Bürgermeister Fritz Link (rechts) verabschiedet den scheidenden Ortsbaumeister Jürg Scheithauer im Beisein seiner Frau Mechthild. Foto: Hübner

Feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde Jürg Scheithauer, der in den vergangenen 16 Jahren Ortsbaumeister der Gemeinde war. Einige Weggefährten wohnten der Feierstunde bei.

Königsfeld - Laut Bürgermeister Fritz Link wurde Scheithauer 1957 in Stuttgart geboren, absolvierte dort von 1979 bis 1987 ein Architekturstudium samt einjährigem Auslandsstudium in London, war 18 Jahre als Architekt tätig und dabei als Bauleiter für den Neubau des Saales im Haus des Gastes zuständig. Im Juni 2005 wurde er Ortsbaumeister in Königsfeld.

"Echte Ausnahmeerscheinung"

Link lobte ihn als "echte Ausnahmeerscheinung, Glücksgriff für die Gemeinde, mit profundem Fachwissen, vielfältiger Erfahrung und außergewöhnlicher Schaffenskraft." Für die Aufgaben des Ortsbaumeisters sei er von Fähigkeiten und Charakterzügen her wie geschaffen. Die Suche nach kreativen Lösungen und Erfindungsreichtum zeichne ihn aus.

Gesprächsbereiter Partner

Für Bürger, Gremien und Verwaltung war er "ein argumentationsstarker, gesprächsbereiter Partner, immer an der Sache orientiert". Er habe sich nicht provozieren lassen sondern mit stoischer Geduld Kompromisse gesucht.

Link sprach von Scheithauers "ortsbildprägendem Wirken", zum Beispiel mit der Umgestaltung des Rathauses Erdmannsweiler zum Dorfgemeinschaftshaus, der Modernisierung des Freibads "Solara" oder dem Bau von Reisemobil- und Natursportpark.

"Arbeitsintensive Dekade"

Eine "arbeitsintensive Dekade" begann mit der städtebaulichen Sanierungssatzung. Realisiert wurden unter anderem der Neubau des "CuraVital" samt Umgestaltung des Rathausplatzes oder der Ausbau der Hermann-Voland-Straße. Weitere Projekte waren die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, der Anschluss von 78 Außenanliegern an den Abwasserkanal, die Erschließung der Wohnbaugebiete Tonishof und Mesmerlehen oder Radwege nach Mariazell und Obereschach.

"Städtebaulicher Höhepunkt"

"Städtebaulicher Höhepunkt und sicher Ihr Meisterwerk" war laut Link die Wiederherstellung des historischen Zinzendorfplatzes. Bürgerwerkstätten und eine Petition beim Landtag zwangen ihn und Scheithauer zu "nächtelangen Sonderschichten". Zudem waren die vergangenen Jahre durch "intensive Diskussionen" zur Neuansiedlung von Aldi und Rossmann geprägt.

Überragende Bilanz

"Die Bilanz von Ortsbaumeister Jürg Scheithauer fällt überragend aus", so das Fazit des Bürgermeisters. Er habe sich großen Respekt für seine Maßstäbe setzende Leistung erworben, mit "fachlicher Kompetenz und Kollegialität". Bei ihm habe jeder ein offenes Ohr gefunden. "Auch in schwierigen Situationen konnte ich immer auf Sie bauen."

Scheithauer sei seinen Aufgaben stets mit herausragendem Verantwortungsbewusstsein nachgekommen, habe entscheidend dazu beigetragen, dass Königsfeld gut dastehe. Er könne mit Stolz auf ein erfolgreiches Wirken zurückblicken. Bis zum letzten Tag habe für ihn nicht der Blick auf die Uhr sondern die Aufgabenerfüllung im Mittelpunkt gestanden. Zuletzt habe er seinen ganzen Schreibtisch abgearbeitet.

Ein wenig Wehmut

Er wisse, dass Scheithauer der Abschied ein wenig wehmütig stimme, so Link. Für den Ruhestand habe er viele Pläne, vom Mountainbiken mit seiner Frau bis zur freiberuflichen Tätigkeit als Architekt. Er überreichte dem scheidenden Ortsbaumeister als Geschenk eine Radierung von Helfried Glitsch, die den Zinzendorfplatz zeigt. Seine Ehefrau wurde mit einem Blumenstrauß bedacht.

Er erinnere sich sehr gut an seinen ersten Arbeitstag, so Scheithauer. An diesem fand die Wasserversorgungsanlagenschau statt. Er danke all jenen, die die Arbeit des Bauamts begleiteten und unterstützten, vor allem aber seiner Frau Mechthild. Sie habe in all den Jahren auf gemeinsame Zeit verzichtet und so seine Arbeit unterstützt. Er sei zuversichtlich, künftig mehr Zeit mit ihr verbringen zu können.

Gute Zusammenarbeit

Scheithauer erinnerte sich an die gute Zusammenarbeit mit Planungsbüros, der Brüdergemeine oder Landratsamt. Er wünsche sich, dass einige Kontakte weiter Bestand hätten. Den Rathausmitarbeitern bescheinigte er eine "vertrauensvolle Zusammenarbeit". Hier würden nicht nur Verwaltungsaufgaben erfüllt, sondern es werde "aktiv, am Puls der Zeit" gestaltet. Die Erledigung der Aufgaben mit dem Bürgermeister als "unermüdlichem Impulsgeber" sei nicht im Rahmen einer 39-Stunden-Woche möglich, der Erfolg aber sichtbar. Der Bauhof habe ihn tatkräftig unterstützt, mit Ortsvorstehern habe er immer unkompliziert und auf kurzem Wege zusammengearbeitet.

Sichtbares Zeugnis

Den Gemeinderat zeichne aus, dass Beratungen immer sachorientiert, frei von fraktionspolitischen Scharmützeln erfolgten. Scheithauer lobte "umfangreiche Diskussionen, auch wenn Sitzungen so erst am späten Abend oder zu Beginn des neuen Tages beendet sind".

Der Zinzendorfplatz sei sichtbares Zeugnis einer erfolgreichen Entscheidungsfindung. Er wünschte, dass die künftige Arbeit geprägt sei "von Augenmaß und Mut". Er stehe gerne weiter mit Rat und Tat zur Verfügung.

Als Scheithauers Nachfolger kam bereits im Oktober Gregor Schenk ins Königsfelder Rathaus.