Trotz einstündiger Unterbrechung wegen starker Regengüsse genossen rund 250 Besucher den Kulturabend „Nebba Dussa“ auf dem Hofgelände der Familie Moosmann im Höhenkreuzweg in vollen Zügen.
Die von Tobias Moosmann zum vierten Mal organisierte Open-Air-Veranstaltung „Kultur Nebba Dussa“ auf seinem Hofareal in Hinteraichhalden startete bereits am Nachmittag und in der Ortsmitte.
Bürgermeister und Schirmherr Michael Lehrer empfing den Spezialgast des Abends, Kabarettist Martin Wangler, und die Bullgdogfreunde Sulgen und Umgebung vor dem Rathaus. Nach einem Umtrunk und Plauderei tuckerten die Traktoren in den Höhenkreuzweg 13, im Schlepptau Martin Wangler auf seinem Fendt und Forstarbeiterwagen mit Wanderkunstbühne.
Auf dem Festgelände vor erwartungsvollen Besuchern sorgte die Drei-Mann-Band „Locker vom Hocker“ mit Rockmusik, Oldies und Balladen für eine gute Einstimmung.
Holzfäller Werner Brohammer aus Hornberg packte seine PS-starke Motorsäge aus und „schnitzte“ aus einem Holzstamm eine sehenswerte Eule. Dieses Kunstwerk wurde anschließend versteigert.
Beim Wettbieten griff der Bürgermeister in die Trickkiste, wodurch ein beachtlicher Geldbetrag erzielt wurde. Dieser sowie der gesamte Reinerlös des Abends wurde an den von Marianne Mack gegründeten Verein Santa Isabel gespendet, der schwer kranken und in Not geratenen Menschen hilft.
Martin Wangler hatte in der Kunstfigur des Fidelius Waldvogel kaum eine halbe Stunde sein Programm „Land in Sicht – Kabarett auf der Wanderbühne“ begonnen, als heftige Regengüsse niedergingen und sein Auftritt um rund eine Stunde unterbrochen werden musste. Doch davon ließ sich das Publikum nicht entmutigen, was beim Kabarettisten große Anerkennung auslöste. „Wer bei so einem Sauwetter dageblieben ist, hat allemal eine Zugabe verdient“ bedankte sich Fidelius Waldvogel.
Im alemannischen Dialekt
Während seines Programms blickte der urige Kabarettist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und der Gesellschaft den Spiegel vorhält, ins Ländle und setzte sich auf originelle Weise mit aktuellen Themen auseinander.
Hierzu gehörten die Landwirte, die immer einen Grund zum Jammern – und zum Speck essen hätten. Nicht von der Gabel, sondern in der Hand entfalte er sein volles Aroma.
Gründlich in die Hose ging der Wolfszaunbau mit Kim aus Hannover, die unbedingt mal mit Fidelius’ Traktor fahren wollte, ihn den Hang runter alleine rollen ließ und schrottete. Da Kim jedoch eine gute Unfallversicherung hatte, konnte sich Fidelius endlich einen Traktor mit Dach kaufen.
Immer wieder garnierte der mehrfach ausgezeichnete Künstler aus Breitnau seine Geschichten mit Liedern in alemannischem Dialekt, die es in sich hatten – sei es das Wetterlied „Mir hets ins Ruder gsaicht“ oder eine Hommage an die badische Spezialität „Bibiliskäs“, den Fidelius sogar den „Bibili“ (Küken) verfüttert, damit aus ihnen mal fette Hühner werden.
Erdbeeren aus Chile
Tierisch regte er sich über Werbung von landwirtschaftlichen Produkten wie Erdbeeren aus Chile und Sojabohnen aus dem gerodeten Regenwald in Brasilien auf. Weil ihm das Einkommen als Landwirt hinten und vorne nicht mehr reichte, bildete er sich als Bademeister weiter. Früher habe es Waldbaden umsonst gegeben, heute werde dafür bezahlt.
Der Schwarzwälder erklärte den Besuchern den Unterschied zwischen Hirsch und Rehbock und schilderte mit nachgeahmten Rufen die dreiwöchige Brunftzeit. „Dann ist der Hirsch im Arsch. Sein Ruf kommt dann jeder Ehefrau bekannt vor“, ertönte aus Fidelus’ Mund ein lautes Schnarchen.
Für seinen Erkennungszauber mit Perücke und Trommel benötigte der Künstler die Beteiligung des Publikums, das sich in die Zeit des Wilden Westen und der Indianer zurückversetzt fühlte.