Ob diese Straße noch fertig wird? Das fragt sich mancher Bürger, wenn es um die Kreisstraße 5563 Epfendorf – Harthausen geht. Seit zwei Jahren wird diese saniert. Nun wurde das Öffnungsdatum erneut nach hinten verschoben.
Epfendorf-Harthausen - Eigentlich sollte die Strecke Ende Juni wieder eröffnet werden. Doch wer mal aus Neugier zur Baustelle spaziert ist, der dürfte schnell erkannt haben, dass dieses Datum unrealistisch ist.
Seit eineinhalb Wochen ruht die Baustelle. Man wartet auf die Spezialtiefbaufirma, um die letzten Anker zu setzen. Voraussichtlich am 16. Mai wird mit den Arbeiten fortgefahren.
Mit Verzögerungen dieser Art müsse man immer rechnen, weil die Zeitpläne der ausführenden Firmen nicht immer genau aufeinander abgestimmt seien und es immer mal wieder zu unerwarteten Entwicklungen komme, sagt Projektleiter Wolfgang Dausch vom Kreisstraßenbauamt.
Geduld erschöpft
Dass sich das Verständnis der Verkehrsteilnehmer bei einer Verzögerung der Fertigstellung von mittlerweile fast eineinhalb Jahren in Grenzen hält, ist nachvollziehbar. Die Strecke ist seit rund zehn Jahren ein großes Sorgenkind des Landkreises.
Die Leidensgeschichte begann mit einem Hangrutsch, durch den die Straße 2012 massiv beschädigt wurde. Immer wieder war im Gespräch, die Straße zu sperren und damit die direkte Verbindung zwischen Epfendorf und Harthausen zu kappen, diesbezüglich hatte es aber vor allem von der Gemeinde Epfendorf ein eindeutiges Veto gegeben.
Zu Beginn der Planung war bereits von Kosten für den Landkreis in Höhe von 2,4 Millionen Euro für die Rutschungssanierung die Rede gewesen. Das liegt vor allem daran, dass die Baustelle technisch gesehen wohl die einzige ihrer Art in Deutschland ist, wie Kreisstraßenbauamtsleiter Martin Osieja 2021 konstatierte.
Komplizierte Arbeiten
Bei der Straßensicherung werden zwei Stützwände errichtet, die den rund 70 Meter langen Straßenabschnitt sozusagen in die Zange nehmen. Eine Konstruktion aus Bohrpfählen, Kopfbalken und Verpressankern soll dafür sorgen, dass der Hang nicht mehr rutscht. Sogar für Experten aus dem Spezialtiefbau sei die Herstellung der 40 Meter langen Anker, die aus einzelnen, zu koppelnden Elementen bestehen, anspruchsvoll.
Damit wird auch die enorme zeitliche Verzögerung erklärt. Begonnen wurde mit den Maßnahmen im Mai 2020. Ursprünglich war ein Jahr Bauzeit vorgesehen. Schnell wurde jedoch klar, dass das keinesfalls ausreichen würde. Die Fertigstellung wurde erst auf Oktober 2021 verschoben, dann auf Ende Juni 2022 – und nun abermals.
Während der Arbeiten stieß man zudem auf deutlich mehr sulfathaltiges Bergwasser als erwartet – trotz vorheriger, aber eben nur punktueller Bodenuntersuchungen. Da dieses den Anker beschädigen könnte, mussten Vorkehrungsmaßnahmen getroffen werden.
Dritter Bauabschnitt
Mittlerweile ist der dritte Bauabschnitt dran. Die Stützbauwerke und Randbalken sind bereits fertig, jedoch müssen noch 16 Anker gesetzt werden, zudem vier Kappenelemente.
Dass die Spezial-Tiefbaufirma nun auf sich warten lasse, liege unter anderem daran, dass sie im Sommer bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Einsatz gewesen sei, wie Wolfgang Dausch berichtet. Dabei sei ein Bohrgerät beschädigt worden, um dessen Ersatz die Firma sich erst habe bemühen müssen. Für die Anker werden rund sechs bis acht Wochen Arbeitszeit benötigt, wie Dausch schätzt.
Sobald die Anker und die Kappen gesetzt seien, müssten noch 80 Meter Kanal in die Straße gelegt, Gabionenwände als Übergang zum Gelände am Hang gesetzt und die Straßenbauarbeiten vorgenommen werden.
Kosten werden höher sein
Dass man die anfangs angenommenen 2,4 Millionen Euro wohl deutlich nach oben korrigieren werden muss, daran besteht kein Zweifel. Fraglich bleibt nur, wie viel mehr die Maßnahme am Ende gekostet haben wird.
Nun gilt es erst einmal, das diesmal angesetzte Fertigstellungsdatum einzuhalten, in der Hoffnung, dass der Verkehr dann Ende September endlich wieder fließen kann – auf einer Straße ohne Risse, Warnbaken oder halbseitiger Sperrung.