Zum Buß- und Bettag sprach JVA-Seelsorger Igor Lindner in Hausach über seine Arbeit mit Inhaftierten und die Bedeutung der Seelsorge für die Herausforderungen im Gefängnisalltag.
Der Buß- und Bettag bietet in der Evangelischen Kirchengemeinde in Hausach seit vielen Jahren Gelegenheit zur Besinnung, aber auch zur Begegnung. So wirkte Pfarrer Jürgen Grabetz als katholischer Kollege bei der gottesdienstlichen Eröffnung mit. Ebenso waren viele Katholiken im evangelischen Gemeindesaal anwesend.
Im Mittelpunkt des Abends, der von Pfarrer Hans-Michael Uhl vorbereitet worden war, stand aber die Frage nach dem Strafvollzug in einer JVA wie Offenburg, die menschlichen Fragen und Probleme, die der Strafvollzug aufwirft und die Hilfeleistungen der kirchlichen Seelsorge.
Vor Jahren hatte sich die evangelische Gemeinde in Hausach den Titel „Friedensgemeinde“ gegeben. Am diesjährigen Buß- und Bettag sollte erneut ein Aspekt dessen beleuchtet werden, was es für gesellschaftlichen Frieden braucht – nämlich einen angemessenen Strafvollzug, dessen Ziel einerseits die Sicherheit der Gesellschaft ist und der andererseits zur Resozialisierung der Menschen im Gefängnis beitragen soll.
Überbelegung im Gefängnis ist ein großes Problem
Den Verlust der Freiheit im Gefängnis zu verkraften, so Pfarrer Lindner, sei eine harte Aufgabe, der sich jeder Gefangene stellen müsse. Dazu kommt laut Lindner das nie konfliktfreie Zusammenleben der Gefangenen auf engstem Raum, in Offenburg sind das rund 800 Insassen aus 90 Nationen. Da prallten unterschiedliche Kulturen und Sprachen aufeinander, so Lindner.
Wie viele andere Justizvollzugsanstalten ist auch das Gefängnis in Offenburg überbelegt. Für die Mitarbeiter im Strafvollzug sei es nicht einfach, damit umzugehen, erzählt der Gefängnispfarrer – zumal es auch hier an Fachpersonal mangele und es Defizite bei den Angeboten zur Resozialisierung der Inhaftierten gebe.
Der Seelsorger wird häufig als Ansprechpartner für all die Fragen gerufen, die Menschen hinter Gittern bewegen. Seine seelsorgerliche Schweigepflicht verleiht ihm dabei eine besondere Rolle. Auch die Gottesdienste und weiteren Angebote werden gerne wahrgenommen. Sie sind eine willkommene Abwechslung, aber auch eine Chance für die Häftlinge, die eigene Situation zu reflektieren und neue Hoffnung auf ein anderes Leben zu schöpfen.
Wie im Flug verging die Zeit, und die vielen Fragen der Anwesenden wurden offen und klar vom Gefängnispfarrer beantwortet. Lindner arbeitet in der JVA mit einem katholischen Pfarrer und seit einiger Zeit auch mit einem muslimischen Geistlichen zusammen. „Und an Heiligabend werden wir in diesem Jahr vier Gottesdienste anbieten, damit alle dabei sein können, die das wünschen.
Das ist eine organisatorische Herausforderung für alle Beteiligten. Nur die Musik dazu fehlt mir noch“, meinte Lindner, „da darf sich gerne noch jemand bei mir melden, um zu unterstützen, sei es instrumental oder gesanglich. Auch im Gefängnis sollte an Heiligabend ein besonders schöner Gottesdienst sein möglich sein.“