Ein wahres Kabarettfeuerwerk erlebten die Zuschauer anlässlich des 750-Jahres-Jubiläums der Kirchengemeinde im Gemeindezentrum Sonne mit den „Maulflaschen“.
Gemeindereferentin Verena Oehl begrüßte die Zuschauer im ausverkauften Saal und stellte mit Blick auf das 750-jährige Jubiläum fest: „Wer so lange durchhält, hat sicher nicht nur gebetet, sondern auch gelacht – auch über sich selbst“. So sollte auch an diesem Abend gemeinsam gelacht werden, auch über das, „was uns heilig ist“, so Oehl.
Sie machte die Bühne frei für die Maulflaschen. Diese forderten direkt das Publikum, indem sie gemeinsam den Refrain des bekannten Kirchenliedes „Jetzt ist die Zeit“ einstudierten. Doch einer der Maulflaschen trat fast gar empört auf die Bühne und gab zu, dass, wenn er Gott wäre, er bei diesem langweiligen Gesang nicht kommen würde. Das „langweilig“ meinte jedoch weniger die Textzeilen an sich, sondern die Performance, die direkt moderner und lebendiger gestaltet wurde.
Allgemein, so beschrieben die Maulflaschen ihr Ziel, wollen sie die Lösungen von Morgen auf die Bühne bringen, um die Probleme von gestern zu lösen. Und um dies möglichst modern zu machen, schlugen sie eine Kampagne angelehnt an „The Länd“ vor. So sollen die Kirchenkampagne „The Tschörtsch“ und das neue ökumenische Liedbuch „The Xäng-Buch“ frischen Wind in die Kirche bringen.
Durch ihr Programm stellten sie dem Publikum immer wieder Lieder zu liturgischen Abschnitten im Gottesdienst vor. Der Klassiker „Großer Gott, wir loben dich“ stand plötzlich in abgewandelter Version und zum Schunkeln im Raum. Mit immer wieder szenisch wechselnden Outfits, ob als Fußballfans, Teilnehmer an einer Synode als Vertreter unterschiedlicher Länder, in bayrischer Tracht, Rocker, Gangster oder Mallorca-Touristen präsentierten sie dem Publikum Kurioses und Visionäres aus der und über die Kirche.
German Gründlichkeit
In einer Gemeindeversammlung, die eigentlich einberufen wurde, um die Vakanz der Pfarrstelle mit der Gemeinde zu klären, hatte sich dieses Thematik vermutlich schneller geklärt, als den Gemeindemitgliedern lieb war, denn anstatt einer Vakanz standen sie vor allerlei Fahrdiensten des Priesters ohne Führerschein und sollten diesen auch noch verpflegen. „Hier geht’s nicht mehr um ‚typical german humor‘, sondern um ‚typical german Gründlichkeit‘“, wurden die Gemeindemitglieder, das Publikum, von den Maulflaschen aufgefordert.
„Ich hab mal geschaut, ob’s was Neues in der Kirche gibt“, sagte einer der Maulflaschen zu einem anderen, und tatsächlich habe es etwas Neues gegeben. Auf einem Flyer sei vermerkt, wie man die Kirchengemeinde erreichen könne. Das ließen sich die beiden nicht nehmen und riefen an. Sie wählten die Möglichkeit, Kritik zu äußern, aus und waren bemüht, über das Frauenpriestertum oder die Abschaffung des Pflichtzölibat Kritik zu äußern.
Doch an der anderen Seite des Hörers hieß es jedes Mal: „Ich habe Sie nicht verstanden, bitte wiederholen Sie Ihre Eingabe“. Und auch die Gelegenheit, mit pastoralem Personal ins Gespräch zu kommen, blieb den beiden verwehrt, denn die Wartezeit für ein Gespräch betrüge vier Wochen, drei Tage und 28 Stunden. „28 Stunden?“ fragte einer, woraufhin der andere entgegnete: „Ja, denen reichen 24 Stunden nicht mehr aus“.
Die fünf beendeten ihr Kabarettfeuerwerk mit einem Appell an die Ökumene und dem Lied für’s Xäng-Buch unter der Nummer 1001. „Die Ökumene tut Not. Denn wir beide meinen, den gleichen, den einen, den evan-katholischen Gott.“