Von schamanischer Tradition bis zum ausgebuchten Event im Schwarzwald: Wie Rohkakao den Weg nach Rottweil gefunden hat und damit einen Nerv trifft.
Auf den ersten Blick wird Rohkakao häufig unterschätzt. „Viele Kunden erwarten, dass Kakao süß ist und nach heißer Schokolade schmeckt“, berichtet Vanessa Burgbacher aus Rottweil. Umso größer sei die Überraschung, wenn sie den ursprünglichen, milden und zugleich kraftvollen Geschmack ihres Produkts kennenlernen. Die 29-jährige Jungunternehmerin vertreibt seit Kurzem Rohkakao aus Bali.
Was zunächst als regionales Angebot gedacht war, findet inzwischen auch im gesamten deutschsprachigen Raum Anklang. Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Rohkakao sei von Beginn an groß gewesen, erklärt Burgbacher. Ausschlaggebend sei neben dem Marktinteresse auch ihre persönliche Begeisterung für das Getränk gewesen.
Erstmals kam sie im Zusammenhang mit schamanischen Traditionen mit Rohkakao in Berührung. Dort wird er seit Langem genutzt, häufig verbunden mit einer sogenannten herzöffnenden Wirkung. Für Burgbacher stand dabei von Anfang an die Herkunft des Produkts im Mittelpunkt. „Mir war wichtig zu wissen, woher der Kakao kommt und wie er entsteht“, sagt sie.
Von Bali nach Rottweil
Der von ihr vertriebene Rohkakao stammt aus einem kleinen Projekt auf Bali, das von einem deutschen Paar aufgebaut wurde. Dieses arbeite direkt mit lokalen Kakaobauern zusammen und ermögliche ihnen so den Zugang zum internationalen Markt. Über den Onlineshop wurden die Projektinitiatoren auf sie aufmerksam und nahmen Kontakt zu ihr auf, erklärt Burgbacher.
Vom Feld bis in den Shop
Statt industrieller Massenproduktion stehe dort Handarbeit, Erfahrung und ein sorgfältiger Fermentationsprozess im Vordergrund. Sie sei von Beginn an in die Entstehung eingebunden und stehe in engem Austausch mit den Beteiligten vor Ort, erzählt die 29-Jährige.
Durch die schonende Verarbeitung unterscheide sich Rohkakao deutlich von industriell hergestellten Produkten. Viele natürliche Inhaltsstoffe blieben erhalten, weshalb Rohkakao auch in naturheilkundlichen Zusammenhängen zunehmend Beachtung fände. Er enthält Mineralien und Vitamine und gilt als eines der ursprünglichsten Naturprodukte.
Wachwerden ohne Koffein
Bereits bei indigenen Kulturen Mittel- und Südamerikas sei Kakao nicht als Süßigkeit, sondern als Medizin und zeremonielles Getränk genutzt worden. Der enthaltene Stoff Theobromin wirke sanft anregend, fördere die Durchblutung und würde häufig mit einem Gefühl von innerer Wärme in Verbindung gebracht werden, so berichtet Burgbacher. Sie selbst habe ihren morgendlichen Kaffee inzwischen durch Kakao ersetzt.
„Einen Anker im Alltag“
Neben dem Verkauf bietet sie gemeinsam mit Denise Marie Schurr aus Deißlingen regelmäßig Kakao-Zeremonien im Naturgasthaus Bettlinsbad an. Diese verstehen die Veranstalterinnen als Raum für Verbindung, Reflexion und innere Einkehr. „Die Leute wünschen sich einen Anker im Alltag“, sagt Burgbacher. Jede Veranstaltung stehe unter einem bestimmten Motto, das sich auch in einer geführten Meditation sowie einem Räucherritual widerspiegelt.
Die Nachfrage reißt nicht ab
Beim ersten Termin nahmen 27 Personen teil, die Räumlichkeiten erwiesen sich dafür jedoch als zu klein. Inzwischen ist die Teilnehmerzahl auf 18 begrenzt. Die Veranstaltungen sind regelmäßig ausgebucht, teilweise gibt es Wartelisten. Für den nächsten Termin am 4. März sind noch wenige Plätze verfügbar. Eine Anmeldung ist aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl unter www.bettlinsbad.de erforderlich.
Tradition und Moderne
Rohkakao ist für viele mehr als ein Getränk – er steht für Geschichte und kulturelle Bedeutung. Mit ihrem Kakao aus Bali verbindet Vanessa Burgbacher traditionelles Wissen mit modernen Ernährungsansätzen.
Weitere Infos unter: www.naturrauch.de