Da will man im Garten am Flieder schnuppern – und hat plötzlich ein goldgrün schimmerndes Krabbeltier vor der Nase. Ein Experte erklärt, warum dieser Käfer besonders ist.
Auch wenn man nicht gerade ein Fan von Lebewesen mit mehr als vier Beinen ist: Dieser Käfer, den wir da in einem Garten im Westen des Landkreises Rottweil entdecken, der hat schon eine gewisse Schönheit. Goldgrün schimmernd sitzt er ruhig auf den Blüten eines Fliederbaums.
Die heutzutage schon übliche Google-Fotosuche - die aber auch nicht immer das richtige Ergebnis zutage fördert, handelt es sich um einen Rosenkäfer. Und der, so heißt es, steht unter Naturschutz. Ist das wirklich die genannte Art? Und ist das nun ein seltenes Tier, oder trotzdem noch häufig anzutreffen. Wir fragen dazu unseren Spezialisten in solchen Fragen: Bernd Franz.
Er ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) Deutschland, seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Nabu- Gruppe Rottweil und Umgebung - und wurde für seine ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich Natur- und Artenschutz erst in diesem Jahr mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Kurzum, der Mann weiß Bescheid.
Ein Goldglänzender Rosenkäfer
Und er sagt: Ja, das sei ein Rosenkäfer auf dem Bild, der unter Naturschutz steht. Aber: Es gebe hier mehrere Arten, zum Beispiel den Großen Rosenkäfer und den Goldglänzenden Rosenkäfer. Franz geht davon aus, dass es sich bei unserem Fund um den Goldglänzenden Rosenkäfer handelt. Dieser sei häufiger auch in Gärten zu finden, der Große Rosenkäfer sei seltener.
Unter Naturschutz
Und wie bedroht ist der Käfer nun? „Der Goldglänzende Rosenkäfer steht bei uns unter Naturschutz ohne akut gefährdet zu sein“, erklärt der Fachmann. Er komme verbreitet bei uns vor - „zwar nicht selten, aber auch nicht besonders häufig“.
Und Franz bestätigt: „Einen solchen Käfer zu entdecken ist aufgrund seiner glänzenden Farberscheinung schon ein besonderes Erlebnis.“
15 Käfer schlüpfen im Haus
Er selbst kann da von einem ganz besonderen Erlebnis berichten: „Bei mir sind im Frühjahr aus einem großen Blumentopf, der mit Bananen bepflanzt ist und den ich im vergangenen Sommer mit Erde aus meinem Kompost gefüllt hatte, über 15 Rosenkäfer im Haus geschlüpft, als ich die Bananen zum Überwintern in den Wintergarten stellte.“
So habe er mehrere Tage lang immer wieder Käfer an den Fensterscheiben abgesammelt und ins Freie gebracht. „Die Bananen nahmen keinerlei Schaden und tragen seit ein paar Wochen zum ersten Mal Früchte – vielleicht dank der Unterstützung durch die Rosenkäferlarven“, sagt er.
Sie tragen zur Humusbildung bei
Und damit sind wir beim Nutzen der Tiere: „Nützlich sind die Rosenkäfer für uns deshalb, weil ihre Larven (Engerlinge) absterbende Pflanzenteile fressen und somit zur Humusbildung beitragen“, erklärt der Naturfreund. Oft fänden sich solche Larven auch in Komposthäufen, wo sie gerne gesehen sind.
Larven richten keine Schäden an
Und: Im Gegensatz zu den ähnlich aussehenden Engerlingen, beispielsweise von Maikäfern, richten die Larven des Rosenkäfers laut Bernd Franz keine Fraßschäden an Wurzeln an, sondern verbessern den Boden. Die Käfer selbst ernähren sich von Pollen oder Blütenblättern und süßen Pflanzensäften und richten hier allenfalls bei einem äußerst selten vorkommenden Massenauftreten geringe Fraßschäden an Blüten an.
Unserem Flieder im Garten macht der Käfer also gar nichts - im Gegenteil. Ein nützliches Tier, das zudem ein echter Hingucker ist. Hat uns trotz der vielen Krabbelbeine gefreut!