Michael Schopfer (links) und Thomas Moser streiten als „Schwert & Gosch“ zur Freude ihrer Fans auch miteinander. Foto: Birgit Heinig

War das nun eine Premiere oder ein Wiedersehen? Egal, das Publikum liebt Thomas Moser und Michael Schopfer und bereitete dem Kabarettduo am Samstagabend im Ratskeller in Villingen einen fulminanten Einstieg in dessen neue Reihe „Schwert & Gosch“.

Es dauert keine Minute, da steigt bei der „Gosch“ Thomas Moser schon der Blutdruck. Und das, obwohl der „Uffregger“ des Oberzentrums, wie er selbst sagt, eigentlich ein ganz ruhiger Mensch sei.

 

Diesen ersten Witz des Abends quittieren die Fans mit schallendem Gelächter. Und das sollte während des zweistündigen Programms noch sehr oft erklingen. Das neue Format nach zehn Jahren Kampf der Giganten Villingen versus Schwenningen kommt bestens an.

„Reg dich doch nit glei so uff, sonst geht die noch die Puste aus“, warnt Michael Schopfer gleich zu Beginn, doch weder das eine noch das andere tritt ein. Moser hält durch, trotz gewaltigem Potenzial an Aufregerthemen. Was mit den sozialen Medien und der E-Mobilität beginnt, setzt sich mit der Bürokratie und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands fort.

Über die Jugend

„Wir treiben unsere Feinde nicht in die Flucht, sondern in den bürokratischen Irrsinn“, zieht Schopfer wie so oft an diesem Abend sein „Schwert“ und knüpft gleich die Verbindung zur Deutschen Bahn und ihrer Unzuverlässigkeit mit der Frage „Wie kommen unsere Soldaten an die Front, wenn der Zug nicht fährt?“ Die Jugend als marschierende Landesverteidiger können sich beide ohnehin nicht vorstellen. „Die hocken doch bis 15 im Lastenfahrrad und Essen aus der Büchse, kannste vergessen, die haben alle Laktose oder Gluten.“

Früher war’s schöner – auch darin sich die beiden Senioren einig, die sich selbst als erste Klimaaktivisten bezeichnen, klebten sie in jungen Jahren doch noch an jedem Tresen fest. Den Kleber für die Straße können sie sich nun, im Alter, sparen, „wir kommen eh nicht mehr hoch“. Der Musik von damals wird genauso nachgetrauert wie Saufgelagen, Pril-Blumen auf Küchenfliesen und bunten Stickern auf löchrigen Jeans.

Und schon ist man wieder bei der Jugend, die sich Löcher mit Jeans zu immensen Preisen kauft, knöchel- und bauchfrei geht, aber „mit vier Schals um den Hals“. „Haben die keine Oma?“ fragt Moser und denkt an seine eigene. Und da wird es, wie hin und wieder an diesem Abend, ernst. Betretenes Nicken im Publikum bei den Worten „Meine Oma sagte immer zu uns Kindern: Wir gingen den Weg von unten nach oben. Ihr habt es schwerer. Ihr müsst von oben nach unten“.

Hallenfest und Zunftball

„Streiten ja, hetzen nein. Lasst uns alle Freunde sein“. Noch so ein Spruch zum Nachdenken. Doch erst einmal erklingt die Hymne an die eigene Jugend, an die Generation „hinfallen und aufstehen ohne die Hilfe der Eltern“, darüber, dass Tinder früher „Hallenfest der Katzenmusik oder Zunftball“ hieß und Mobbing noch ein Fremdwort war.

Nach der Pause geht es um Politik und unfähige Politiker „ohne Meisterbrief“, aber auch um die deutsche Weltmeisterdisziplin, Jammern auf hohem Niveau. Zum Thema Migration sagt Schopfer: „Viele wissen nicht, wie ihre Nachbarn heißen, fürchten sich aber vor Überfremdung“. Als Zugabe gibt es einen Fragenkatalog mit auf den Nachhauseweg. Ein Auszug: Kann man die Rechnung für einen Logopäden auch abstottern und sind Katholiken, die protestieren, dann Protestanten?

Termine und Tickets

Für das Kabarett „Schwert & Gosch“ im Villinger Ratskeller gibt es aufgrund ausverkaufter Vorstellungen einen Zusatztermin am Freitag, 10. Januar, 20 Uhr. Für den 23. und 29. November im Schwenninger Café Häring gibt es noch Restkarten. Alle Karten sind erhältlich im Reinigungszentrum Heinzmann in Villingen, Niedere Straße 53, Telefon 07721/2 53 86, im Blumenhaus Schopfer in Schwenningen, Schützenstraße 28, Telefon 07720/58 25 oder per E-Mail th.moser@gmx.de.