Mit einem Tablet, das in eine Holzbox eingefasst ist, können die Häftlinge per Videotelefonie nach draußen kommunizieren. Foto: Straub

Coronavirus beschleunigt Einführung von neuer Technik. Bislang gute Erfahrungen. 

Rottenburg - Geplant war die Videotelefonie schon länger, die Corona-Pandemie hat die Einführung nun beschleunigt. Seit dem Frühjahr sind nicht nur klassische Besuche im Gefängnis möglich, sondern auch virtuelle Gespräche.

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Im Vorfeld wird ein Termin vereinbart, die Justizvollzugsanstalt Rottenburg stellt dann die Verbindung zwischen Gefangenen und Angehörigen her. Damit diese mit dem Tablet nichts anderes machen, ist es in eine Holzbox eingefasst. Die von der hauseigenen Werkstatt gefertigte Vorrichtung wirkt etwas rustikal, erfüllte bislang aber durchaus ihren Zweck.

Mit Videotelefonie gute Erfahrungen gemacht

"Wir haben mit der Videotelefonie gute Erfahrungen gemacht und werden sie auf Dauer fortsetzen", berichtet Anstaltsleiter Matthias Weckerle. Interessant sei die neue technische Möglichkeit vor allem für Angehörige, die weit weg leben, beispielsweise in Syrien, Afghanistan oder in Gambia. "Für uns ist das außerdem leicht zu überwachen", so Weckerle. Schließlich lassen sich bei einem rein virtuellen Kontakt keine Handys, Drogen, Waffen oder andere Gerätschaften einschleusen.

Normalerweise ist den Gefangenen ein Besuch pro Monat gestattet. Wenn es nötig ist und die Kapazität vorhanden ist, sind auch zwei möglich.

Von einer Überwachungskanzel überblicken die Bediensteten die drei Flügel des Besuchsbereichs. In jedem Flügel sind normalerweise drei, vier Tische für eine offene Gesprächssituation aufgestellt.

"Das sind unter den derzeitigen Bedingungen zu viele Menschen und der Abstand lässt sich nicht einhalten", so Weckerle. Nun ist in jedem der Flügel deshalb nur noch ein Tisch und eine Plexiglasscheibe als Trennvorrichtung.

Das Besuchsrecht sei nie komplett ausgesetzt gewesen, berichtet Weckerle. Im Einzelfall seien Gespräche durch die Trennscheibe durchgehend möglich gewesen. "Aber allem für die Kinder ist das nicht gut, wenn sie ihre Angehörigen in den Arm nehmen wollen." Ähnliche Vorkehrungen mit Trennwänden seien in den Außenstellen Tübingen und Maßhalderbuch getroffen und in den vergangenen Monaten stetig erweitert worden.

Aktuell kein Coronafall 

Aktuell ist die Justizvollzugsanstalt Rottenburg mit ihren Außenstellen mit etwa 500 Häftlingen belegt und es gibt keinen Corona-Fall. Neuzugänge müssen erst in einen Quarantänebereich und werden zweimal getestet. "Der Großteil unserer Gefangenen ist ohnehin einzeln untergebracht", sagt Weckerle. Elf Haftplätze werden zudem für eine mögliche Isolation im Ansteckungsfall freigehalten. Bislang wurden sie noch nicht gebraucht. Die Bediensteten sind gehalten, sich in ihrer Freizeit verantwortungsvoll zu verhalten, um das Virus nicht "einzuschleppen".

Kürzlich ließen sie sich freiwillig an einem mobilen Testtruck untersuchen, der alle Anstalten in Baden-Württemberg nach und nach besucht. Die Teilnahme war freiwillig.