Das Altensteigerle war sehnlichst erwartet worden. Foto: Frank Campos

Am 28. Dezember 1891 wurde die Bahnlinie Altensteig – Nagold eröffnet – mit großem Programm und einem Festessen im Gasthaus Waldhorn.

Von der Bevölkerung sehnlichst erwartet, war es am 28. Dezember 1891 endlich soweit: Der Festzug zur Eröffnung der Bahnlinie Altensteig-Nagold fuhr von Nagold nach Altensteig. Allerdings war dieser erste Zug noch den geladenen Ehrengästen vorbehalten.

 

Das Programm für diesen Festtag war aufwendig geplant: Um 6 Uhr weckten Böllerschüsse die Altensteiger, danach Tagwache, Abgang einer Deputation nach Nagold, Gabelfrühstück am Bahnhof Nagold. Dann um 12 Uhr der Höhepunkt: Festfahrt der Ehrengäste mit der neuen Bahn von Nagold nach Altensteig.

Böllerschüsse und Glockengeläut

Der Festzug wurde in Altensteig gegen 1.30 Uhr von Honoratioren, Vereinen, Schülern und Bevölkerung erwartet und mit Böllerschüssen, Glockengeläut, Ansprachen und Musik empfangen. Gemeinsam ging es zu Fuß zum Festumzug durch die Post- und Rosenstraße. Danach stand ein Festessen für geladene Gäste im „Waldhorn“ auf dem Programm, nachmittags und abends gab’s musikalische Unterhaltung, Feuerwerk, Illumination und Fackelzug. Um 8 Uhr abends begann der Festball im Gasthaus „Sternen“.

Der Speiseplan des Festessens im Altensteiger Gasthof „Waldhorn“ liest sich exzellent und teilweise ungewohnt zum Nachkochen: Hühnersuppe, Turbot mit Kartoffeln und Sauce, Rostbehof mit Beilagen, Backhühner, Rosenkohl mit Pasteten, Rehbraten mit Maccaroni, Gansbraten mit Kopfsalat, Kompott, Schwarzbrot-Pudding mit Sauce, Punschtorte, Kuchen und Dessert.

Das damalige Amtsblatt „Aus den Tannen“ schreibt am 29. Dezember 1891 überschwänglich in damaliger Rechtschreibung: „Was durch viele Jahre ersehnt und mit Mühe und Ausdauer erstrebt wurde, heute ist zur Thatsache geworden – das Dampfroß eilt durch unser oberes Nagoldthal.“

Im Artikel ist auch vom „opferwilligen Beschluß unserer aufstrebenden Stadt Altensteig“ die Rede, für den Bau der Bahn einen städtischen Beitrag von 60 000 Mark „auszusetzen“. Dieser musste allerdings später erhöht werden.

Der reguläre Bahnbetrieb für jedermann begann einen Tag später. Im Fahrplan „giltig vom 29. Dezember 1891 an“ lesen wir: Der erste Zug fährt um 5.45 Uhr in Altensteig ab und erreicht Nagold um 6.45 Uhr. Fünf Zugpaare gab es damals, der letzte Zug für Spätheimkehrer fuhr abends ab Nagold um 10.20 Uhr, um dann eine Stunde später in Altensteig einzutreffen.

Baukosten doppelt so hoch wie geplant

Die Bauzeit der Bahn hatte nur acht Monate gedauert, die Trassierung entlang der Straße und mitten durch die Orte Ebhausen und Rohrdorf erforderte relativ wenig Aufwand. Allerdings waren die Baukosten schlussendlich trotzdem fast doppelt so hoch wie veranschlagt.

Die Eröffnung war ein großer Tag für Altensteig, der nun 134 Jahre zurückliegt. Allerdings währte die Freude über die Bahn nur rund 70 Jahre: Am 29. September 1962 fuhr der letzte Personenzug, der Güterverkehr konnte sich bis zum 28. Mai 1967 halten. Die Abschiedszüge waren voll besetzt und von Wehmut über den Verlust des „Bähnles“ begleitet. Aber Personen- und Lastwagen waren attraktiver und wirtschaftlicher.

Das „Altensteigerle“ war die erste Schmalspurbahn der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn. Die Spurweite betrug 1000 Millimeter, die Streckenlänge 15,1 Kilometer.

Wer das „Altensteigerle“ im Modell erleben möchte, hat am 4. und 6. Januar dazu Gelegenheit: Die Ausstellung mit dem kompletten Streckennachbau und mehreren Spielanlagen für Kinder ist von 13-17 Uhr in der Poststraße 9 geöffnet.