Wie wird man Multimillionär in sieben Schritten? Wie kauft man sich von Schuldgefühlen frei? Unter anderem diesen Fragen ging Kabarettist Chin Meyer bei seinem Auftritt im Lahrer Stiftsschaffneikeller nach. Nicht fehlen durfte die Beteiligung der Zuschauer.
Kabarettist Chin Meyer, zum letzten Mal vor mehr als zehn Jahren in Lahr, stand nicht nur in einem mit Geldscheinen bedruckten Anzug auf der Bühne des Stiftsschaffneikellers. In seinem aktuellen Programm „Grüne Kohle“ drehte sich alles um den schnöden Mammon, um legale und illegale Geldgeschäfte, die nächste „Kursrakete“.
Der 1959 in Hamburg geborene Satiriker, Schauspieler und Sänger gilt seit langem als Finanz- und Wirtschaftsspezialist der Kabarettszene. Dass er irgendwann die „Grünen“ und das Geld in einer Überschrift zusammenführen würde, konnte er sich bis vor wenigen Jahren trotzdem nicht vorstellen. Mittlerweile ist aber der sogenannte „Green Deal“ in aller Munde, die Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Ökologie mit guten Geschäften und Geldvermehrung.
Bevor er am Samstagabend in sein aktuelles Programm einstieg, nutzte Chin Meyer aber erst einmal die Gelegenheit zu einer Vorstellungsrunde, zu einer kleinen Plauderei mit den rund 80 Zuschauern links und rechts des Mittelgangs im Keller des „Lahrer Kulturkreis“.
Cum-Ex-Papiere sind Thema
„Grüne Kohle“ lautete also das Motto eines Abends, der sich schnell als finanzpolitischer Aufgalopp mit reichlich Zuschauerbeteiligung und einer scharfzüngigen Betrachtung internationaler Geldströme und Finanzgebaren entpuppte. Chin Meyer präsentierte sich als Berater in allen Geld- und Börsenfragen, aber auch als netter Onkel, der sein Publikum detailliert in das Muster der Geschäfte mit den sogenannten „Cum-Ex-Papieren“ einführte, die überall erkennbare Gier benannte.
Den Staat ausnehmen, die Beute aufteilen und ab ins nächstgelegene Steuerparadies – ein Leben auf großem Fuß. Chin Meyer sezierte die Mechanismen, hatte immer auch noch einen politischen Giftpfeil im Köcher oder einen Song wie den noch ungekürten Sommerhit 2024 parat, in dem er Andrea Berg auf den Spuren von Anton Hofreiter „Sei mein Panzer, mein Sonnenschein“ singen lässt. Chin Meyer sprach über die Lehre der Geldvermehrung, der finanziellen Homöopathie nach dem Motto Globuli und Dividende, der Che Guevara des „Greenwashing“ und des Klimawandels.
Satiriker beantwortet Fragen aus dem Publikum
Mit schrägem Humor wurde nach der Pause eine plötzlich auftretende Rückkopplung in der Tonanlage überbrückt, bis Techniker Ralf das ganze in den Griff bekam. Chin Meyer beantwortete die vom Publikum ausgefüllten Fragekarten und erläuterte das Konzept, das einem in sieben Schritten zum Multimillionär macht. Der nächste Song verknüpfte den Klimawandel mit der Idee, sich zur Befreiung von Schuldgefühlen einen Birkenwald zu kaufen, der dann als Märchenwald endet. Passend dazu das von „Black Rock“ entwickelte Finanzsoftware „Aladdin“, die wie der Geist aus der Lampe jedes Risiko minimiert. Wirklich sorgen muss sich aber ohnehin keiner machen. Wir trinken Bier, die Brauerei pflanzt die Bäume, den Rest besorgen dann die klimaneutralen Zukunftsprogramme von „British Petroleum“.
Als finales Schmankerl fragte Chin Meyer dann noch im Publikum die aktuell wichtigen Themen ab und strickte daraus spontan eine waschechte Opernarie, bei der er noch einmal in die Vollen ging.