Die riesige Baustelle zieht auch regelmäßig interessierte Bürger an. Für diese gibt es einen Aussichtspunkt, der es erlaubt, das gesamte Areal zu überblicken. Foto: Nädele

2027 soll das Mega-Projekt fertig sein, dann werden nach und nach die ersten Häftlinge untergebracht. So sieht es aktuell auf der Baustelle aus.

Die meterhohen Gefängnismauern der neuen Justizvollzugsanstalt stehen bereits, die restlichen Gebäude nehmen immer mehr Gestalt an. Seit Juni 2023 rollen nahe Rottweil die Bagger.

 

Mit 280 Millionen Euro handelt es sich bei dem Neubau um eines der teuersten Gefängnisse deutschlandweit. Das kostspieligste Projekt ist es aber nicht.

„Die Frage lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an Justizvollzugsanstalten und die verschiedenen baulichen Konstellationen nicht pauschal beantworten“, heißt es in einer gemeinsamen Presseantwort von Justiz- und Finanzministerium.

Zum Vergleich: In Berlin wurde 2013 für 118 Millionen Euro die JVA Heidering mit 650 Plätzen in Betrieb genommen, im Landkreis Wunsiedel in Bayern entsteht im Moment das neue Gefängnis Marktredwitz für 369 Millionen Euro mit 326 Haftplätzen. Der Neubau in Rottweil soll 502 Haftplätze haben. Auf den einzelnen Haftplatz heruntergebrochen sind das also rund 181 500 Euro in Berlin, 557 800 Euro in Rottweil und 1,132 Millionen Euro in Marktredwitz.

„Der Infopoint findet reges Interesse bei der Bevölkerung, besonders an Wochenenden ist der Infopoint mit seiner Aussichtsplattform gut besucht“, so eine Sprecherin der Ministerien. Foto: Schaub

276 Arbeitsplätze sind in der JVA vorgesehen – verteilt über die Laufbahngruppen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes sowie unterschiedliche Laufbahnfachrichtungen, wie ein Sprecher des Justizministeriums in Stuttgart auf die Fragen unserer Redaktion geantwortet hat. „Die größte Personalgruppe bildet der Vollzugsdienst. Darüber hinaus werden insbesondere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Werkdienst, Verwaltungsdienst, Sozialdienst, psychologischen Dienst, ärztlichen Dienst, pädagogischen Dienst und seelsorgerlichen Dienst in der Anstalt beschäftigt sein“, so die Ministeriumssprecherin weiter. Gleichwohl: Der konkrete Stellenbesetzungsbedarf sei deutlich geringer, da insbesondere das in den bisherigen Teilanstalten der Justizvollzugsanstalt Rottweil tätige Personal seinen Dienst künftig in dem neuen Gefängnis verrichten werde.

Seit Mitte dieser Woche ist das durch den Doppelhaushalt 2025/2026 des Landes abgesichert. In einer Pressemitteilung des Justizministeriums heißt es dazu: „Die anhaltend hohe Zahl von Gefangenen macht es erforderlich, die Haftplatzkapazitäten zu erweitern. Der Justizvollzug wird daher nicht nur mit zusätzlichem Personal, sondern auch mit neuen Haftplätzen gestärkt. „In Rottweil nimmt eines der modernsten Vollzugsprojekte in Europa immer mehr Gestalt an. Hierfür schaffen wir 154 Neustellen und investieren über 14 Millionen Euro in die Sachmittelausstattung“, sagte Ministerin Marion Gentges.

Hinter den meterhohen Gefängnismauern der neuen JVA nehmen die restlichen Gebäude langsam Gestalt an. Foto: Schaub

Der Neubau bei Rottweil ist dringend nötig: „Die Bestandsanstalten in Rottweil einschließlich der Außenstellen sowie die Justizvollzugsanstalt in Waldshut-Tiengen waren und sind voll ausgelastet, teilweise sogar überbelegt“, sagt Michaela Hornung, Sprecherin des Ministeriums für Finanzen Baden-Württemberg.

Sobald der Neubau steht, soll er sowohl das alte Gefängnis in der Rottweiler Innenstadt sowie die Außenstellen in Oberndorf, Hechingen und Villingen-Schwenningen sowie die Justizvollzugsanstalt Waldshut-Tiengen ablösen. Insgesamt sind 502 Haftplätze in der neuen Anstalt geplant.

Voraussichtlich werden in dem Gefängnis Häftlinge aus den Bezirken Rottweil, Hechingen, Konstanz, Waldshut-Tiengen, Freiburg, Tübingen und Stuttgart untergebracht werden. „Ferner ist vorgesehen, umliegende Justizvollzugsanstalten zu entlasten und Zuständigkeiten für Gefangene sowohl mit kurzen als auch längeren Freiheitsstrafen auf die neue Justizvollzugsanstalt zu übertragen“, heißt es aus dem Finanzministerium.

Das neue Gefängnis im Rottweiler Gewann Esch soll außerdem klimafreundlich und nachhaltig sein, teilt das Finanzministerium mit. Geplant ist eine Photovoltaik-Anlage mit 1,8 Megawatt, die den Großteil des Strombedarfs der Anstalt decken soll.

Zudem werde, wo dies möglich ist, Recyclingbeton verbaut. Die Erdmassen des Aushubs – insgesamt 160 000 Kubikmeter – wurden auf dem Baufeld wiederverwendet. So werden rund 16 000 Lkw-Fahrten zu Deponien eingespart.

Die Fertigstellung des Neubaus ist aktuell für das Jahr 2027 geplant, teilen Justiz und Finanzministerium mit. Das Gefängnis soll nach der Fertigstellung schrittweise belegt werden.