Rohkaffee wird auf dem Weltmarkt immer teurer. Unsere Redaktion hat bei Röstereien im Kreis Freudenstadt nachgefragt, was die Gründe dafür sind und ob auch die Verbraucher in Zukunft tiefer in die Tasche greifen müssen.
Ob am Morgen, nach dem Essen, zum Genuss oder als Wachmacher, für viele Deutsche gehört Kaffee einfach dazu. Doch der Kaffeepreis ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen und hat mittlerweile einen fast historischen Rekordwert erreicht. Wird das Lieblingsgetränk der Deutschen in Zukunft tatsächlich zum Luxusgut?
Thomas Rupp, Inhaber von „Rupp’s Kaffee & Teehaus“ in Freudenstadt befürchtet es. Jedenfalls, wenn die Preise weiter anziehen. Laut ihm habe sich der Preis von Rohkaffee im Vergleich zum Jahr 2023 verdoppelt. Dies bestätigen auch Statistiken der „International Coffee Organization“ (ICO). Doch was sind die Gründe für die enorme Preissteigerung?
Der Hauptgrund ist laut Rupp der Klimawandel. Missernten aufgrund von Wetterextremen in Brasilien und Vietnam, den zwei größten Kaffeeproduzenten der Welt, sorgten für die hohen Preise der Sorten Arabica und Robusta und würden sich wohl auch auf die Ernte in diesem Jahr auswirken. So müssten Kaffeebauern mehr Zeit und Geld in die Pflege der Pflanzen stecken.
Röster hat nicht mehr viel Kaffee auf Lager
Rupp ist nach eigener Aussage unter den Kleinröstern noch ganz gut aufgestellt, da er mit seinem 45-Kilogramm-Röster noch vergleichsweise günstig produzieren könne. Jedoch habe auch er derzeit fast keinen Kaffee mehr auf Lager und so komme er nicht um die Weitergabe der Preiserhöhung herum.
Flächendeckende Preissteigerungen betreffen auch Fairtrade-Kaffee. Andrea Kramer, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Weltladen Freudenstadt schließt sich Rupps Begründung für die Preissteigerung an. Der Weltladen musste im Laufe des letzten Jahres den Verkaufspreis für sein Pfund Kaffee bereits um 10 bis 15 Prozent erhöhen. Jetzt soll der Preis für ein Kilo um weitere 30 Prozent steigen.
Neues Lieferkettengesetz
Auch Roland Wöhr, Inhaber der Loßburger Rösterei Dunkelgold, musste seine Preise nach eigenen Angaben im letzten halben Jahr um zehn Prozent das Kilo erhöhen. Von schlechter Ernte sei sein Spezialitätenkaffee des Grades eins jedoch nicht betroffen. Der Grund für die Preissteigerung bei ihm sei vor allem die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte.
Transportschwierigkeiten treiben Preis nach oben
Diese verbietet den Import von Kaffee und anderen Rohstoffen, wenn nicht dokumentiert ist, dass für ihren Anbau keine Waldflächen gerodet wurden. Für Kaffeeproduzenten bedeute dies zusätzliche Auflagen und Kontrollen, die wiederum zu höheren Produktionskosten und somit zu Preiserhöhungen führten.
Nach dem Inkrafttreten der Verordnung habe es zudem viele Spekulationen über die konkreten Auswirkungen gegeben, woraufhin viele Röstereien angefangen hätten, große Mengen Kaffee aufzukaufen und zu lagern. Die erhöhte Nachfrage wiederum haben den Preis zusätzlich nach oben getrieben.
Auch die gestiegenen Transportkosten, da sind sich Rupp und Wöhr einig, ließen den Preis weiter nach oben klettern. Laut Rupp gebe es Transportprobleme, damit verbundene längere Lieferzeiten und Containerknappheit. Wöhr macht vor allem die geopolitische Lage am Horn von Afrika zu schaffen. Hier müssten Frachtschiffe Umwege fahren, um keinen Piraten ins Netz zu gehen.
Laut den Rösterei-Betreibern Rupp und Wöhr sei sobald also keine signifikante Preissenkung in Sicht und so sei es gut vorstellbar, dass Kaffee in Zukunft zum Luxusgut werden könnte. Sicher sei das jedoch noch nicht. Wöhr jedenfalls versucht, weiterhin optimistisch in die Zukunft zu blicken.