Lukas Spinner nimmt Schmuck, den Kunden vorbeibringen, zunächst mit einer Lupe in Augenschein. Foto: Schabel

Viele Bürger bringen den Familienschmuck zum Juwelier, um ihn mit Profit zu verkaufen. Auch die Banken registrieren eine erhöhte Nachfrage nach dem Edelmetall.

Nach immer neuen Rekordständen kam am Freitag das böse Erwachen: Gold, Silber und Platin rauschten innerhalb weniger Stunden massiv nach unten. Die Talfahrt setzte sich am Montag fort, ehe die Kurse tags darauf bereits wieder nach oben gingen. Die Turbulenzen am Goldmarkt halten viele Lahrer nicht davon ab, Altgold aus der Schublade zu holen und zu verkaufen.

 

Der Juwelier: Die alte Golduhr oder das geerbte Goldkettchen – seit Jahrzehnten liegen sie zu Hause, während Gold und auch Silber in den vergangenen Monaten stark an Wert zugelegt haben. Eine Entwicklung, die viele Menschen offenbar ins Grübeln bringt – und dazu, Juwelier Spinner in der Marktstraße aufzusuchen, um die Schubladen-Schätze begutachten zu lassen und gegebenenfalls zu verkaufen.

Geschäftsführer Lukas Spinner erzählt, dass sich seit dem steilen Anstieg des Goldkurses im Vorjahr die Zahl der Kunden vervielfacht habe, die bei dem Unternehmen Goldketten und Co. zu Geld machen wollen: Junge Leute würden Schmuckstücke vorbeibringen, die sie geerbt haben, um sie zu verkaufen oder in der Goldschmiedemeisterwerkstatt des Familienbetriebs nach ihren Wünschen umarbeiten zu lassen. So könne aus Omas Lieblingsbrosche ein moderner Ring werden.

Ältere Menschen bringen eigenen Schmuck, für den sie auf ein schönes Sümmchen hoffen – um ihren Lieben dann Geld hinterlassen zu können.

Juwelier gibt aktuellen Goldkurs weiter

Den Goldgehalt von alten Schmuckstücken prüfe man zunächst durch die Suche nach Feingehaltsstempeln wie 585 oder 750, aber auch durch einen Säuretest, erzählt Spinner. Anhand der Ergebnisse unterbreite man dem Kunden ein Angebot, das sich am tagesaktuellen Goldkurs orientiere. 80 bis 90 Prozent der Menschen, die Goldschmuck bringen, würden das Gebotene akzeptieren, so Spinner.

Ein Beleg für die faire Preisgestaltung, so der Juwelier, der vor unseriösen Praktiken warnt, bei denen der Goldankauf etwa an den Verkauf von Pelzmänteln oder Antiquitäten geknüpft ist.

Erwirbt der Juwelier ältere Goldketten oder -armreife, vergütet er nicht die alte Handwerkskunst. Es geht rein um den Gehalt des Edelmetalls, denn der Schmuck wird später eingeschmolzen.

Der hohe Preis macht nicht nur das Recycling von Gold attraktiv, sondern wirkt sich natürlich auch in anderen Bereichen auf die tägliche Arbeit bei Juwelier Spinner aus. Wenn etwa die Hersteller von Golduhren ihre Preise anheben, folgt der Familienbetrieb diesen Empfehlungen. Da Trauringe meist aus Gold gefertigt sind, spiegeln auch deren aktuelle Preise direkt den hohen Goldkurs wider, wie Lukas Spinner an einem konkreten Beispiel verdeutlicht: Im November habe er für ein Brautpaar Trauringe bei einem Goldpreis von 118 Euro pro Gramm konfiguriert. „Für die selben Trauringe hätte man ein paar Wochen später 141 Euro pro Gramm Gold zahlen müssen.“

Der Goldboom hält an, ist der Juwelier überzeugt

Halten die Menschen sich mittlerweile beim Kauf von Goldschmuck zurück, des gestiegenen Preises wegen (in Euro plus 49 Prozent seit einem Jahr, Stand Donnerstag)? Diese Frage kann Lukas Spinner verneinen, Goldprodukte seien so begehrt wie eh und je. Und sie seien auch weiterhin erschwinglich, denn der Juwelier könne beispielsweise bei Trauringen den Feingehalt variieren und den Schmuck so individuell anpassen.

Der Goldboom wird anhalten, ist Spinner überzeugt. Selbst am Freitag und Montag, als die Kurse abstürzten, hätten die Kunden sich nicht abhalten lassen, alte Schmuckstücke zu dem Unternehmen zu bringen, um sie zu Geld zu machen.

Die Banken: „Ja, wir beobachten seit Anfang 2025 eine spürbar gestiegene Nachfrage nach Goldanlagen“, sagt Dieter P. Ernst, Privatkunden-Berater der Volksbank Lahr. Das Interesse konzentriere sich dabei klar auf physisches Gold, vor allem auf Goldbarren, gefolgt von klassischen Anlagemünzen. „Barren werden häufig bevorzugt, da sie im Verhältnis zum Materialwert geringere Prägeaufschläge aufweisen und als besonders transparente Form der Goldanlage gelten.. Ein kleinerer Teil der Kunden wähle auch börsengehandelte Goldprodukte wie Xetra-Gold, die im Wertpapierdepot gehalten werden können.

Kunden, die bei der Volksbank Goldbarren oder -münzen kaufen, gebe man einige Tipps an die Hand. Etwa, dass das Aufbewahren in einem Bankschließfach oder einem hochwertigen Tresor deutlich sicherer als die Lagerung zu Hause sei. Kaufbelege und Rechnungen sollten sorgfältig und getrennt vom Gold aufbewahrt werden.

Vor allem empfiehlt Ernst dringend, vom persönlichen Goldbesitz nicht herumzuerzählen. Generell rät der Experte zu realistischen Erwartungen: Gold sei kein laufend ertragsbringendes Investment, sondern ein Vermögenswert, dessen Wertentwicklung von globalen Faktoren beeinflusst werde – unter anderem von Zinsen, Inflationserwartungen, geopolitischen Spannungen und dem US-Dollar.

Ähnlich äußert sich Klaus Fey, der Sprecher der Sparkasse Offenburg-Ortenau. „Wir beobachten derzeit schon eine etwas stärkere Nachfrage nach Gold und auch Silber.“ Dabei würden die Kunden den physischen Kauf oder das Anlagegoldkonto bevorzugen. Beim Anlagegoldkonto werde das per Einmalzahlung oder monatliche Beträge gekaufte Gold auf einem Konto gesammelt – es könne jederzeit zum aktuellen Kurs verkauft oder als physisches Gold ausgeliefert werden.

„Die beim Kauf und Besitz von physischem Gold bestehenden Diebstahl-, Transport- oder Echtheitsrisiken werden somit ausgeschaltet“, betont Fey. Die Anlage in Gold generiere aber keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden. Die Rendite ergebe sich nur aus der Preisentwicklung, die stark schwanken könne. „Daher empfehlen wir Gold als moderate Beimischung mit einem langfristigen Anlagehorizont eines breit aufgestellten Portfolios und eher regelmäßige kleinere Investitionen anstelle großer Einmalkäufe.“

Steigt der Preis weiter?

Eine Binsenweisheit sagt: Der perfekte Zeitpunkt lässt sich immer erst im Nachhinein bestimmen und dann ist es zu spät. Entsprechend könnten Gold und Silber weiter im Preis steigen, sicher ist das aber nicht.

„Gold ist kein risikoloser Vermögenswert und kann – auch kurzfristig – deutlichen Preisschwankungen unterliegen“, warnt Dieter P. Ernst von der Volksbank Lahr. Der starke Anstieg des Preises in den vergangenen Jahren sei unter anderem durch eine hohe Nachfrage von Zentralbanken sowie durch geopolitische Unsicherheiten getragen worden. Gleichzeitig sei ein Teil dieser Nachfrage nun bereits vorweggenommen worden.

„Auf Sicht der kommenden zwölf Monate halten wir eine Seitwärtsbewegung mit leicht positiver Tendenz für wahrscheinlich“, heißt es von der Volksbank Lahr.