Ein historischer Moment: Der erste Zug der Hesse-Bahn fährt in den Bahnhof Calw ein. Foto: Bernklau

Es ist geschafft: Nach mehr als zehn Jahren Planungs- und Bauzeit ist am Samstag der erste Zug der Hesse-Bahn gefahren. Die Bevölkerung bejubelte die Jungfernfahrt.

Es war und ist ein Projekt, bei dem Geduld, Visionen und Durchsetzungsvermögen gefragt waren. Bei allen Beteiligten. Es war 2010, als Hans-Ulrich Bay das Büro des damals erst kurz zuvor ins Amt gewählten Calwer Landrats Helmut Riegger betrat. Und Bahnliebhaber Bay schlug dem Landrat vor, doch die Bahnstrecke von Calw nach Weil der Stadt zu reaktivieren.

 

„Das war die Initialzündung für unsere Hesse-Bahn“, daran erinnerte der Calwer Landrat Helmut Riegger beim Festakt zur feierlichen Eröffnung der Hermann-Hesse-Bahn am Samstagvormittag. Nicht umsonst heißt deshalb die in Calw extra für die Hesse-Bahn errichtete Brücke im Stadtteil Heumaden Hans-Ulrich Bay-Brücke.

Immer wieder mit Hindernissen zu kämpfen

16 Jahre vergingen von dieser Initialzündung bis zum ersten Zug, der am Samstag auf der Strecke der Hesse-Bahn von Calw nach Weil der Stadt fuhr. Das Projekt, das an diesem Wochenende immer wieder als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet wurde und das den Raum Calw mit dem Raum Böblingen und Stuttgart verbinden soll, hatte mit so manchen Hindernissen zu kämpfen.

Winfried Hermann überreichte Landrat Riegger die offizielle Betriebsgenehmigung. Foto: Bernklau

Besonders mit den Fledermäusen in den Bestandstunneln und der Klage das Naturschutzbundes gegen des Vorhaben. Erst immense Investitionen in den Fledermausschutz – rund 85 Millionen Euro sind allein in den Artenschutz geflossen – sicherten letztlich die Realisierung des insgesamt 240 Millionen Euro teuren Projekts.

„So eine Unterstützung habe ich in der Politik noch nicht gesehen“

Einen treuen Unterstützer des Projekts fand Calws Landrat Riegger in Landesverkehrsminister Winfried Hermann. Das machte Riegger beim Festakt am Samstagmorgen immer wieder deutlich. „An erster Stelle habe ich Winfried Hermann Dank zu sagen“, sagte Riegger. So eine Unterstützung habe er „in der Politik noch nicht erfahren“, so Riegger vor mehreren hundert geladenen Gästen.

Aktuelle und ehemalige Bundestagsabgeordnete waren ebenso dabei wie Landtagsabgeordnete, Kreisräte, diverse Bürgermeister und Oberbürgermeister aus der Region – und Vertreter von Verkehrsunternehmen aus der ganzen Region wie der VVS oder der Südwestdeutschen Landesverkehrsgesellschaft SWEG.

Beziehung zum Calwer Kreischef immer von Vertrauen gekennzeichnet

Besonders verbunden zeigte sich Riegger mit den Rathauschefs der im Zweckverband Hesse-Bahn zusammengeschlossenen Kommunen: Calws OB Florian Kling, Althengstetts Rüdiger Klahm und Ostelsheims Ryyan Alshebl. „Wir haben so oft und so lang zusammengesessen“, erinnerte ein sichtlich erleichterter Calwer Landrat Riegger.

Calws Oberbürgermeister Florian Kling feierte mit seinen Calwern. Foto: Bernklau

Verkehrsminister Hermann zeigte sich ebenso zufrieden und erleichtert: „Wow, wir haben es geschafft“, sagte er in Richtung seines eigenen Ministeriums und in Richtung von Riegger. Die Beziehung zum Calwer Kreischef sei immer von Vertrauen gekennzeichnet gewesen. „Es hat einfach von Anfang an gepasst“, meinte Hermann, der aktuell seine letzten Wochen als Verkehrsminister erlebt.

Calws Oberbürgermeister Florian Kling erinnerte sich in seiner kurzen Ansprache an seine Kindheit, in der er an den verlassenen Gleisen der Bahnstrecke gespielt habe. Und heute erlebe er einen großen Tag – besonders für seine Stadt Calw. „Heute feiert die ganze Stadt“, jubelte Kling. „Und ich strahle.“

Althengstetter Feuerwehr „tauft“ den Zug

Nach dem Festakt machten sich vor allem die prominenten Gäste auf den Weg zum Bahnsteig, wo dann – angekündigt von einem lauten Signal, das im Nagoldtal widerhallte – der erste der batteriegetriebenen Züge der Hesse-Bahn in den Calwer Bahnhof einfuhr.

Die Bürgermeister (von links) Rüdiger Klahm (Althengstett), Ryyan Alshebl (Ostelsheim) und Florian Kling (Calw,rechts) feierten mit Landrat Riegger (Mitte) und Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: Bernklau

Während bei der Abfahrt in Calw vor allem die Prominenten auf den Zug warteten, empfingen an den weiteren Stationen Heumaden, Althengstett und Ostelsheim viele glückliche Bürger jubelnd, winkend und klatschend die neue Hesse-Bahn. In Althengstett „taufte“ die örtliche Feuerwehr sogar den einfahrenden Zug.

Abschluss des historischen Tags mit einem Bahnhofsfest

Nach einem Zwischenstopp im momentanen Endbahnhof in Weil der Stadt kehrte die Hesse-Bahn nach Calw zurück, wo sie von der Stadtkapelle, Feuerwerk und vielen jubelnden Calwern empfangen wurde, die neugierig darauf warteten, den neuen Zug direkt selbst in Augenschein zu nehmen.

Den ganzen Nachmittag konnten die neugierigen Besucher der Jungfernfahrt im Innenhof des Zentralen Omnibusbahnhofs von Calw ein fröhliches Bahnhofsfest zu Ehren des Jahrhundertprojekts feiern, das nun endlich Realität geworden ist.

Landrat Helmut Riegger zog ein begeistertes Fazit des historischen Tages. Er zeigte sich tief bewegt von der großen Resonanz und der Stimmung während der gesamten Feierlichkeiten: „Was wir heute erleben durften, war weit mehr als die Eröffnung einer Bahnlinie. Es war ein Tag voller Emotionen, Begegnungen und ehrlicher Freude. Heute haben wir nicht nur Gleise eröffnet, sondern vor allem Perspektiven für den Landkreis.“