Weil er einem Freund in Haft helfen wollte, ist ein 30-Jähriger jetzt gemeinsam mit dem Ex-Häftling angeklagt. Er sollte Haschisch in die Rottenburger JVA schmuggeln.
„Wir sind gute Freunde und helfen uns gegenseitig. Ich wollte ihm zur Seite stehen“, erzählt der 30-jährige Peter, warum er im November versucht hatte, 17,5 Gramm Haschisch ins Rottenburger Gefängnis zu schmuggeln. Empfänger hätte sein Freund Klaus (alle Namen geändert), 42 Jahre alt, sein sollen. Er saß bis vor wenigen Monaten mal wieder im Knast – wie schon so viele Jahre seines Lebens. Jetzt mussten sie beide am Anklagetisch des Rottenburger Amtsgerichts Platz nehmen.
Klaus berichtet, dass er im Gefängnis Drogenschulden bei einem Mitgefangenen gehabt habe. Diese wollte er wiederum mit Drogen begleichen. Er sagt: „Ich wollte es so bezahlen, aber der Großteil vom Haschisch wäre für mich geblieben.“
Wie die Ermittlungen ergaben, hat Klaus wegen des geplanten Schmuggels über das Gefängnistelefon mehrfach mit seinem Bekannten telefoniert. Peter sollte sich in Reutlingen mit einem Dealer treffen, um Haschisch zu besorgen. Bei einem Besuchstermin sollte er das Gras in der Unterhose in die JVA schmuggeln.
Peter berichtet, sein Kumpel habe ihn gefragt, ob er ihm helfen könne. „Zuerst hab ich immer nein gesagt, dann hab ich ja gesagt, dass ich es mache. Er hat mir gesagt, wo ich hingehen und mit wem ich mich dort treffen muss. Ich habe dafür nichts bezahlt. Er hat mir die Drogen dann gegeben und ich durfte davon etwas für mich abzweigen“, berichtet Peter. Doch beim Besuchstermin fliegt der Schmuggel auf und die Drogen gelangen nicht ins Gefängnis.
Lange Drogenkarriere
Jetzt darf Peter vor Gericht etwas über sein Leben erzählen. Denn was er mit seinem Bekannten gemeinsam hat, ist eine jahrzehntelange Drogensucht. Der junge Mann berichtet, dass er aktuell im Methadonersatzprogramm sei. Schon sei 20 bist 25 Jahren konsumiere der heute 30-Jährige. „Angefangen hat es mit Freunden“, berichtet er von seiner Drogenkarriere. Damals habe er es probiert. „Die meiste Zeit gab es das kostenlos.“ Probiert wurde schließlich auch Heroin. „Durch das Probieren ist man reingerutscht. Nach einer Weile hat es sich gesteigert.“ Letztendlich habe er 15 Jahre lang Heroin genommen.
Noch schwerwiegender haben die Drogen das Leben des Ex-Häftlings Klaus zerstört. 24 Einträge ins Strafregister weist er vor, darunter versuchte räuberische Erpressung, räuberischer Diebstahl und Vermögensdelikte – meist Beschaffungsdelikte aufgrund seiner Drogenabhängigkeit. Seit 2012 hat er mehrere Haftstrafen abgesessen.
Schon als Zwölfjähriger habe er mit dem Konsum von Cannabis begonnen, später sei er von Opiaten abhängig geworden, habe Heroin und Kokain konsumiert. Auch er lasse sich mit Methadon substituieren.
Arzt verschrieb THC
Vor seiner Haftstrafe habe Klaus sogar vom Arzt THC verschrieben bekommen – gegen sein ADS. „In der JVA hat man mir dann alles weggenommen, was ich draußen vom Arzt bekommen habe“, erzählt er. Über die JVA in Rottenburg sagt er: „Sie wissen selber, dass dort jeden Tag Drogen reinkommen.“
Doch jetzt wolle Klaus endgültig von seiner Abhängigkeit wegkommen und seine Therapie durchziehen, habe sogar einen guten Kontakt zu seiner 16-jährigen Tochter.
Beide Männer zeigen sich vor Gericht einsichtig. Klaus sagt: „Es war ein Fehler, dass ich Peter mit reingezogen habe. Ich werde versuchen, mein Leben zu ändern.“ Peter meint: „Das war eine Dummheit und ich habe es bereut, es überhaupt gemacht zu haben.“
Eine letzte Chance
Richterin Angelika Schneck entscheidet sich in ihrem Urteil für fünf Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, für Peter. Für seinen Mitangeklagten hält Schneck acht Monate für angemessen, ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung. Die Bewährung habe sie bei Klaus aber „nur mit allergrößten Bedenken“ geben können, sagt die Richterin. Zu ihm sagt sie: „Sie kriegen noch eine Chance.“ Zugleich ermahnt sie ihn scharf: „Wenn es nicht klappt, wird es widerrufen. Sofort, und da gibt es jetzt gar nichts! Sie haben genug Mist gebaut in Ihrem Leben, machen Sie es jetzt besser.“