Gemeinschaftskundelehrer Lutz Schaper mit allen Unterlagen, die es für eine Junior-Bundestagswahl an seiner Schule braucht. Foto: Kost/Kost

Schon drei Mal hat Gemeinschaftskundelehrer Lutz Schaper eine „Juniorwahl“ geleitet. Die jetzige Bundestagswahl an seiner Schule war vermutlich die spannendste. Das Ergebnis der Schüler-Wahl verblüffte.

Die Bundestagswahl 2025 beschäftigte das halbe Land und ging auch an jungen Leuten, nicht spurlos vorbei.

 

Deshalb bietet die vom gemeinnützigen Berliner Verein „Kumulus“ für Schulen angebotene Junior-Wahl eine ideale Plattform, damit Jugendliche, die noch kein Wahlrecht haben, sich damit realitätsnaher Form befassen können.

Wahlberechtigte kommen aus neun Klassen

An der Haigerlocher Eyachtalschule beteiligten sich diesmal 250 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen acht bis zehn, alle im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. an der Juniorwahl. Wie sie sich schon vier Wochen vor der Wahl im Gemeinschaftskundeunterricht mit dem Thema beschäftigten, davon war Lutz Schaper regelrecht begeistert. „Sie waren echt interessiert“. Er habe gemerkt, wie sehr die jungen Leute das Thema beschäftigt und welch kluge und reflektierte Ansichten zur parlamentarischen Demokratie sie zum Teil vertreten. Er habe ein sehr positives Bild von seinen Schülern gewonnen.

Im Unterricht wurden nicht nur Themen wie Wahlgrundsätze oder Aufgaben des Bundestages im demokratisch verankerten Parlamentarismus bearbeitet, auch die Wahlwerbung der einzelnen Parteien wurde genau analysiert.

Wahlergebnis bleibt zwei Tage unter Verschluss

Wahltag an der Eyachtalschule war bereits zwei Tage vor der eigentlichen Wahl, ein Klassenzimmer wurde in eine Wahllokal umfunktioniert, das einem echten Wahllokal in nichts nachstand.

Eine Zehntklässlerin wählt. /Kost

Zwischen 8.20 und 11.30 Uhr konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Stimmen abgeben, Danach machte sich Schaper mit Unterstützung seines dreiköpfigen Wahlhelferteams ans Auszählen der Stimmen.

Diese wurden dann nach Berlin übermittelt, das Gesamtergebnis blieb aber bis Sonntag 18 Uhr – dem Ende der Bundestagswahl – unter Verschluss, erst dann es auf dem Portal von „Jugendwahl“ veröffentlicht.

Ähnliches Wahlverhalten wie die Erwachsenen

Die Eyachtalschüler haben bei ihren bisherigen Wahlen ein fast identisches Wahlverhalten wie Erwachsene an den Tag gelegt. Die Wahlbeteiligung mit knapp 88,8 Prozent sogar noch höher als in der Realität.

Auf Platz eins bei den Zweitstimmen setzten die Eyachtalschüler die CDU mit 30,1 Prozent (tatsächlich 28,6) und auf Platz zwei die AfD mit 22,9 Prozent (tatsächlich 20,8). Auf Platz drei folgt dann der erste Ausreißer, zur realen Wahl; die Acht- bis Zehntklässler haben „Die Linke“ mit 18,7 Prozent (tatsächlich 8,8) zur drittstärksten Kraft gemacht.

Schulwahlleiter Lutz Schaper (Mitte) mit seinen Wahlhelfern Marie Herold und Steffen Edele aus der Klasse 10 a /Kost

Auf Platz vier kommt dann das BSW mit neun Prozent (4,97 Prozent), auf Platz fünf die SPD mit 7,2 Prozent (tatsächlich 16,4 Prozent) und auf Platz sechs die FDP mit 4,8 Prozent (tatsächlich 4,3 Prozent) . Regelrecht abgestraft wurden die Grünen von den Eyachtalschülern. Sie bekamen gerade mal 1,8 Prozent (tatsächlich 11,6 Prozent) und damit gleich viel wie die Tierschutzpartei.

Bareiß erhält die meisten Erststimmen

Bei den Erststimmen setzten die Jugendlichen (sie stimmten übrigens über die Kandidaten des Wahlkreises 295 Zollernalb-Sigmaringen ab) Thomas Bareiß (CDU) mit 45,4 Prozent; das war sogar um 2,6 Prozent besser als das Ergebnis bei der echten Wahl. Auf Platz zwei folgte Elena Krein („Die Linke“) mit 21,5 Prozent vor Lukas von Berg (AfD) mit 15,9 Prozent. Robin Mesarosch (SPD) bekam 9,2 Prozent, Boris Kraft (FDP) 3,7 Prozent und Simon Schutz (Grüne) 1,8 Prozent.

Erklärungen für das Wahlverhalten

Aber warum einerseits so viel Sympathie für den konservativen Direktkandidaten der CDU und auf der anderen Seite so ein gutes Ergebnis für eine Bewerberin aus dem eher links-sozialistischen Politik-Millieu? Schulwahlleiter Lutz Schaper hat dafür zwei gute Erklärungen. Im vergangenen Oktober machten die Zehntklässler eine Studienfahrt nach Berlin und trafen dort Thomas Bareiß im Bundestag. Im Gespräch mit den jungen Leuten aus Haigerloch machte er auf sie offenbar einen sehr sympathischen Eindruck.

Was „Die Linke“ betrifft, kam deren Wahlwerbung bei den Jugendlichen offenbar am besten an, wie eine Analyse der Parteien-Wahlwerbung an der Schule nahelegt. Eine Spitzenkandidatin, die mutterseelenalleine an einer verlassenen Bushaltestelle irgendwo im Nirgendwo sitze, spiegle die Lebenswelt junger Leuten einfach sehr gut wieder, so Lutz Schaper. Mit seinen Klassen will er jetzt den Ausgang der Bundestagswahl im Unterricht aufarbeiten.

Info

Die Juniorwahl
ist ein handlungsorientiertes Konzept zur politischen Bildung an weiterführenden Schulen und möchte das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen. Im Rahmen von Landtags-, Bundestags- und Europawahlen werden Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler dabei unterstützt, eine realitätsgetreue Wahlsimulation an ihrer Schule zu organisieren und durchzuführen. Außerdem wird didaktisches Unterrichtsmaterial zur Vorbereitung der Wahl sowie alle Unterlagen und -materialien zur Verfügung gestellt, die für die Juniorwahl nötig sind.

Über 7000
Schulen mit knapp zwei Millionen „Wahlberechtigten“ haben an der Juniorwahl teilgenommen. Mit 25,3 Prozent kam „Die Linke“ auf Platz eins, vor der CDU/CSU (16,8 Prozent) und der SPD (15,5 Prozent). Auf Platz vier landete die AfD mit 14,7 Prozent.