Belegung bis an die Kapazitätsgrenzen, Drogenproblematik und Personal-Hoffnung: So war das Gefängnisjahr in Rottenburg.
Wie ist die Lage in der Rottenburger Justizvollzugsanstalt? Es geht auf alle Fälle eng zu.
Leiter Matthias Weckerle berichtet über die allgemeine Lage, das größte Problem, aber auch Entwicklungen, die Hoffnung machen.
Wie voll ist es in der JVA Rottenburg? „Unsere Anstalt hat aktuell in Rottenburg (also ohne unsere Außenstellen in Tübingen und Maßhalderbuch) eine Belegungsfähigkeit von etwa 500 Haftplätzen; etwa 440 Gefangene sind zur Zeit hier untergebracht. Dies darf allerdings nicht täuschen und ist keinesfalls Hinweis darauf, dass die Anstalt insgesamt nicht voll ausgelastet ist“, berichtet Weckerle. Dennoch geht es eng zu. Zunächst sei der etwas niedrigere Belegungsstand noch Folge der Weihnachtsamnestie. Dann sei zu berücksichtigen, dass immer eine erhebliche Anzahl von Hafträumen aufgrund von (auch wegen des Alters der Anstalt erforderlich) Baumaßnahmen nicht belegbar ist.
„Meist bis auf das letzte Bett belegt“
Freie Kapazitäten gibt es laut Weckerle aktuell insbesondere im offenen Vollzug und den innengelockerten Wohngruppenbereichen der Anstalt. Für die Unterbringung dort müssen die Gefangenen besondere Eignungsvoraussetzungen mitbringen. „In den Bereichen des geschlossenen Regelvollzugs sind wir weiterhin meist bis auf das letzte Bett belegt.“
Hoher Anteil der Gefangenen ist suchtkrank Hinsichtlich der Art der Straftaten und hinsichtlich des Gefangenenklientels habe es in diesem Jahr keine ganz besonderen Veränderungen gegeben. Doch was bedeutet das? Weckerle: „Natürlich ist weiterhin ein hoher Anteil der Gefangenen suchtkrank, deshalb sind Drogen im Vollzug auch für uns weiterhin Dauerthema. Viele Gefangenen leiden zudem unter psychischen Erkrankungen.“
Der Leiter gibt einen detaillierten Einblick in die Arbeit: „Viele drogenabhängige Gefangene nehmen hier weiterhin am Substitutionsprogramm teil; in der Außenstelle Maßhalderbuch haben wir seit einigen Jahren zudem ein ganz besonderes suchttherapeutisches Angebot. Bis zu zehn Gefangene nehmen dort an suchttherapeutischen Einzel- und Gruppengesprächen teil und arbeiten parallel in unserem Biolandbetrieb, insbesondere mit Tieren.“
Drogenberater im Einsatz
In Rottenburg arbeiten inzwischen drei Drogenberaterinnen und ein Drogenberater, die mit vielen Gefangenen Einzelgespräche führen und versuchen, die suchtkranken Gefangenen in eine für den individuellen Bedarf passende Therapiemaßnahme im Anschluss an die Haftzeit zu vermitteln.
Ein besonderes Jubiläum Eine Besonderheit in diesem Jahr war das Jubiläum, wie Weckerle hervorhebt. „Die Anstalt wurde 200 Jahre alt und wir haben deshalb für die Öffentlichkeit unter anderem regelmäßig Führungen angeboten; für die Menschen, die an solchen Führungen nicht teilnehmen können und konnten, haben wir einen kleinen Film gedreht, der Einblicke in unsere Anstalt ermöglichen soll und inzwischen über unsere Homepage verlinkt ist und bei YouTube veröffentlicht wurde.“
Viele neue Mitarbeiter, darunter viele Azubis Noch eine gute Nachricht zum Schluss: „Eine weitere Besonderheit sind die vielen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei uns in diesem Jahr ihren Berufseinstieg gefunden haben.“
Etwa 40 junge Bedienstete haben 2024 eine Ausbildung (vor allem) im Vollzugsdienst oder im Werkdienst begonnen. Weckerle: „Die Zahl ist auch deshalb gerade überdurchschnittlich hoch, weil wir weiterhin auch Bedienstete für die neue Justizvollzugsanstalt in Rottweil einstellen und ausbilden.“