Für Roberto Da Ros geht nichts über den Espresso. Der Wirt vereint deutsche und italienische Kaffeekultur.
Mit einem kräftigen „Buongiorno“ begrüßt Gastronom Roberto Da Ros einen Stammgast im Gran Café Vittoria in Donaueschingen. Italienische Lieder aus dem Radio und eine Auswahl an Panettone und Biscotti am Tresen begleiten den Gast zu seinem Platz.
Auf dem Weg grüßen Bekannte. Ein kurzer Plausch mit dem Wirt, bis wieder ein bekanntes Gesicht eintrifft und ebenso herzlich begrüßt wird. Die nächsten zwei Stunden tauschen sich die Gäste aus, unterhalten sich und genießen die Gesellschaft. So läuft der typische Besuch des Stammtischs im italienischen Café ab.
Man kennt sich bei Roberto Da Ros – und er kennt seine Gäste. Es lässt sich leicht beobachten, dass sich im Café an der Karlstraße eine Gemeinschaft gebildet hat.
Kaffee als Lebensqualität
Für den 62-jährigen Venezianer ist Kaffee Lebensqualität. Mit seinem Café baut er die Brücke zwischen Deutschland und Italien. „Ohne Kaffee ist es kein Tag für mich“, schmunzelt er. Morgens trinkt er nach der Dusche seinen ersten Espresso aus der Moka. Sein Tipp: Der Kaffee sollte nur 20 Sekunden heraussprudeln, alles danach sei Säure für den Magen. Deshalb trinke man in Italien keinen Kaffee, sondern Espresso. „Ich kenne meine Kunden. Gerade morgens nehme ich keine Bestellungen auf, denn ich weiß, was sie trinken und bringe es ihnen direkt. Denn seit zehn Jahren kommen fast jeden Morgen die gleichen Kunden“, berichtet er.
Zum selbst ernannten „Rentnertreff“ kommen Brigitte Limberger, Liliane Hug, Inge und Willi Bents mehrmals in der Woche. Sie besuchen das Café seit der Eröffnung 2010 regelmäßig – es liegt zentral, der Kaffee schmeckt ihnen, und der Wirt ist herzlich.
„Die Deutschen trinken ihren Kaffee anders als in Italien“, sagt er. Dort wird nach dem Frühstück nur noch Espresso bestellt und viel kürzer aus der Maschine gelassen. Für die meisten Deutschen wirke diese kleine Menge in der Tasse fast leer, und so geht er den Mittelweg und lässt ihn länger aus der Maschine als in Italien, aber kürzer als in Deutschland. „So wird die Säure reduziert“, erklärt er.
An der Theke
Er selbst trinkt fünf bis sechs Espressi am Tag. Eingenommen wird der Espresso in Italien an der Theke. „In Deutschland setzen sich die Kunden für mehrere Stunden hin, trinken oft größere Kaffeegetränke mit Milch, und reden mit Freunden. Es kommen unterschiedliche Leute. Von 18- bis 80-Jährigen ist alles dabei“, berichtet Da Ros. Es gibt aber auch immer wieder Besucher im italienischen Kundenstil wie Bernd Schönaich. Er war in Donaueschingen für einen Termin, wollte kurz einen Espresso genießen und ist dann wieder weitergezogen. Roberto Da Ros freut sich über seine Stammkundschaft und darüber, die italienische und deutsche Kaffeekultur verbinden zu können.
Der Kaffeekonsum
Kaffee gilt als das
mit Abstand beliebteste Heißgetränk der Deutschen. Es liegt im Ranking der meistkonsumierten Getränke deutscher Verbraucher laut diverser Statistiken auf dem dritten Platz hinter Wasser und Fruchtsäften. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee in Deutschland lag zuletzt bei durchschnittlich 164 Litern. Gemahlener Filterkaffee ist die beliebteste Art der Zubereitung unter deutschen Kaffeetrinkern. Doch der Gebrauch von Kaffee-Vollautomaten mit der direkten Mahlung ganzer Kaffeebohnen in der Maschine wird immer beliebter.