Ein Hauch der Herkunft im Glas: Die Weine von Jochen Beurer haben ihre ganz eigene Note. Foto: Max Kovalenko

Lang ist das Anbaugebiet Württemberg auf Bundesebene belächelt worden. Bis so ein Image getilgt ist, das dauert, aber die Weingüter an Neckar und Rems arbeiten daran. Drei Nachwuchs­Wengerter wurden nun durch die Aufnahme in den Verband der Prädikatsweingüter (VdP) geadelt.

Fellbach/Kernen - Die Revolution geht in die zweite Runde. Vor zwanzig Jahren feierten Experten das württembergische Weinwunder, nun folgt das nächste Kapitel. Auf den Spuren der Pioniere drängt der Nachwuchs nach vorne. In vielen Betrieben übernimmt die nächste Generation das Zepter. Das Markenzeichen der Jungen: Sie sind häufig sehr gut ausgebildet und haben sich in der ganzen Welt umgeschaut. Ein Resultat dieser Entwicklung: Der Verband der Prädikatsweingüter (VdP), so etwas wie ein Orden der besten deutschen Weinproduzenten, hat nun mit den Weingütern Beurer (Stetten), Heid (Fellbach) und Kistenmacher-Hengerer (Heilbronn) gleich drei neue Betriebe aufgenommen. „Wir wollten einfach die Betriebe belohnen, die Leistung bringen“, sagt Gert Aldinger, selbst der am höchsten bewertete Wengerter und VdP-Vorsitzende des Anbaugebiets Württemberg.

Und warum wurden gleich drei Betriebe geadelt? Das sei Zufall, meint der Chef. Wenn unter den avisierten Betrieben kein Ausreißer nach unten zu erkennen sei, warum sollte man dann einen aussortieren? Also kam es zum dreifachen Ritterschlag, der immerhin einen Trend überdeutlich zeigt: Im Weinbau geht es in Richtung bio. Was früher noch belächelt wurde, ist längst in sämtlichen Betrieben angekommen; der schonende Umgang mit der Natur scheint für die Erzeuger eines landwirtschaftlichen Produktes folgerichtig. Der vorletzte VdP-Neuzugang zum Beispiel war Rainer Schnaitmann, der zwar kein Zertifikat besitzt, aber längst nach biologischen Richtlinien arbeitet – aber bisher auf den Stempel verzichtet hat.

Reben schneiden bei absteigendem Mond

Jetzt sind unter den Neuzugängen gleich zwei Biobetriebe. Am konsequentesten geht Jochen Beurer diesen Weg. Der junge Mann arbeitet biodynamisch, also nach strengen Demeter-Richtlinien. Und das nicht aus reiner Ideologie, sondern weil er die Konsequenzen als positiv für seinen Wein sieht. Geschnitten werden die Reben zum Beispiel bei absteigendem Mond, wenn mehr Ruhe in der Pflanze ist. „Die Folge davon ist, dass die Rebe einfach ausgeglichener im Wuchs ist, die Beeren werden fester“, sagt Jochen Beurer. Dies wiederum komme der Weinqualität zugute. Gespritzt wird bei ihm mit Schachtelhalmtee, Brennnesseltee oder Kamille, den Einsatz von Kupfer hält er bei einem Drittel der zulässigen Menge. „Ich behandle die Pflanzen wie Lebewesen“, sagt Beurer. „Und ich glaube, dass sich dies auszahlt.“

Markus Heid sieht das ebenso. Wer seine Argumente verstehen möchte, muss nur, mit einem Spaten bewaffnet, in den Weinberg gehen. Ein Stich, schon sieht man den Unterschied. „Das braucht natürlich Zeit, man muss die Rebe wieder dazu bringen, nach unten zu wurzeln“, sagt Heid. Durch den Einsatz von Mineraldünger ist das unnötig, die Pflanze findet die Nährstoffe bequem in den obersten Regionen des Bodens. Zudem wurde im herkömmlichen Anbau das Unkraut unterm Stock mit chemischen Mitteln bekämpft, das tat ein Übriges. „Ich glaube nicht, dass wir nun einen gesünderen Wein produzieren, aber ich glaube, dass unsere Weine mehr Spannung bringen.“

Die Herkunft der Weine muss zum Ausdruck kommen

Jochen Beurer war einer der Ersten, der sein Augenmerk auf den Boden richtete. Mit Grabungsprojekten führte er den Nachweis, dass seine Bearbeitung Früchte trägt. Seine Weine bezeichnet er deshalb nach den Gesteinsschichten, auf denen sie wachsen und deren Mineralik sie wiedergeben. Schilfsandstein. Gipskeuper. Kieselsandstein. Genau damit geht auch sein neuer Verein hausieren: Die Herkunft der Weine, die Lage, müsse zum Ausdruck kommen.

Auf der Pro Wein, der großen Wein-Messe in Düsseldorf am Wochenende, werden die VdP-Betriebe ihre Weinphilosophie erklären. Unter ihnen dann Markus Heid, der erstmals dabei ist. Jochen Beurer schenkt im Stand nebenan aus, zusammen mit dem ebenfalls beförderten Hans Hengerer, mit dem letzten VdP-Neuzugang Rainer Wachtstetter (Pfaffenhofen), mit Jürgen Zipf (Löwenstein) und Sven Ellwanger aus Großheppach am Stand von Junges Schwaben. In einer anderen Ecke der Messe stehen Jens Zimmerle (Korb), Frank Haller (Stuttgart) und Andy Knauß (Weinstadt) zusammen, eine ziemlich neue Verbindung. Dies nur als Beleg dafür, dass es mit nachrückenden Betriebe noch lange kein Ende hat.

Die drei Neuen

Weingut Beurer: Jochen Beurer bewirtschaftet in Stetten im Remstal zehn Hektar auf biodynamische Weise. Sein Betrieb ist nach Demeter zertifiziert und Mitglied in der Winzergruppe Junges Schwaben. Adresse: Lange Straße 67, 71394 Kernen-Stetten i. R., Telefon 0 71 51 / 4 21 90. www.weingut-beurer.de

Weingut Heid: Markus Heid bewirtschaftet in Fellbach etwa siebeneinhalb Hektar nach Biorichtlinien (EU-Zertifikat). Der elterliche Betrieb ist schon in den 1960er Jahren aus der Genossenschaft ausgetreten.Adresse: Cannstatter Straße 13/2, 70734 Fellbach, Telefon 07 11 / 58 41 12. www.weingut-heid.de

Weingut Kistenmacher-Hengerer: Hans Hengerer ist ebenfalls ein Mitglied in der Winzergruppe Junges Schwaben.Adresse: Eugen-Nägele-Straße 23–25, 74074 Heilbronn, Telefon 0 71 31 / 17 23 54. www.kistenmacher-hengerer.