Der Führungswechsel bei der Staatsanwaltschaft Hechingen ist vollzogen: Der neue Behördenleiter Alexander Hauser ist eingeführt, sein Vorgänger Jens Gruhl wurde verabschiedet.
Die Hechinger Staatsanwaltschaft mag die kleinste in Württemberg sein. Ihrem Selbstbewusstsein tut das aber keinen Abbruch. Das zeigte sich am Montagnachmittag in der Feierstunde, zu der Justizministerin Marion Gentges (CDU), ihr Amtschef, Ministerialdirektor Elmar Steinbacher, der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Frank Rebmann und andere hochrangige Vertreter der baden-württembergischen Justiz in die Stadthalle „Museum“ gekommen waren. Anlass: die Verabschiedung von Jens Gruhl, der bis Mai 2025 die Hechinger Ermittlungsbehörde geleitet hatte, und die Amtseinführung des neuen Leitenden Oberstaatsanwaltes Alexander Hauser.
Selbstbewusst plauderte der stellvertretende Behördenleiter Ivo Neher in seiner Begrüßungsansprache aus dem Nähkästchen: In Jens Gruhls letzter Videokonferenz mit den anderen Leitern der Staatsanwaltschaften im Land habe Generalstaatsanwalt Rebmann gefragt, wie es denn so laufe mit der Einführung der digitalen Strafakte. Allenthalben Klagen über Schwierigkeiten und Hindernisse. Gruhl habe dagegen vermeldet: „In Hechingen läuft es sehr gut. Keine Probleme. Hohenzollern ist immer vorn.“
Lob für digitale Vorreiterschaft
In der Tat zog sich das Lob für die digitale Vorreiterschaft des Justizstandorts Hechingen dank Jens Gruhls „ausgeprägter Technikaffinität“, die Marion Gentges rühmte, wie ein roter Faden durch die Ansprachen. Die Ministerin bescheinigte dem Neu-Ruheständler „fachliche Exzellenz, großen Gestaltungswillen, Offenheit für Neues und einen klaren Kompass für Verantwortung“. Außerdem stehe Gruhl für Bodenständigkeit: Zu Gerichtsverhandlungen in Albstadt oder Sigmaringen sei er schon auch mal mit dem Motorrad über die Alb gefahren.
Die Schlussphase von Gruhls neunjähriger Amtszeit sei geprägt gewesen vom Umzug ins grundsanierte Gebäude in der Fürstin-Eugenie-Straße. Um dieses neue, moderne Domizil habe sich Gruhl „außerordentlich verdient gemacht“, stellte Bürgermeister Philipp Hahn in seinem Grußwort fest. Gruhl selbst zeigte sich „sehr froh über die angemessene Unterbringung im neuen Gebäude“. Die Lorbeeren gab er jedoch an seinen langjährigen, inzwischen ebenfalls pensionierten Stellvertreter Karl-Heinz Beiter weiter. Eigentlich, so Gruhl, hätte das neue Domizil den Spitznamen „Beiter-Bau“ verdient.
Gruhls Nachfolger Alexander Hauser, der im Juli 2025 aufzog, wurde bescheinigt, in seinem herausfordernden Amt bereits gut angekommen zu sein. „Fachliche Breite, analytische Tiefe und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, prägen Ihren Weg“, stellte Ministerin Gentges mit Blick auf den neuen Hechinger „LOStA“ fest. Ausführlich ging sie auf Hausers Tätigkeit in den Jahren vor seiner Berufung nach Hechingen ein.
Den Opferschutz wesentlich vorangebracht
Seit 2020 leitete er im Justizministerium das Referat für strafrechtlichen Opferschutz sowie die Geschäftsstelle des Opferbeauftragten der Landesregierung. Damit habe Hauser Verantwortung in einem Aufgabenfeld getragen, das zuletzt erheblich an Bedeutung gewonnen habe. „Schwere Straftaten hinterlassen tiefe Wunden bei Betroffenen und in der Gesellschaft“, sagte Gentges. Um Betroffene nicht allein zu lassen, sei ein sensibler Opferschutz essenziell – und ein zentraler Bestandteil rechtsstaatlicher Verantwortung. Hauser habe mit dem Aufbau tragfähiger Konzepte den Opferschutz im Land wesentlich vorangebracht, rühmte Gentges. Für seine neue Aufgabe als Hechinger Behördenleiter wünschte sie dem passionierten Tänzer „Taktgefühl, Balance und ein feines Gefühl dafür, wann man führt und wann man stützt“.
Hauser stellte in seiner Antrittsrede fest, dass die Voraussetzungen für seinen Amtsantritt nicht gerade ideal gewesen seien. Die Hechinger Staatsanwaltschaft habe in personeller Hinsicht tiefgreifende Veränderungen hinter sich, und auch die – noch lange nicht abgeschlossene – Umstellung auf digitale Aktenführung sei eine „Herkulesaufgabe“ gewesen. Dank der Basis, die Jens Gruhl gelegt habe, und mit einem bravourös arbeitenden Team sei er jedoch zuversichtlich, dass auch weiterhin gelte: „Wo die Staatsanwaltschaft Hechingen ist, ist vorne.“
Das Recht des Stärkeren darf nicht zählen
Bürgermeister Hahn rief Hauser ein „Glückauf“ für seine anspruchsvolle Aufgabe zu und schlug einen Bogen zur beklemmenden Aktualität der Weltpolitik: Gerade in Zeiten globaler Krisen und intensiver gesellschaftlicher Debatten müsse sich der Bürger darauf verlassen können, „dass nicht das Recht des Stärkeren zählt“. Dafür brauche es starke Justizbehörden.