Im neuen Dorf-Café in Ostelsheim war der Andrang am ersten Tag groß. Wann es geöffnet hat und was die Besucher außer Kaffee und Kuchen erwartet.
Am Samstag hat zum ersten Mal das neue Dorfgemeinschaftshaus in Ostelsheim, das ehemalige katholische Gemeindehaus in der Bergstraße, die Türen für den Café-Betrieb geöffnet.
Damit hat das vielbeachtete Ostelsheimer Gemeinschaftsprojekt, das im November 2024 mit Ideen sammeln in der Festhalle begonnen hat und zwischenzeitlich mit der Gründung des Vereins „Wir für Ostelsheim“ ein rechtliches Dach für alle künftigen Aktivitäten hat, quasi den Schritt ins wirkliche Leben gemacht. Die Pinnwand am Eingang beweist mit zahlreichen Ankündigungen, was im Dorfgemeinschaftshaus ab sofort alles stattfinden wird.
Zur erstmaligen Café-Öffnungszeit gibt es kein offizielles Programm. „Jetzt ist offen, jetzt dürfen die Menschen kommen und sich selbst einen Eindruck von den räumlichen Möglichkeiten machen, die wir jetzt nutzen und mit Leben füllen können“, sagte Lena Abdi, die Projektmanagerin. Was Offizielles hat es auch nicht gebraucht. Schon vor der ausgewiesenen Öffnungszeit waren Plätze besetzt, es duftete nach frisch gebrühtem Kaffee, und eine bunte Auswahl an Kuchen stand auf der Theke der Durchreiche zur Küche.
Dorf-Café als Modellprojekt für andere Gemeinden
Abdi blickte im Gespräch auf die erstaunlich kurze Zeit zur Verwirklichung der ursprünglichen Idee zurück. „Die Menschen hier sind besonders, und die Gelegenheit mit dem Haus ist besonders, wir sind so einen goldenen Weg gegangen.“
Sie sieht das Projekt als Kristallisationspunkt für Beziehungen, „es geht ins Private rein und ermöglicht Neues auf ganz vielen Ebenen“. Sie habe im vergangenen November bei einem Fachtag, wo es um die Öffnung kirchlicher Räume für andere Nutzungen ging, über „Einfache Beteiligung und geteilte Verantwortung“ am Beispiel des Ostelsheimer Projekts berichtet. „Seither kommen Anfragen aus anderen Gemeinden, die sich über unseren Weg genauer informieren wollen.“
Ab sofort sind die Café-Öffnungszeiten jeweils Dienstag und Mittwoch sowie Samstag und Sonntag von 14.30 Uhr bis 17 Uhr. Sie habe im Dorf einfach Leute angesprochen mit den Worten: „Ich brauche 30 Leute, die einmal im Monat einen Nachmittag die Café-Zeit übernehmen oder mithelfen oder einen Kuchen backen“, erzählt Abdi und freut sich: „Ich habe diese 30 gefunden, sogar mehr.“
Starke Gemeinschaft in Ostelsheim bringt viel voran
Heike Ehmer-Stolch, ehemals Pfarrerin im Ort und von Anfang an dabei im Projekt, „bewegt einfach das dörfliche Engagement. Das Projekt konnte Menschen zusammenbringen, die was bewegen wollen und die andere motivieren mitzumachen“. Es bringe Nutzen für alle ohne Ausrichtung auf einen bestimmten Vereinszweck wie Sport oder Musik oder die Kirche.
„Beim Auftakt waren schon über 50 Menschen dabei, ich war erstaunt, wie viele da aufgetaucht sind.“ Sie kenne Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder schon im Ruhestand sind, die sich hier engagieren, weil sie noch etwas Sinnvolles tun wollen, für sich selbst und für die Gemeinschaft. „Das Projekt ist ein wohltuendes Gegenmodell zur Spaltung der Gesellschaft“, sagte Ehmer-Stolch.
Gefragt, was die Eröffnung des Dorf-Cafés für sie bedeute, wies Edeltraud Cocco auf die Rolle von Bürgermeister Ryyan Alshebl nicht nur für dieses Projekt hin. „Seit er da ist, ist was los im Ort.“ Er habe Ideen und stoße solche auch an. Ähnliches war auch von anderen Besuchern zu hören. „Ich habe wieder Kontakte zu Menschen, die ich lange nicht hatte, obwohl ich Ostelsheimerin bin“, erzählte Cocco. „Ich war immer berufstätig, und wir wohnen Richtung Bahnhof, nicht im Ortskern, deshalb gab es nicht so viele Berührungspunkte.“ Das Projekt hat auch hier was bewegt, sie hat sich in die aushängende Helfer-Liste für den Café-Betrieb eingetragen.
Auch Familien mit Kindern lockt das Café an
Das von der Gemeinde mit Unterstützung aus dem Städtebauförderung gekaufte Gebäude kann wirklich als Geschenk für den Ort, auch weit über den Café-Betrieb hinaus, bezeichnet werden. Der große Raum im Erdgeschoss mit der voll ausgestatten Küche daneben füllte sich am Samstag eher mit reiferen Ostelsheimern. Im weiteren Verlauf verjüngte sich der Altersdurchschnitt, junge Familien mit Kindern mischten sich drunter. Die Kleinen beschäftigten sich in der liebevoll ausgestatteten Spielecke. Und die vorgelagerte große Terrasse wird in den warmen Monaten ganz sicher für viele ein begehrter Platz für einen Treff zu Kaffee und Kuchen oder einfach eine Pause in angenehmer Gemeinschaft sein.
Im Schaukasten vor dem Dorfgemeinschaftshaus werden neben den Café-Zeiten schon weitere Angebote beworben. Beispiele sind Morning Yoga, ein offener Spieletreff, Bingo für Senioren, die Stricklieseln treffen sich dort, oder es wird ein Vortrag zu Letzter Hilfe angeboten. Die Termine finden sich auch auf der Homepage der Gemeinde.