Gott liebt „die Irren“ – und Kabarettist Thomas Schreckenberger hat sie in den Mittelpunkt seines Programmes „Irre sind menschlich“ gestellt, das er im Ebinger Kräuterkasten aufgeführt hat. Foto: Büttner

„Irre sind menschlich“ – das hat Kabarettist Thomas Schreckenberger mit seinem gleichnamigen Programm im Ebinger Kräuterkasten gezeigt. Politiker hat er ebenso aufs Korn genommen wie kontroverse Themen; die Gäste dankten ihm mit donnerndem Applaus.

Welchen Irrsinn die Irren in aller Welt zu jeder Zeit produzieren, und welcher Mittel sie sich dazu bedienen – das hat Kabarettist Thomas Schreckenberger am Freitag den Gästen im Ebinger Kräuterkasten aufgezeigt.

 

Aber Gott liebt die Irren, sonst hätte er nicht so viele von ihnen erschaffen. Als Beispiel könnte man den neuen Präsidenten der USA nehmen.

Im Ebinger Kräuterkasten geraten Politiker unter die kabarettistische Lupe

Doch wie sollen wir mit ihnen umgehen? Früher war das einfacher, da hat man den Verrückten aus einem Dorf einfach einem Wanderzirkus als Clown mitgegeben. Heute kann man sie nur mit einem breitkrempigen Hut auf Distanz halten, wie Melania Trump beweist.

Die aktuelle politische Situation ist eine Fundgrube für Thomas Schreckenberger: Neben Trump droht Putin. Wie können wir uns wehren? Sollen wir ihm Sachsen und Thüringen schenken? Oder helfen unsere Panzer? Könnte ein gutes Mittel sein. Die sind so alt, die waren schon zweimal im Osten, die kennen sich dort aus.

Aber auch unsere heimischen Parteien und Kandidaten nimmt der Kabarettist genau unter die Lupe, beschreibt sie treffend, mal lakonisch kurz, sprachgewandt, witzig, er parodiert sie bis zur Kenntlichkeit, verwendet auch schon mal den Holzhammer.

So hockt Kanzlerkandidat Friedrich Merz auf einem Kaktus wie ein Geier, der auf seine Opfer lauert, FDP-Chef Christian Lindner schafft es tatsächlich, dass Bundeskanzler Olaf Scholz einmal aus seiner Lethargie erwacht, Wirtschaftsminister Robert Habeck schwankt mit Sprache und Körperhaltung, Gesundheitsminister Karl Lauterbach näselt und CSU-Chef Markus Söder sticht zu.

Da eilt wer „durch Nacht und Wind“ – der Zug ist es aber nicht

Es sind geniale Schauspieler – folgerichtig teilt Thomas Schreckenberger ihnen also die passenden Rollen in Goethes Faust zu: Lauterbach wird „armer Tor“, der teuflische Merz intrigiert, Ex-Kanzlerin Angela Merkel darf sogar zum Gretchen werden.

Wie zeitlos Goethe ist, beweist auch sein „Erlkönig“: Da eilt jemand „durch Nacht und Wind“, doch der Erlkönig hat sich in den Bahnchef verwandelt, der mit süßen, verlockenden Tönen den Zugverkehr preist. Das schaurige Ende war zu erwarten, „der Zug fällt aus“.

Schuld an dem Desaster sind Leute wie Andreas Scheuer und Alexander Dobrindt, die als Minister für den Verkehr zuständig waren. Kein Wunder, dass auch in der digitalen Welt alles schief läuft, gehört sie doch auch in deren Bereich.

Daten können per Pferd schneller übermittelt werden als per Internet, digitaler Unterricht ist eine Katastrophe, wie auch der Lehrermangel, soziale Medien machen mutig, weil man da Dinge schreibt, die man sich zu sagen nie trauen würde, Lernvideos helfen dem verlassenen Ehemann nicht weiter, der persönliche Umgang ist gestört.

Fragen über Fragen – und als Antwort bleibt nur ein hilfloses Lachen?

Wie würde heute das Letzte Abendmahl ablaufen? Jesus will etwas ganz Wichtiges sagen, aber seine Jünger hören ihm einfach nicht zu, weil sie an ihren Smartphones hängen. Auch unser Privatleben hat sich verändert. Wann ist ein Mann ein Mann?

Wie feiert man heute Kindergeburtstag? Topfschlagen? Das ist doch aggressiv! Schnitzeljagd? Fleisch ist heute nicht mehr angesagt? Darf man heute noch in den Urlaub fliegen, wird saubere Luft bald ein so kostbares Gut wie edler Wein?

Thomas Schreckenberger sucht nach Antworten – doch der letzte Ausweg ist nur ein hilfloses Lachen. Oder die richtigen Nachrichten im Fernsehen.Als Zugabe erscheint Klaus Kinski in der Spätausgabe und verliest die Neuigkeiten. Mit seinem Blick, mit seinem Tonfall können die nur schaurig sein.

Doch die Gäste im Kräuterkasten sind nicht erschreckt, sie sind begeistert, kommentieren den Abend mit donnerndem Applaus und irrem Gelächter.