Er schreibt gerne komische Dinge, beherrscht aber auch ernste Themen. Unter anderem trug Walter Bosch im Bahnhofsaal Passagen aus seinem Nachkriegs-Krimi „Der Fall Morgenrot“ vor. Foto: Reinhard Will

Der Junginger Walter Bosch, ehemaliger Realschullehrer, las im Burladinger Bahnhofsaal aus seinen Werken.

Man hätte den Nachmittag auch zu Hause auf dem Sofa verbringen können, aber dort hätte man sich sicher nicht so gut unterhalten wie bei dieser Autorenlesung.

 

Zu ihr hatte der Kulturverein Burladingen in den Bahnhofsaal geladen, und Walter Bosch, bis 2013 Lehrer an der hiesigen Realschule, sorgte mit Auszügen aus seinen Büchern für unterhaltsame und entspannte anderthalb Stunden.​

Die reine Lesezeit begrenzte er am Anfang auf gut 60 Minuten: „Es ist ja eine Lesung und keine Geiselnahme“, wie er augenzwinkernd betonte. Zuvor hatte Johannes Amann vom Kulturverein die Gäste, unter ihnen ehemalige Kollegen des Autors und einstige Schüler, begrüßt.​

Nur ein Hobby

Ein Schriftsteller sei er nicht, erläutert Walter Bosch in einem Vorgespräch, das Schreiben sei „nur Hobby und Spaß“. Er habe aber schon immer geschrieben, erzählte er, „meist kleinere Sachen heiterer Art“. Mit dem Schreiben begann er während seiner Zeit bei der Bundeswehr; im Studium habe er es dann fortgesetzt. Allerdings „nicht am Stück“, sondern „immer mal was“. Doch seit der Pensionierung nehme er öfter die Feder zur Hand und widme sich auch ernsteren Themen.​

Viele davon stammen aus dem Alltag. Lokalkolorit schreibt er als Killertäler groß – Bosch lebt in Jungingen. Gerne verfasse er „höheren Blödsinn“, sagte er von sich selbst. Das aber, so bemerkte man als Zuhörer, mit Anspruch, geschliffen, voller Sprachwitz und oft hintergründiger Ironie.​

Mit den Jahren änderte sich auch das Genre: „Ich habe festgestellt“, so Bosch, „je älter ich werde, desto lieber schreibe ich Nachrufe.“ Auch den eigenen –„aber der wird noch nicht vorgelesen, sonst fehlt bei der Beerdigung die Spannung“, grinste er.​

Verantwortlich für sein erstes größeres Werk – „Der Fall Morgenstern“ – war seine Frau Rita Bosch: Sie ermunterte ihn, eine Familiensaga zu schreiben. Ein Kriminalroman ist es dann geworden, denn für eine Saga, so der Autor, habe es ihm an den notwendigen Kenntnissen gefehlt.​

Man hört ihm gerne zu

Der Krimi spielt in den 1950er-Jahren im Hohenzollerischen. Es geht um mehrere Mordanschläge, die irgendwie mit dem Weiterbestehen alter Nazi-Seilschaften verknüpft zu sein scheinen. Kommissar Haider und seinem Assistenten Rosenfelder gelingt es schließlich, Licht in das Dunkel zu bringen. Das dörfliche Lokalkolorit und die zarte Liebesgeschichte zwischen einem jungen Polizisten und einer Hausiererin bilden den Hintergrund dieses Kriminalromans.​

Walter Bosch schreibt nicht nur sprachlich gekonnt, er ist auch ein guter Vorleser, dem man gerne und aufmerksam zuhört. Die im Wechsel zwischen ernsteren und humorigen Themen vorgelesenen Auszüge aus seinen Büchern zeigten einen gut formulierenden, teilweise schwarzhumorig und scharfzüngig schreibenden Verfasser mit viel Empathie und Liebe zur Heimat.​

Zum Schluss waren es knapp eineinhalb Stunden Lesung, einschließlich einer Pause. Eineinhalb Stunden, in denen sich der Autor als gekonnter Schilderer menschlicher Verhaltensweisen erwies. Und eineinhalb unterhaltsame Stunden, die durch zahlreiche Lacher des Publikums unterbrochen wurden. Die spannende Unterhaltung dankten die Gäste mit einem verdienten Applaus.