Da blieb nichts mehr übrig: Nicht der einzige Kahlschlag, der aktuell am Horber Neckarufer zu sehen ist. Foto: Florian Ganswind

Der massive Rückschnitt am Neckarufer entlang der L 398 sorgt bei einigen für Irritationen. Das Regierungspräsidium erklärt nun, warum der massive Eingriff notwendig war.

Die Pressemitteilung des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen vom 3. November kündigte lediglich „Gehölzpflegemaßnahmen“ am Neckar in Horb an. Kurzzeitige Sperrungen der L 398 sollten nötig werden, weil „abgestorbene Bäume, die aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden müssen“, entfernt würden. Die Arbeiten waren für den 5. bis 7. November geplant und sollten jeweils nur wenige Minuten Vollsperrung erfordern.

 

Dass vor Ort vom Aldi-Markt kommend in Richtung Ihlingen dann deutlich in das Ufergehölz eingegriffen wurde, überrascht einige Bürger. Sie wandten sich an unsere Redaktion und empfanden die Arbeiten als zu massiv. Von „starker Abholzung“ war die Rede. „Das Ufer sieht jetzt sowas von abrasiert aus. Ich war geschockt“, sagt eine Horberin.

„Gehölzpflegemaßnahmen“ waren angekündigt

War der massive Eingriff notwendig? Auf Nachfrage erklärte das zuständige Regierungspräsidium Tübingen ausführlich den Hintergrund der Maßnahme. Die Behörde verweist zunächst auf die angekündigte Aktion.

Da ist eine ganze Menge abgeholzt worden, wie dieser Riesenstapel an Gehölz zeigt. Foto: Florian Ganswind

Der Landesbetrieb Gewässer beim RP Tübingen „hat zwischen dem 5. November 2025 und 7. November 2025 Gehölzpflegemaßnahmen durchgeführt. Entnommen wurden abgestorbene Bäume, die aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden mussten.“ Die Fällungen seien daher notwendig gewesen. Es handle sich ausdrücklich nicht um eine Sondermaßnahme, sondern um reguläre Pflegearbeiten. Beauftragt und durchgeführt wurden sie ebenfalls vom Landesbetrieb Gewässer.

Warum es nötig ist, Platz zu schaffen

Zum Gewässerschutz schreiben die Regierungspräsidien von Baden-Württemberg auf ihrer Homepage: „Gewässer und deren Dämme haben neben ihrer Hochwasserschutzfunktion auch eine hohe Bedeutung für die Natur. Sie zu pflegen und zu fördern ist unsere Aufgabe. Einen entscheidenden Beitrag dabei leisten Gehölze am Gewässer. Um den Bestand zu verjüngen und auch anderen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum zu bieten, ist es ab und an nötig, Platz zu schaffen. Ein dichtes Blätterdach spendet Schatten und ist gut für das Gewässer. Leider lässt es zu wenig Licht für Bodenpflanzen durch. Wenn wir nun entlang des Gewässers Bäume fällen, sorgen wir dafür, dass Kräuter gedeihen und die Bäume wieder ausschlagen.“

Der Gehölzbestand werde in regelmäßigen Intervallen abschnittsweise zurückgeschnitten und verjüngt. So erhielten niedrig wachsende Kräuter und Sträucher wieder Licht und Raum, um sich zu entwickeln und Lebensraum für Tiere zu bieten. Bäume, die als sturmbruchgefährdet gelten, würden auf ein vertretbares Maß eingekürzt, um Gefahren und mögliche Schäden zu reduzieren.

Natur soll sich wieder selbst regenerieren

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen oder Ersatzpflanzungen seien nicht geplant. Dazu teilt das RP mit: „Im Rahmen der Gewässerunterhaltung werden Ersatzpflanzungen nicht erforderlich. Durch die Gehölzpflegemaßnahmen und die damit einhergehende Verjüngung des Abschnitts wird die eigendynamische Entwicklung gefördert.“ Das bedeutet: Die Natur soll sich an dieser Stelle selbst regenerieren.

Sorgen vor weiteren Fällungen müsse man auch nicht haben, so die Behörde: „Weitere Gehölzarbeiten sind nicht angedacht.“ Ausgenommen seien lediglich unvorhersehbare Ereignisse wie Sturmschäden, die eine kurzfristige Entfernung gefährdeter Bäume nötig machen könnten.