Gemeinsames Kaffeetrinken und Kuchenessen: Dabei sind Senioren und Mitarbeiter. Foto: Jansen

Die „Memory“-Gruppe der Diakonie Altensteig trifft sich jeden Mittwoch. Hier kommen ältere Menschen zusammen, mit Demenz oder ohne. Wir durften einen Nachmittag zu Gast sein.

Rauskommen, gemeinsam mit anderen Zeit verbringen, singen: Die Memory-Gruppe der Diakoniestation Altensteig, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, trifft sich jeden Mittwoch. Als unsere Redaktion ins katholische Gemeindehaus kommt, ist sie gerade dabei, nach der gemeinsamen Gymnastik zum nachmittäglichen Kaffee und Kuchen überzugehen. Nach kürzester Zeit haben sich kleine Grüppchen am Tisch gebildet, angeregt im Gespräch, die Frage klärend, ob Kaffee oder Tee getrunken wird, oder einfach Windbeutel und Kuchen genießend.

 

Im Kern eine Betreuungsgruppe für Senioren mit Demenz-Erkrankung hat die Memory-Gruppe auch Mitglieder, die keine entsprechende Erkrankung haben. Grade während der Corona-Pandemie wurde sie auch zunehmend eine Anlaufstelle für Ältere, die unter Einsamkeit leiden – und ihren Kaffee sonst alleine in der Wohnung trinken müssten. An diesem Mittwoch wird Gemeinschaft gelebt. Maximal zwölf Personen sind dabei. „Es muss noch heimelig bleiben“, erklärt Elisabeth Leonhardt, bei der Diakonie mitverantwortlich für die Gruppe.

Luftballon-Klatschen als witziges Spiel nach dem Kaffee

Nach dem gemütlichen Kaffee und Kuchen packt Mitarbeiterin Delly Hezel zwei aufgeblasene Luftballons und Fliegenklatschen aus. Die Aufgabe: Gemeinsam sollen die Ballons so geschlagen werden, dass sie den Tisch nicht berühren.

Der Ballon sollte nicht herunterfallen – das recht einfache Spiel sorgt für Bewegung und Spaß. Foto: Jansen

Neben dem sportlich-koordinativen Aspekt wird das auch zum witzigen gemeinsamen Ziel: gemeinsam den Ballon oben halten! Klingt einfach – funktioniert aber nicht immer. Immer wieder wandern die Ballons auf die andere Seite der langen Tafel, bis sie wieder zurückfliegen, nicht immer werden sie so getroffen, wie man es gern hätte.

Im Anschluss gibt’s bei unserem Besuch noch ein kleines Puzzle, das die grauen Zellen fordert. Bekannte Sprichwörter müssen mit Worten vervollständigt werden.

Das dürfte gerade bei einer Demenzerkrankung noch bestehendes Wissen aktivieren. Während die Erkrankung nach und nach Erinnerungen, Zusammenhänge und Wissen vernebelt und auslöscht, wird auch von Fachstellen empfohlen, mit Betroffenen Bekanntes und die eigene Biografie zu bearbeiten. Die fest verankerten Sprichwörter und tief verwurzelten Lieder kommen dem entgegen. Im Anschluss werden die Sprichwörter vorgelesen – immer wieder vervollständigen die anderen die Sätze von sich aus.

Bei unserem Besuch werden bekannte Sprichwörter gepuzzelt. Foto: Jansen

Das Programm unterscheide sich von Mal zu Mal. Stadt-Land-Fluss, Basteln, Gesellschaftsspiele – „Alles, was Spaß macht“, sagt Leonhardt. Auch werde ein saisonales Programm entwickelt. „Das ist ja auch wichtig, dass man mit den Jahreszeiten lebt“, meint Leonhardt. Mit dem Mittwochs-Termin wird auch Wochenstruktur geboten. Das kann das Zeitempfinden, das sich grade bei Demenz verflüchtigt, stärken.

Bei aller Fröhlichkeit – die Demenzerkrankung kann auch mit Depression einhergehen – gerade in der Phase, in der die Betroffenen sich des Abbaus bewusst sind. Diese Trauer erlebe man auch in der Gruppe, berichtet Leonhardt. Meist kann gegen die Krankheit kaum etwas getan werden. Leonhardt empfiehlt, die Ursache für die Demenz abklären zu lassen. Ist die Ursache organisch, ist eine Linderung vielleicht doch möglich.

„Ein Stück Lebensqualität“

Dass die Erkrankung durch die Gruppe in irgendeiner Form aufgehalten wird, glaubt Leonhardt nicht. Aber eines kann die Gruppe bieten: ein Stück Lebensqualität. Rauskommen, Programm haben, unter Menschen sein.