Die 17-jährige Sara Alkataa aus Freudenstadt erhält ein Stipendium als junges Talent im Land. Sie lebt ihre Werte auch im Alltag.
Eine Schülerin der zehnten Klasse der Freudenstädter Falkenrealschule zählt zu den 56 jungen Talenten des Landes, die Ende vergangener Woche mit einem Stipendium ausgezeichnet wurden. Sara Alaktaa, geboren in Damaskus in Syrien, inzwischen 17 Jahre alt, erhielt den Preis in einem feierlichen Akt im Neuen Schloss in Stuttgart in Anwesenheit von Kultusministerin Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen).
„Es war sehr schön“, erzählt die Schülerin, noch anderntags sichtlich beeindruckt vom feierlichen Empfang mit Begrüßung, Ansprachen, Preisübergabe, Beifall und Buffet im Neuen Schloss, umgeben von mehr als 50 etwa Gleichaltrigen und vielen Offiziellen. Und von einem Auftritt der jungen Olympiasiegerin in Rhythmischer Sportgymnastik, Darja Varfolomeev.
Sara war mit ihrer älteren Schwester Jaudi, mit Klassenlehrer Jürgen Roser und Schulleiter Matthias Zeller nach Stuttgart angereist und erlebte einen großartigen Nachmittag, den sie so schnell nicht vergessen wird.
Herausforderungen zu meistern
Sie hat dafür auch ganz schön arbeiten müssen. Sara war Teilnehmerin des Stipendienprogramms Talent im Land (TiL), gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung und der Josef Wund Stiftung. Es richtet sich an engagierte und begabte Schüler, die wegen ihrer persönlichen Geschichte oder sozialer Umstände besondere Herausforderungen zu meistern haben.
Diese konnten sich in drei Schritten für das Stipendium qualifizieren. Dazu zählten auch ein persönliches Gespräch vor einer Jury und Empfehlungen von Lehrern und Schulleitung.
Sara ist mit vier Geschwistern in Damaskus in Syrien aufgewachsen. Die Familie flüchtete 2014 nach Deutschland, kam über die Gemeinde Seewald nach Freudenstadt und besitzt seit drei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Die junge Frau spricht inzwischen fast fehlerfrei Deutsch. „Wir haben uns schnell integriert“, sagt sie, räumt aber ein, dass es in der Grundschule am Anfang schon schwer mit der neuen Sprache war. Sie sei deswegen auch gemobbt worden. Das sei längst überstanden: „Wir haben es hingekriegt.“
Keine Ruhe vor Klassenarbeiten
Sara ist eine gute Schülern, ihr Notenschnitt Ende der neunten Klasse lag bei 1,2. „Man muss lernen“, sagt sie. Vor einer Klassenarbeit habe sie keine Ruhe: „Dann lerne ich, habe Stress im Kopf.“
Die Familie sei gern im Schwarzwald und plane für den Sommer einen Besuch in der alten Heimat. „Aber jetzt können wir dort nicht leben“, blickt sie auf die derzeitige politische Situation in Syrien.
Gegen Diskriminierung, Rassismus und Vorurteile
Trotz ihrer jungen Jahre ist die Schüler stark politisch interessiert und gesellschaftlich engagiert, tritt ein gegen Diskriminierung, Rassismus und Vorurteile, bringt sich ein für gesellschaftliche und politische Themen. Sara macht Sport, fotografiert, reist und liest gerne.
Sie ist seit zwei Jahren Jugendbegleiterin im Ganztagsunterricht der Schule, zeichnet, bastelt und strickt mit Schülern der unteren Klassen: „Das, was ich kann, bringe ich anderen bei.“ Ihr soziales Engagement möchte sie fortsetzen. Dabei ist ihr, die vor der Mittleren Reife steht, besonders wichtig: „Ich mache Abitur.“ Und danach? „Plan A ist die Gesundheit.“ Und Plan B? „Das ist Politik und Wirtschaft.“
Das Programm
Talent im Land
Im Programm Talent im Land (TiL) erhalten seit 2003 vielseitig begabte und engagierte Jugendliche finanzielle Förderung, individuelle Beratung und zusätzliche Bildungsangebote. Dank der Finanzierung von drei zusätzlichen Stiftungen wurden dieses Jahr 39 Schülerinnen und 17 Schüler in die Förderung aufgenommen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten sind vielseitig interessiert und haben oft schon klare berufliche Ziele vor Augen.