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Jungingen Abgesang auf einen Kirchenchor

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Die wenigen Mitglieder des Kirchenchors verfolgen den Gottesdienst von der Empore aus.Fotos: Rapthel-Kieser Foto: Schwarzwälder Bote

Der Vorsitzenden des Junginger Kirchenchores, Wilma Evers, fiel es sichtlich schwer. Es galt nach dem Gottesdienst nicht nur vom Dirigenten und Leiter Alfred Schäfer Abschied zu nehmen. Auch der Kirchenchor, dem sie so viele Jahre angehörte, löste sich damit auf.

Jungingen. Und dabei hat es, dass ließ Evers uns wissen, wohl schon 250 Jahre Kirchensinger in Jungingen gegeben. Denn der Seniorin fiel schon vor vielen Jahren eine Rechnungskopie der Gemeinde Jungingen aus dem Jahr 1779 in die Hände. Darauf war vermerkt, dass am Feste Corpus an "die Kirchensinger, Kreutz- und Fahnenführer" elf Gulden als Entschädigung gezahlt wurden.

So lange schon fanden sich also Sänger und irgendwann auch Sängerinnen in der Killertalgemeinde zusammen, um zum Lobe des Herrn ihre Stimmen erschallen zu lassen. Kein Wunder, denn schon seit 1466 ist in Jungingen ein Gotteshaus an jener Stelle belegt, an der heute noch die St. Sylvesterkirche steht.

Junginger Kirchengesang ist also womöglich noch älter als jene per Rechnung belegten fast 250 Jahre. Aus diesem Anlass erhielt der Junginger Chor im Jahre 1995 sowohl die Palestrina-Medaille der Erzdiözese Freiburg als auch die Zelterplakette der Bundesrepublik, die Chören verliehen wird, die mindestens 100 Jahre bestehen. "Damals" so erinnert sich Wilma Evers "konnten wir in unserer Festhalle ein schönes Fest feiern bei dem die Kirchenchöre der umliegenden Gemeinden Schlatt, Boll und Hausen und Killer teilnahmen." Die gibt es aber alle schon nicht mehr – und jetzt hört auch der Junginger Kirchenchor auf.

Aderlass war in den vergangenen Jahren einfach viel zu groß

Zu groß der Aderlass, wenn man sich zum Singen in den vergangenen Jahren auch allzu oft am Grab des einen oder anderen Tenors, des Bass-Sängers, der Sopranistin, oder Altistin einfinden musste.

Dabei habe der Chor dadurch, dass die Nachbarchöre sich auflösten, eine Weile sogar ein paar Mitglieder hinzu gewonnen. Trotzdem, letztendlich fehlte es an genügender Besetzung und als Schäfer seinen Rückzug ankündigte, so Evers, sei ihr klar geworden, dass dies auch das Ende des längst viel zu kleinen Kirchenchores sein werde. "Wir sind miteinander alt geworden – und wir hören jetzt miteinander auf", sagte sie an Alfred Schäfer und an ihre Chorkameraden gewandt mit einem hörbaren Seufzer.

Stolz sei sie darauf, dass es in den vielen Jahrzehnten, in denen sie im Kirchenchor mitsang, nie Streitereien oder Unzufriedenheit gegeben habe, es wären durchweg "harmonische Jahre" gewesen attestierte Evers ihren Sängerkameraden. Der nunmehr 80-jährige Schäfer, der selber mitsang, dirigierte und die Orgel ertönen ließ, habe den Chor zu hohen Leistungen geführt. Der galt jahrelang als der beste der Region, betonte Evers. Der Chorleiter wusste, was machbar ist, kannte die richtige Literatur, die man mit dem immer kleinen werdenden Chor noch habe üben können. "Im Anwesenheitsbuch Ende der 1960er Jahre sind über 40 Sängerinnen und Sänger aufgezählt. Jede Frauenstimme war mit ebenso vielen Sängerinnen besetzt wie der ganze Chor jetzt Mitglieder hat", verdeutlichte Evers, was sie als gesamtgesellschaftliches Problem bezeichnete. Den Nachwuchsmangel, die Alterspyramide. "Vielleicht gelingt es eines Tages, wieder einen Chor, wenn auch in anderer Form für die Gottesdienstgestaltung zu bekommen", sagt die Kirchenaktivistin Evers. Auch ihre Hoffnung stirbt zuletzt.

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