Das neue Programm des doppelstädtischen Kabarett-Duos „Schwert & Gosch“ garantiert einen schwerelosen Abend mit Fitnesstraining für die Lungen und die Lachmuskeln.
Am Anfang bekam es das Publikum im ausverkauften Café Häring in Schwenningen sogar schriftlich: Auf sie warte ein Abend ohne die Erwähnung des „orangenen Frettchens“ aus Übersee und das nicht nur aus Angst vor Milliardenklagen und Wucherzöllen, sondern aus Fürsorge für die Zuschauer.
„Kein Wort über Politik – ihr sollt einen Abend lang endlich mal wieder lachen können“, hieß es zuversichtlich. Dafür legten sich die beiden – der Villinger Thomas Moser und der Schwenninger Michael Schopfer – mächtig ins Zeug und das mehrheitlich aus „Babyboomern“ bestehende Publikum lag ihnen schon nach kurzer Zeit herzlich lachend zu Füßen.
Pulsader schwellt an
Moser und Schopfer spotteten über tägliche Beobachtungen, gaben persönliche Geheimnisse preis und schwelgten in Erinnerungen an frühere, an „bessere“ Zeiten. Gleichwohl fehlten sie nicht lange, Mosers schwellende Pulsadern, die angesichts der vielen „Uffreger“ oft bedrohliche Ausmaße annahmen.
Ob die beim Einkaufen allüberall notwendigen Apps – „ich hab’ nur apps im Wagge“ – oder die „Beleuchtungsdisco“ in modernen Hotelzimmern, in denen es nie dunkel wird, ob die einen sogar auf der Toilette überwachenden „Schmartfons“ oder die Komplexität einer Autoreparatur, nur weil irgendwo ein „Birnle“ kaputt ist – die Anlässe waren dabei so treffend wie vielfältig.
Michel wird kleiner Moser
Und siehe da: „Michel wird ein kleiner Moser“ – erstmals erfasste auch den ansonsten eher behäbigen Schwaben Schopfer der Aufregervirus. Er sagte eine Demo mit Einweggrills beim nächsten Weihnachtsmarkt an aus Protest gegen die Bratwurstpreise dort, wünschte sich den Männertreff in der Garage bei einem Kasten Bier zurück, als man an den Autos noch selbst schrauben konnte und fragte sich gendertechnisch: „Darf man denn noch Schneemann oder Führerschein sagen?“
Die Deutsche Bahn bekam ebenso ihr Fett weg – „Fahrplan heißt jetzt unverbindliche Abfahrtsempfehlung mit Gleisvorschlag“ – wie die verweichlichte Veggie- und Vegan-Jugend und die sie bewachenden „Kampfhubschrauber unter den Helicoptermüttern“.
Auch das Gekappel zwischen dem Villinger und dem Schwenninger blieb nicht aus, wobei Schopfer zugab, dass man freilich nicht mehr sagen dürfe „Villinger sin bled“, sondern höchstens „kognitiv teilmöbliert“.
Blick zurück
Große Freude bereitete den Zuschauern der gemeinsame Blick zurück in eine Zeit, als es noch Werbeikonen wie Clementine, Frau Antje oder das HB-Männle gab, als im Sportunterricht noch Zirkeltraining anstand und im Fernsehen Serien wie Daktari und Bonanza liefen.
Herzerfrischend war auch der selbstironische Blick der beiden auf das fortschreitende Alter mit den Themen Sex, Arztbesuche und Vergesslichkeit – „mein neues Navi zeigt mir nicht nur den Weg zu meinem Ziel, sondern sagt mir auch, warum ich da eigentlich hin will“. Viele Themen, viele Fragen, viele Antworten – wie stellte Moser im Programm ein ums andere Mal fest? „Des isch doch nimme normal!“
Weitere Termine
Aufgrund der großen Nachfrage laden Thomas Moser und Michael Schopfer zu zwei Zusatzterminen ihres Kabarettabends „Schwert & Gosch“ im Katzenmusikstüble in Villingen am 17. und 18. April. Im Café Häring in Schwenningen gibt es Karten nur noch für den 10. April. Am 8. Mai gastiert das Duo beim Hader Karle in Weilersbach und am 9. Mai bei „Kurt und Genuss“ in Schwenningen.