg - Thomas Landerer (51) ist Winzer mit Leidenschaft. Er sprüht vor Begeisterung, wenn er von seinem Wein, seiner Arbeit und den Besonderheiten des Kaiserstuhls erzählt. Als er vor 23 Jahren den väterlichen Obst- und Weinbaubetrieb in Vogtsburg-Oberrotweil übernahm, begann er mit der Flaschenvermarktung. Heute verkauft er rund 150 000 Liter jährlich.

Im Hof seines Weingutes stimmt Landerer die Gäste auf das Programm ein: Weinbergsafari durch den Kaiserstuhl. Solche Angebote wie auch zwei Ferienwohnungen sind für Lan­derer wie für viele Winzer ein zweites Standbein und gleichzeitig eine ideale Möglichkeit, für die eigenen Produkte zu werben, ­etwa für seinen La Secco. „Meine eigene Kreation“, sagt Landerer stolz, während er ein Gläschen des fruchtigen Apéro ausschenkt. Ein fruchtig-spritziger Auftakt, der Lust auf mehr macht. Los geht’s.

Statt der Flinte haben die Gäste das Probierglas im Anschlag

Die Gäste nehmen in einem überdachten Anhänger Platz. In gemütlichem Tempo tuckert Landerer über die typischen terrassenförmig angelegten Weinberge hoch auf die Mondhalde – „einen der schönsten Plätze im Kaiserstuhl“, wie er findet. Die Bezeichnung Weinbergsafari sei zugegebenermaßen etwas hochgegriffen, eigentlich handle es sich dabei um eine Traktorfahrt mit Weinprobe in den Weinbergen. Logisch: Wer erwartet schon Großwild am Kaiserstuhl?

Statt einer Flinte hat Landerer deshalb vor der Abfahrt den Gästen ein Probierglas in die Hand gedrückt. Dass er mit seinen Gästen auf Tour geht, hat seinen Grund. Direkt im Weinberg will der Winzer über den Zusammenhang zwischen Qualität im Glas und Terroir aufklären. Letzteres verfüge am Kaiserstuhl, je nach Lage, nämlich über ganz unterschiedliche Qualitäten.

Der Aussichtspunkt inmitten der Weinberge ist der richtige Ort für einen Weißwein. Der braucht schwere Lehmböden, die gut Wasser speichern. Solche finden sich rund um die Mondhalde. Wie zum Beweis schenkt Landerer einen Rivaner aus und doziert dabei über die richtige Art und Weise des Weintrinkens. Vier Schritte braucht’s für den optimalen Genuss. 1.: riechen, 2.: schwenken und schauen, 3.: schmecken und schlürfen, 4.: am leeren Glas riechen. „Ein unkomplizierter Wein mit jugendlichem Charakter“, befindet der Fachmann schließlich.

Weingut, Sternelokal und der SC Freiburg

Ganz andere Tropfen gedeihen im Tal, dort wo die Reben auf dunklen Vulkanböden wachsen und von allen Seiten viel Sonne abbekommen. Landerer stoppt am Henkeberg, wie diese besondere, aber keinesfalls bergige Lage heißt. Fast ebenerdig stehen hier die Reben – beste Bedingungen für schwere, ­mineralische Weine. „Wir arbeiten ­ökologisch und verzichten auf Herbizide“, erklärt Landerer. Das Gras wird nur maschinell gewalzt und bleibt dann liegen. „So wird der Boden beschattet, was bei längeren Trockenphasen gut ist. Außerdem wachsen die Pflanzen langsamer, wodurch der Wein mehr bodengeprägt ist“, so Lan­derer. Das schmeckt man: Der ausgeschenkte Grauburgunder hat einen ganz leichten mineralisch-salzigen Ton.

Nicht nur draußen, auch innen bietet der Kaiserstuhl beste Bedingungen für den ­Rebensaft, wie Besucher auf dem Weingut Franz Keller in Oberbergen erfahren können. Es wird von Fritz Keller geführt, den Fußballfans vor allem als Präsidenten des SC Freiburgs kennen. Zum Weingut gehört auch ein Sternelokal. Mutter Irma erkochte 1969 einen Michelin-Stern für den Schwarzen Adler.

Direkt gegenüber des edlen Restaurants befinden sich drei rund 100 Meter lange Tunnel, die einst in die Kaiserstühler Lößerde gegraben wurden. Zwischen Eichenfässern und Weinregalen herrschen konstant zwölf Grad – was in heißen Sommern angenehm kühl ist. Neben den Erzeugnissen des Weingutes lagern hier hochrangige Burgunder- und Bordeaux-Importe. Auch Familie Keller rüstet sich für die Zukunft: Am Ortsrand entsteht ein moderner Neubau mit viel Glas, der an das terrassenförmige Gelände angepasst ist. Hier erleben die Besucher künftig die Produktionsabläufe und genießen den Panoramablick.