Die Wahl beim Fundusverkauf, den das K3 Winterlingen veranstaltet hat, fällt schwer: Marienkäfer, Katze oder Paradiesvogel? Foto: Katja Weiger-Schick

Das K3 Winterlingen bringt die Menschen immer wieder mit besonderen Aktionen zusammen. Was dieses Mal ein Dinosaurier und eine bockige Kaffeemaschine damit zu tun haben.

Der Paradiesvogel, ein üppiges Wesen aus schillernden Federn und zarten Tüllstreifen, wartet auf ein neues Zuhause. Genauso eine leuchtend grüne Raupe und ein rosa Schweinchen. Die Blume ist schon einen Schritt weiter. Sie verschwindet – nach freudiger Anprobe – in einer großen Tasche. Gekauft!

 

Es ist viel los im K3 Winterlingen – noch dazu an einem Samstag und so früh am Tag, dass es die beste Zeit für den Besuch auf dem Wochenmarkt wäre. Das K3 holt sich seine Freunde an diesem Tag aber mit mehreren Aktionen ins Haus.

Mrienkäfer, Dino und Co. finden eine neue Heimat beim Fundusverkauf

Die erste davon: Das Theaterteam verkauft Stücke aus seinem Fundus. Die Schnäppchenjäger kommen dabei aus dem gesamten Kreisgebiet – wohlwissend, dass auf der Zollernalb die fünfte Jahreszeit in den Startlöchern steht.

Katharina Hagg beispielsweise ist für ihre Enkelkinder fündig geworden und freut sich über zwei Marienkäfer-Umhänge. Paul, der extra früh aufgestanden ist, hat den kuschlig-plüschigen Dinosaurier für sich entdeckt.

Evelin Nolle-Rieder, im K3 Vorsitzende, Intendantin und Managerin in Personalunion, nimmt Pauls Neuanschaffung sofort in Augenschein: „Zwei Abnäher in der Taille, dann sitzt das noch besser“, rät sie mit dem kundigen Blick der Theaterfachfrau. Alle Kostüme stammen aus vergangenen K3-Produktionen wie „Rettet Rumpelstilzchen“, „Urmel aus dem Eis“ oder „Günni Glühwurm“.

Etwas Entlastung schadet nie, findet K3-Chefin Evelin Nolle-Rieder

Ein Anlass für Wehmut? Keinesfalls, lacht Nolle-Rieder. „Uns geht zwischenzeitlich einfach der Platz aus. Man muss sich einfach trennen können.“ Außerdem weiß sie, dass ihr Kreativteam – Katja Schnabel, Marion Hartmann und Julia Gebler – vor Ideen nur so sprudelt.

Ganz schön was los: Die Flickwerkstatt im K3 Winterlingen erfreut sich großer Beliebtheit, auch wenn es noch früh am Samstagmorgen ist. Foto: Weiger-Schick

Sprich: An künftiger Staffage für die neuen Produktionen wird es nicht mangeln. Zudem zieht das K3-Theater mittelfristig um – und zwar in den Keller seines angestammten Gebäudes in der Wilhelm-Bihler-Straße 4. Da könne etwas „Entlastung“ nicht schaden, findet die K3-Vorsitzende.

In einer anderen Ecke des Theatersaals geht es handfester zur Sache: Es wird geklopft, gelötet, geschraubt. Sebastian Schnabel, Karlheinz Baumann, Bernd Fiebig und Jürgen Rieder rücken dort kaputten Haushaltsgeräten zu Leibe.

Der gelbe Staubsauger von Helmut Bühler macht seit einiger Zeit Sperenzchen, genauso die schwarze Pad-Maschine, die einfach nicht mehr das macht, was sie sollte: Kaffee kochen.

Karlheinz Baumann, Bernd Fiebig und ihr Kampf mit der „bockigen“ Kaffee-Pad-Maschine Foto: Weiger-Schick

Reparatur statt Neukauf lautet die Devise in der Flickwerkstatt

Viele Hersteller setzen, sehr zum Leidwesen der Herren Baumann und Fiebig, heute nicht mehr auf Reparatur, sondern auf Neukauf. Gäbe es nicht die K3-Flickwerkstatt, wären beide Geräte vermutlich sofort in den Müll gewandert.

Diese Form der Nachhaltigkeit ist ganz nach Nolle-Rieders Geschmack: „Was wieder funktioniert, muss nicht durch Neues ersetzt werden. Das schont Ressourcen und Rohstoffe.“

Komplettiert wird das Angebot durch das Handarbeitsstüble. Hinter Wollbergen und Nadelköchern lugt Dagmar Arlt hervor. Sie hat schon Kundschaft: Eine junge Frau möchte endlich stricken lernen.

Katja Schnabel ist höchst kreativ und eine versierte Nähfachfrau. Dagmar Arlt wiederum strickt für ihr Leben gern. Fähigkeiten lassen sich im K3 schon seit jeher sehr gut bündeln. Foto: Weiger-Schick

„Ich habe das zu Schulzeiten irgendwie verpasst“, sagt sie. Kein Problem: Nach dem Anschlagen der Maschen strickt sie zufrieden Reihe um Reihe. Dagmar Arlt strahlt ebenfalls: Geteilte Freude ist doppelte Freude!

Wer ebenfalls glücklich ist, ist Evelin Nolle-Rieder: Den Fundusverkauf wird es künftig einmal im Jahr geben. Zum Stricken und Reparieren (lassen) treffen sich alle Interessierten im K3, das seit 2022 soziokulturelles Zentrum ist, nun monatlich.