Die Hermann-Hesse-Bahn verbindet Calw mit Weil der Stadt. Heumaden, Althengstett und Ostelsheim haben nun wieder eine Zuganbindung. Die Orte feierten die Jungfernfahrt ausgiebig.
„Der 31. Januar 2026 war ein historischer Tag. Mit der feierlichen Einweihung der Strecke der Hermann-Hesse-Bahn am Samstag sind Heumaden, Althengstett und Ostelsheim wieder ans Stuttgarter Bahnnetz angeschlossen. Die Hesse-Bahn legte auf ihrer Jungfernfahrt an den neuen Haltepunkten jeweils längere Stopps ein. Denn die Orte wollten diesen Moment ausgiebig feiern.
Heumaden Um kurz nach elf Uhr fuhr die Bahn, voll besetzt mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, in Heumaden ein. Dort warteten rund 200 Schaulustige. Die Bahn wurde mit einer kleinen Pyro-Show begrüßt – und mit viel Jubel. „Es ist geschafft“, rief Landrat Helmut Riegger der Menge entgegen. Dass die Bahn vor 43 Jahren eingestellt wurde, bezeichnete Verkehrsminister Winfried Hermann als „Fehler“. „Das haben wir heute korrigiert“, sagte er. Die Hesse-Bahn biete Pendlern in die Region Stuttgart eine Alternative. Die Bahn bringe aber auch Menschen von dort nach Calw, zum Beispiel zu Wanderwegen oder dem KSK-Besucherzentrum, so Oberbürgermeister Florian Kling. Er, Riegger und Hermann eröffneten zudem das neue Parkhaus am Haltepunkt. Und Kling nahm das neue Haltestellenschild entgegen.
Althengstett Die Althengstetter Feuerwehr begrüßte die Bahn mit Wasser aus ihren Schläuchen. Am Haltepunkt selbst fanden sich rund 700 Menschen ein. Der Musikverein spielte ein Ständchen, der Sportverein bewirtete. Riegger sprach von einem „Quantensprung“ für Althengstett, das nun Teil der Metropolregion Stuttgart sei. Hermann betonte den „genialen Vorschlag“ der Tunnel-in Tunnel-Lösung. Die zeige, dass Mobilität und Artenschutz gemeinsam funktionierten. Und der Minister trug sich ins goldene Buch ein.
„Ich bin überwältigt“, sagte Bürgermeister Rüdiger Klahm. Er freute sich, dass so viele Menschen die Ankunft der Bahn feierten. Hermann bezeichnete er als „Motor“ hinter dem Projekt. Auch Riegger habe nicht locker gelassen. Die Teilintegration in den VVS sei ein entscheidender Schritt, so Klahm. „Wenn Sie zum VfB gehen, fahren sie mit dieser Bahn“, rief er den Menschen zu.
Ostelsheim Ein Regen aus Konfetti ging in Ostelsheim nieder und der Posaunenchor spielte, als die Hesse-Bahn einfuhr. „Die kleinste Gemeinde an der Strecke, macht den größten Bahnhof“, meinte Hermann zu den rund 400 Menschen. Die Reaktivierung der Strecke sei nicht einfach und nicht billig gewesen. „Haken wir alles ab“, sagte Riegger dazu. Heute sei ein guter Tag für Ostelsheim. Der Ort sei nun mittendrin in der Metropolregion und nicht mehr ländlicher Raum. Die Politik habe Wort gehalten.
„Was für ein Tag“, meinte Bürgermeister Ryyan Alshebl. Dass das so viele Menschen mitfeierten, sei eine „Ostelsheimer Qualität“. Bei aller Zähheit des Projekts, hoffe er, dass die Hesse-Bahn Teil der Ostelsheimer Identität werde. Und er kündigte an, sein Fitnessstudio-Abo gegen ein Deutschlandticket zu tauschen.
Weil der Stadt In Weil der Stadt, wo die Hesse-Bahn vorerst endet, warteten kaum Schaulustige. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard sah in der neuen Bahn trotzdem einen „Segen für den Landkreis Böblingen“. „Wadlbeißer Riegger“ habe nie aufgegeben, erkannte Bernhard an. Und Bernhard blickte in die Zukunft. Denn das langfristige Ziel sei es, dass die Menschen mit der Bahn von Calw nach Stuttgart fahren könnten – und zwar ohne Umstieg. Riegger war schon mit dem jetzigen Stand zufrieden. Alles habe ein gutes Ende genommen. „Wir haben’s hingekriegt“, so der Landrat.