Mit viel schwarzem Humor und oft auch lebensbejahend behandelte Uwe Spille das Thema Vorsorge und Patientenverfügung in Königsfeld. Foto: Stephan Hübner

Vorsorge und Patientenverfügung waren das ungewöhnliche Thema von Kabarettist und Liedermacher Uwe Spille in seinem Programm „von der Schippe gesungen“. Der Kreisseniorenrat hatte ihn um eine humorvolle Bearbeitung des Themas gebeten.

Dabei habe er sich gefragt, ob er so nicht der Depressiven-Selbsthilfegruppe Mitglieder zuführe, so Uwe Spille. Er selbst lag vor einem Jahr mit Herzstillstand auf „den Brettern die die Welt bedeuten“. Überlebt habe er nur dank der Herzdruckmassage seiner Frau.

 

Bei deren Verabreichung passe der Rhythmus von „Staying Alive“ oder „Highway to Hell“, führte er zur Belustigung der Gäste vor. Das dramatische Ereignis beschrieb er musikalisch mit Versen wie „Dies Lied hab ich von der Schippe gesungen, ist mir direkt von der Rippe gesprungen“.

Das Wort „Schippe“ stamme vom Haken am Stab von Schäfern, die damit alte Schafe aus der Herde zogen, ähnlich wie es der Sensenmann mit menschlichen Schafen mache.

Gute Ehe erhöht die Lebenserwartung

Eine gute Ehe erhöhe die Lebenserwartung von Männern. Er selbst führe eine solche, da seine Frau statt die Lebensversicherung zu kassieren damit begonnen habe, sein Herz zu massieren. Wie schnell alles vorbei sein kann, beschrieb er gesanglich mit den Liedern „Mit 66 Jahren“ von Udo Jürgens sowie „60 Jahre und kein bisschen weise“ von Curd Jürgens, der kurz vor dem 67. Geburtstag starb. Letzterer habe dafür nicht monogam gelebt, sondern das Leben genossen.

Kuriose Erinnerungen an die Reha

Kurios waren Erinnerungen an Spilles Reha, in der er Männer traf, die trotz ihres Beinahe-Ablebens nur herumnörgelten und denen er am liebsten zugerufen hätte „dann stirb doch einfach!“

Eine Patientenverfügung sei ein Akt der Nächstenliebe, denn sonst überlasse man den Nächsten Entscheidungen, die diese vielleicht gar nicht treffen wollten. Deshalb solle man sich darum nicht erst kümmern wenn der Tod an der Türe kratze. Das sei auch für Ärzte ein Segen. Manche Patienten glaubten, man werde dann abgeschaltet, aber man könne alles reinschreiben, auch dass man überleben wolle. Spille erklärte schwarzhumorig, dass man wisse dass man alt sei, wenn man am Friedhof vorbeilaufe und die Würmer einem hinterherpfiffen. Oder dass Raucherhusten in Bayern als Friedhofsjodler bezeichnet wird.

Kontroverse Thesen

Er stellte kontroverse Thesen auf, so dass man einem todkranken Hund vielleicht nur deshalb die Spritze gebe, weil man nicht bei dessen Leiden dabei sein wolle. Im gleichen Atemzug fragte er, warum man das Recht auf selbstbestimmten Tod Menschen nicht zugestehe.

Bei der heutigen Intensivmedizin müsse Gevatter Tod nämlich häufiger vorbeikommen als bei einer Katze mit neun Leben.

Mal nachdenklich, mal lebensbejahend

Mal nachdenklich, mal lebensbejahend waren Lieder, in denen Spille versuchte, den Sinn des Lebens im eigenen Bett zu finden oder das eigene Ende als Fest zu zelebrieren. Gegen Ende gab es eine lustige Übung zum Loslassen und Spille riet gesanglich, „sich das Leben zu nehmen, bevor es uns genommen wird“, nicht im suizidalen Sinne, sondern lebensbejahend.