Die Mannschaft des VfB Stuttgart steht nach dem Sieg in Heidenheim gut und geschlossen da. Foto: Baumann/Julia Rahn

Nick Woltemade hat einen Lauf, und die Stuttgarter springen auf den sechsten Tabellenplatz – beides beeinflusst die Transferplanungen. Wir beleuchten die Hintergründe.

Sebastian Hoeneß setzt auf Regeneration. Seit Wochen steuert der Trainer des VfB Stuttgart die Belastungen der Spieler so, dass sie möglichst genug Erholungszeit erhalten. Das betrifft nicht nur die Einsatzzahl, sondern ebenso die freien Tage. Nach dem 3:1-Sieg beim 1. FC Heidenheim herrschte am Tag danach Ruhe auf dem Trainingsgelände. Hoeneß gönnte der Mannschaft eine weitere Pause, um sich körperlich und mental ein wenig vor dem letzten Kraftakt des Jahres zu erholen.

 

An diesem Dienstagnachmittag wird wieder trainiert und die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag (15.30 Uhr) angegangen. Am Abend steht das Weihnachtssingen mit voller Kapelle an: Spieler, Trainer, Vorstand. Und die Vorfreude ist groß beim Fußball-Bundesligisten. Was auch daran liegt, dass der Blick auf die Tabelle ein schöner ist. Rang sechs nach 14 Spieltagen. Das mag weniger sein, als sich Superoptimisten nach der außergewöhnlichen Vorsaison erträumt hatten, aber es ist mehr, als sich Skeptiker nach den vielen Verletzungen ausgemalt hatten.

Die beste Platzierung

Zunächst ist es jedoch die beste Platzierung in der aktuellen Spielzeit – und sie würde die Qualifikation für das internationale Geschäft bedeuten. Das schafft Erleichterung vor dem Jahresabschluss, denn die VfB-Profis scheinen sich von Himmelsstürmern zu seriösen Anwärtern auf die Europapokalränge zu mausern. „Der Blick auf unsere Lage kann Mut geben“, sagt der Mittelstürmer Ermedin Demirovic, „vor allem nachdem ständig zu hören war, wie schwierig alles wird durch die Mehrfachbelastung.“

Zur Wahrheit gehört aber schon, dass die Stuttgarter gemerkt haben, wie schwer es ist, ihr Spiel leicht aussehen zu lassen, wenn sie alle drei Tage antreten müssen. Erstmals seit 2012/2013 befindet sich der Club wieder in diesem Rhythmus. Das ist einerseits zum Genießen, andererseits stellt es Trainer und Team vor Herausforderungen. Verstärkt durch die Ausfälle des Offensivtrios Deniz Undav, Jamie Leweling und El Bilal Touré.

Leweling fehlt bereits seit 44 Tagen und hat neun Spiele verpasst. Undav war zunächst 13 Tage verletzt, ehe es ihn wieder am Oberschenkel erwischte. Jetzt kommen 26 Ausfalltage dazu, was sich auf acht Partien ohne den Stürmer summiert. Touré hat einen Mittelfußbruch erlitten. Sieben Spiele wurden seither bestritten, und der VfB wird noch Monate ohne die Leihgabe auflaufen.

Umso höher ist zu bewerten, dass der VfB in Heidenheim seine Erfolgsserie ausgebaut hat. Trotz der widrigen Bedingungen und der nickligen Spielweise der Gastgeber. Seit fünf Pflichtspielen sind die Stuttgarter ungeschlagen, die letzten vier haben sie sogar gewonnen. Ausgangspunkt war das enttäuschende 1:5 in Belgrad. Nun ergibt sich eine gute Position – in der Champions League, wo die Chance auf ein Weiterkommen besteht, im DFB-Pokal, wo im Viertelfinale der FC Augsburg erwartet wird, und in der Liga, wo wieder mit dem VfB zu rechnen ist.

Auch dank Nick Woltemade, der laut Hoeneß „der Spielentscheider“ in Heidenheim war mit seinen drei Torbeteiligungen. Den Treffer von Maximilian Mittelstädt bereitete er direkt vor, das Tor von Enzo Millot leitete der Stürmer ein, und einen Foulelfmeter verwandelte er selbst. Woltemade ist nach längerer Anlaufphase und in Abwesenheit prominenter Nationalspieler zum Erfolgsfaktor im Stuttgarter Spiel geworden. Ein Leistungssprung, der die Verantwortlichen darüber nachdenken lässt, ob sie im Winter überhaupt einen Transfer für den Offensivbereich in Angriff nehmen sollen.

Was läuft mit Mathys Tel?

Geld dafür ist offenbar vorhanden. Doch zum einen bietet der Januar kaum eine Auswahl an passenden Spielern. Zum anderen muss der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth abwägen, wie sich die Situation weiter entwickelt. Denn sinnvoll wäre es, eine Verstärkung gleich zu Beginn des neuen Jahres an der Mercedesstraße präsentieren zu können – weil es der Start mit sechs Spielen zwischen dem 12. und 29. Januar gleich in sich hat.

Mit der Verpflichtung von Mathys Tel vom FC Bayern wird deshalb geliebäugelt. Der 19-Jährige würde mit seiner Schnelligkeit in das Anforderungsprofil passen. Zuletzt wollten die Münchner den Franzosen aber nicht mehr abgeben. Und der VfB überlegt, wie er sich aufstellt, wenn Undav und Leweling wieder zurückkehren beziehungsweise Woltemade seinen Lauf fortsetzt.

Geht es dann darum, in der Champions League wettbewerbsfähig zu sein und in der Liga einen Europapokalrang zu sichern – oder geht es mehr darum, eine Mannschaft mit ihren jungen Spielern reifen zu lassen? Eine erste Antwort liefert womöglich bereits die Begegnung mit dem Aufsteiger aus Hamburg. Gewinnt der VfB gegen den FC St. Pauli, steht er nur fünf Punkte schlechter da als in der Rekordsaison zuvor. Trotz der ungewohnten Strapazen. Zeit zur Erholung und strategischen Ausrichtung bleibt dann über die Feiertage. Wobei es Hoeneß und Wohlgemuth zuzutrauen ist, dass sie die Entwicklung der Mannschaft vorantreiben und gleichzeitig gute Ergebnisse erzielen.