Ralf Stoffels (von links), Thomas Heß und Jan-Philipp Warmers zeigen, was in der JFZ-Werkstatt alles möglich ist. Foto: Roland Stöß

Im Jugendforschungszentrum Calw begeistern Ingenieure für Technik. Vom 3D-Druck bis zur Internet-Erklärung – ein Ort für Wissensdurstige, der teure Geräte zugänglich macht.

In Kindern steckt zunächst einmal ein angeborener Forscherdrang, der manchen bis ins Alter eines Jugendlichen, anderen weit darüber hinaus, erhalten bleibt. Mit dem Jugendforschungszentrum Region Calw (JFZ) beherbergt Calw einen Verein, dessen Mitglieder sich nach eigenem Bekunden „die Begeisterung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und das Interesse, den Dingen auf den Grund zu gehen, eint“.

 

Das JFZ unterbreitet jungen Menschen ein außerschulisches Angebot, in dem sie die Möglichkeit haben, praktisch zu arbeiten, zu experimentieren und zu forschen. Das Motto: Der Spaß am Machen steht immer im Vordergrund. Bei der jüngsten Maker Night im März fiel auf: Die Lust zu experimentieren, ist nicht den Buben vorbehalten. Sechs Mädchen und vier Jungs bauten mit Begeisterung eigene Taschenlampen.

Geräte in Industriequalität

Die Mitglieder Ralf Stoffels, Jan-Philipp Warmers und Thomas Heß wissen um den großen Wert, den das JFZ bietet: „Wir haben Gerätschaften, die wir Interessierten näher bringen wollen und wir haben Wissen, das wir weitergeben wollen. Hier kann man neugierig sein. Hier können die jungen Menschen ein Gerät auseinanderbauen, nur um zu sehen, was drin ist. Wir bieten hier eine Menge an Equipment an, das man sich privat nicht leisten kann.“ Hier kann man Geräte in Industriequalität nutzen. Das Hacker-Trio stellte sich vor den neuen 3-D-Druckern (Fachchinesisch: SLA und FDM 3D Drucker) auf, um zu zeigen, wie gerade in diesem Moment eine Sichtblende für ein LED-Licht hergestellt wird. Stolz ist man auch auf den großen Lasercutter.

Das Trio kann sich vorstellen, dass sich manch ein Elternteil für die Arbeit der jungen Menschen interessiert. Viele ältere Menschen möchten unabhängig sein und sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Sie möchten aktiv an den Entwicklungen teilhaben. Deshalb bietet das JFZ an jedem Dienstag eines Monats, zusätzlich zu den üblichen Treffzeiten in der „Homebase im Zwinger 4“, Vorträge an. „So zeigen wir in einem Vortrag den Weg von einer Idee zum elektronischen Gerät auf‘, verrät Stoffels. „Doch auch ganz profan erscheinende Themen werden wir in Vorträgen behandeln. Wir klären auf, wie das Internet überhaupt funktioniert.“

Weitere Fragen sind: Was mache ich mit meinem Rechner, wenn kein Windows 11 mehr läuft? Wie geht eigentlich ein 3D-Druck? Was kann man mit einem Lasercutter machen? Wie werde ich unabhängig von den großen Datenkonzernen? Welche Alternativen gibt es zu den großen Social Media Konzernen wie WhatsApp, Facebook und wie nutze ich sie? Man stellt sich bei der Aufbereitung der Vorträge auf die Fragen der Interessierten ein, damit diese etwas mitnehmen werden.

Im Calwer JFZ ist die Kompetenz geballt. Stoffels (Hauptberuflich Elektroingenieur), Warmers (Network-Ingenieur) und Heß (Firmware-Entwickler) und die anderen ehrenamtlich Tätigen geben im Rahmen ihres Hobbys ihr Wissen weiter. Neue Technik-Verrückte und Wissbegierige sind willkommen.

Praktisches Beispiel

Thomas Heß und Jan-Philipp Warmers machten an einem praktischen Beispiel deutlich, wie nah das JFZ an der Calwer Bevölkerung dran ist. Die Jugendlichen vom JFZ-Team entwickelten für den renaturierten Stadtgarten ein Messsystem, das nun wichtige Umweltdaten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und mehr erfasst. Diese und weitere Daten von Sensoren aus der Lederstraße und dem Weinsteg werden in einer Datenbank gespeichert und auf der Website der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Man kann sich vorstellen, dass der neu gestaltete Platz am Brühl mit Messsystemen ausgestattet werden könnte.

Auf der JFZ-Homepage sind alle Gruppen des JFZ (CoderDojo, Hardware Hacks, Sicherheit im Netz und das Projekt Stadtgarten) beschrieben. Die Themen der Veranstaltungen, zu denen jeder eingeladen ist, werden jeweils vor den Veranstaltungstagen bekannt gegeben.

Ein Termin steht fest: Eine Führung im C-Turm im Stammheimer Feld mit Technik-Demonstrationen wird am 4. August stattfinden. Der Turm, der Vögeln und Fledermäusen als Nistplatz dient, wird technisch vom Calwer Hackerspace C-Hack bedient. Mit einer Webcam über das Stammheimer Feld gewinnt man einen Eindruck über das aktuelle Wetter. Sensoren spüren winzigste Fledermaus- Bewegungen, andere messen die lokalen Feinstaubbelastungen, Erdbebenschwingungen, radioaktive Strahlung und vieles mehr.