Mit einem Striptease begeistert Phillip Scharrenberg das Publikum. Foto: Hübner

Überaus abwechslungsreich war die diesjährige Veranstaltung "Kabarett meets Comedy" im Theater im Deutschen Haus. Besucher konnten sich an Zaubertricks, kurzweiligem Physikunterricht und gar einem Striptease erfreuen.

St. Georgen - Durchs Programm führte Bene Reinisch, der es bereute, während Corona wieder bei den Eltern eingezogen zu sein, da er sofort nach dem Eintreten in die Wohnung wieder Pickel im Gesicht und eine Bravo in der Hand gehabt habe. Seine Akademikerfamilie sehe ihn im Wachkoma: "Er lebt, aber kann sich nicht selbst versorgen." 78 Prozent der Jugendlichen vertrauten bei der Berufswahl den Eltern, acht von zehn seien aber unzufrieden mit ihrer Arbeit, gab er zu bedenken.

Reinisch berichtete auch über seine Kindergartenzeit, in der die Tochter einer Beamtin der Deutschen Bahn immer zu spät kam. Sehr kurios waren Erinnerungen an seine Punkzeit, in der er mit Apfelschorle der Mutter im Rucksack auf einer Demo gegen Rechts war.

Hollywood sprengt physikalische Gesetze

Des Themas "Physik in Hollywood", beziehungsweise nicht allzu realistischen Filmszenen nahm sich Sascha Vogel an. Er widmete sich dabei auf vergnügliche Art den Fragen, ob ein Affe wie in "Fluch der Karibik" aus einer Kanone geschossen ein anderes Schiff erreichen würde, oder ob wie in "Ice Age" ein Opossum einen Abdruck in einem Baumstamm hinterließe. Dabei vermittelte er quasi nebenbei Grundwissen in Sachen Flugkörperberechnung oder Kraftauswirkung.

Vor der Pause zeigte sich nochmals Reinisch, der mit Zaubertricks begeisterte. Danach wurde es mit Phillip Scharrenberg lyrisch und musikalisch. Der machte sich zum Beispiel darüber lustig, dass heute aber jeder relevant sein wolle und dass es in sozialen Medien nur darum gehe, was man nachplappern müsse, um noch mehr Herzen zu bekommen. "Es war noch nie so einfach, beliebt zu sein", so sein Fazit. Diese Erkenntnisse gipfelten in einem Lied zum "albernen Tanz um Relevanz" mit Texten wie "Die Welt will Infor-ma-ti-on, jeder schreibt im Nazi-Ton" oder "Gute Tat ins Netz gefunkt, gibt sozialen Extrapunkt".

"Freiheit für die Queergestreiften"

Über Zeitgeschehen machte sich Scharrenberg auch lustig als er feststellte, dass der Krieg in Europa an Silvester nachgestellt worden sei. Konsequent sei, Winnetou verbieten zu wollen, aber "Mein Kampf" weiter zu drucken. Im Internet würden Kinder nicht indoktriniert, mit einem Buch schon.

Er merkte an, dass Vernetzung gar nichts Neues sei. "Jeder Wald hat mehr Bandbreite als du, der hat Grasfaser." Im Gedicht "Der Spinner aus dem WWW" glänzte er mit Versen wie "Zu Drohnen sagt man dank der Striche farbdiverse Bieneriche" oder "Freiheit für die Queergestreiften".

Höhepunkt seines Auftritts war schließlich ein Lied über "das Schreckgespenst, ein Bürgerlicher zu werden" und sich womöglich bei einem Bewerbungsgespräch seelisch nackig machen zu müssen. Begleitet wurden diese Betrachtungen zur Begeisterung des Publikums von einem Song aus der "Rocky Horror Picture Show", den Scharrenberg mit "Germanys Next Jobmodel" betitelt hatte. Passend zum Thema legte er dabei auch einen realen Striptease hin, was ihm vom Publikum Applaus und Beifallsrufe einbrachte.