Der Niederbayer Uğur Bağışlayıcı, bekannt als Django Asül, kam aus Hengersberg nach Nagold und lieferte ein zweistündiges Feuerwerk ab.
Die Zuschauer in der voll besetzten Seminarturnhalle begrüßten Django Asül sehr freundlich, was er mit dem Wellnessfaktor, den Nagold auf ihn ausübe, beantwortete. Er schwärmte auch gleich von der Jet-Tankstelle, die das Benzin gerade um vier Cent billiger verkaufe als sonst in Baden-Württemberg. So kämen sie von überall her.
Schwärmen gehört zum Geschäft
Schwärmen gehört zu seinem Geschäft. Django Asül schwärmt zum Beispiel von Dr. Rubin, die für die Gesundheit empfehle, täglich jemanden sieben Minuten lang innig zu umarmen. Er habe das mit einer fremden Dame getestet. Dieser sei das nicht so angenehm gewesen; also tröstete er sie, dass nach sieben Minuten alles vorbei sei.
Außerdem schwärmt er von seinen Nichten, 14 und 16 Jahre alt. Er fühle sich auf Augenhöhe mit ihnen. Er schließe daraus, dass er gerade in der Pubertät sei. Die Nichten folgern daraus, dass er der ältere Bruder ihrer Mutter ist, also höher im Familien-Ranking steht. Wenn sie mit ihm auf Augenhöhe seien, seien sie zwangsläufig ihrer Mutter überlegen. Das hat man in der Pubertät ja öfter.
Wie man Druck aus der Situation nimmt
Es komme ihm sehr auf Fingerspitzengefühl an. Experten empfehlen, Druck aus der Situation zu nehmen. Sein Stammtischbruder Hans sei bei so was ungeschlagen. So auch bei einer Parksituation, bei der ein Autofahrer die Politesse anbrüllte, weil er doch nur kurz gehalten habe, um rasch Brötchen zu kaufen. Der Streit sei eskaliert, der Autofahrer wollte handgreiflich werden. Da nahm Hans den Druck aus der Auseinandersetzung, indem er fragte „Warst du schon immer so ein Depp?“ Das sei Fingerspitzengefühl auf den Punkt gebracht.
Überhaupt spielt der Stammtisch eine große Rolle für Django Asül. Da stehe er gerne um 7.30 Uhr auf, um gleich strukturiert seinen Tagesplan zu erfüllen, damit er pünktlich um 10.30 Uhr beim Stammtisch sein könne. Den Weg dahin benutze er zur Entspannung, um einen Burn-Out zu vermeiden. Außerdem könne er dabei gleich in seine Zukunft schauen, er geht am Altenheim vorbei und am Friedhof. Mit über 50 brauche man keine Überraschungen mehr.
Subjektiv falsch – objektiv richtig
Beispiele führte er an für eine subjektiv falsche Entscheidung, die dann zum objektiv richtigen Ergebnis führt. Franz Beckenbauer und Gerd Müller zum Beispiel wollten für den damals besser angesehenen 1860 München spielen, klappte nicht. So seien sie zu Bayern München gegangen, was sich als objektiv richtig erwiesen habe. Oder 1974 bei der Weltmeisterschaft verlor die bundesdeutsche Elf gegen die DDR, ein großer dunkler Fleck – subjektiv das falsche Ergebnis. Aber damit kamen sie in die deutlich schwächere Gruppe und gewannen dann das Endspiel – objektiv super.
Auch Gerechtigkeit gegenüber Frauen fordert Django Asül ein. Im zwölften Jahrhundert hätten Frauen mehr zu sagen gehabt als in den folgenden Jahrhunderten. Warum? Die Länder waren damals überzogen von Kriegen und Seuchen. Die Frauen mussten durch den Männerverlust die Arbeit der Männer übernehmen.
Ein Spruch folgt auf den anderen
Nach der Pause imitierte Django Asül ganz köstlich einen Säufer, der seine Lebensweisheiten ausbreitete. Gipfel war dabei, dass er die Welt im nüchternen Zustand nicht ertragen könne und sie auch nicht so erleben wolle.
Django Asül gab während seines Programms in Nagold so einige Sprüche von sich: „Die einzigen, die in China Fußball spielen können, sind die Koreaner.“ Oder auch: „Es gibt Menschen, die hinterlassen eine Lücke. Es gibt Menschen, die hinterlassen keine Lücke. Und es gibt Menschen, die sind die Lücke.“ Django Asül: „Meine Eltern waren Klasse. Ich war im hohen einstelligen Alter und dachte noch nicht ans Ausziehen.“ Weiter ging’s mit: „St. Gotthard ist der einzige Heilige, der nach einem Tunnel benannt ist.“ Und auch: „Die Bevölkerungsdichte sagt nicht aus, wie dicht die Bevölkerung ist.“
Am Ende erhielt Django Asül, wie nicht anders zu erwarten war, großen Applaus.