An der Abzweigung, wo das Schild auf das Projekt hinweist, entstehen an der L 424 zwei Bushaltestellen. Foto: Nädele

Die ersten Erschließungsarbeiten für den Gefängnisneubau im Esch laufen. Unklar bleiben die Baukosten, denn noch sucht das Land ein neues Architekturbüro. Klar ist hingegen: Zeitlich wird sich alles verzögern – und damit verteuern.

Rottweil - Gut 800 Meter Leitungen hat die Energieversorgung Rottweil (ENRW) von 22. Februar bis 28. April verlegt. Bis August sollen diese "Vorwegmaßnahmen zur technischen Erschließung" vom Hegneberg über den Neckartalradweg bis ins Gebiet "Esch", wo die Haftanstalt mit 500 Plätzen entstehen soll, abgeschlossen sein. Damit ist die Versorgung der künftigen Großbaustelle gesichert, auf die seit einiger Zeit ein großes Schild an der Zufahrt von der Landesstraße in Richtung Neckarburg aufmerksam macht.

 

Seit Mitte Mai läuft nun der Ausbau des Feldwegs von der L 424 in Richtung Hochfläche, wie das Finanzministerium zu den aktuellen Arbeiten auf Nachfrage erklärt. Der Feldweg werde ausgebaut und erhalte zudem parallel zu dieser rund 520 Meter langen Zufahrtsstraße einen drei Meter breiten Geh- und Radweg – getrennt durch einen Grünstreifen. Geh- und Radweg sollen künftig außerdem die L 424 queren und so eine Verbindung an den Radweg Richtung Villingendorf hergestellt werden.

"An dem Abzweig von der L 424 werden zudem zwei Bushaltestellen errichtet, die nach der Fertigstellung der JVA Rottweil den Anschluss an den ÖPNV sicherstellen", heißt es ergänzend aus dem Ministerium.

"Differenzen" mit dem Architekturbüro

Als weitere Maßnahme im Rahmen der Verkehrserschließung wird der in Verlängerung der neuen Zufahrt verlaufende private Feldweg in Richtung Hofgut Neckarburg auf einer Länge von etwa 710 Meter verlegt. Die Vorwegmaßnahmen zur Erschließung des Standorts sollen Mitte 2022 abgeschlossen werden. Und für diesen Teil des Projekts gibt es auch eine Kostenberechnung: 1,09 Millionen Euro.

Zu einer Aussage zu den Kosten des eigentlichen Projekts, dem Gefängnisneubau, tut sich das Land hingegen schwer. Bekanntlich hat das Land im Februar die weitere Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro aufgekündigt, das 2018 den Wettbewerb gewonnen hatte.

Das Finanzministerium sprach von "Differenzen" mit dem Architekturbüro. Insbesondere sei es um die "Wirtschaftlichkeit der Planung" gegangen. Die notwendige Überarbeitung habe dann zu "deutlichen zeitlichen Verzögerungen" geführt.

Verzögerungen allein durch Baupreissteigerung

So läuft aktuell das Vergabeverfahren zur Suche eines neuen Architekturbüros für die Optimierung und Fortführung der weiteren Planung für den JVA-Neubau, wie aus Stuttgart zu erfahren ist. Im Finanzministerium, das bei dem Projekt Bauherr ist, wird damit gerechnet, dass im Sommer ein neues Büro beauftragt werden kann. Klappt das, könne mit der Fertigstellung der Entwurfsplanung gemäß Leistungsphase 3 nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure voraussichtlich Anfang 2022 gerechnet werden.

Das wäre dann mehr als ein Jahr später als erwartet, denn eigentlich sei vorgesehen gewesen, dass dieser Punkt Mitte Oktober 2020 abgeschlossen ist. Dass der ursprüngliche Kostenrahmen von 120 Millionen Euro bereits auf rund 200 Millionen Euro gestiegen sein soll, hatte schon 2018 für Schlagzeilen gesorgt. Basis sind dabei aber bislang Kostenschätzungen aufgrund von Erfahrungswerten. "Erst auf Grundlage der abgeschlossenen Entwurfsplanung können belastbare Aussagen zu den Baukosten getroffen werden", vertröstet das Ministerium bei Fragen nach der Entwicklung der erwarteten Baukosten.

Eingeräumt wird dabei, dass sich Verzögerungen bereits allein durch die Baupreissteigerung deutlich bemerkbar machten. Und schon jetzt wird nicht mehr von einer Inbetriebnahme 2025 gesprochen, sondern von 2027.