Seine Eltern wollten, dass er in die Industrie geht, er wollte ins Handwerk. Was ihn daran reizt, erzählt Fabian Littau, der sich schon mit 21 selbstständig gemacht hat.
Wenn die Karriere von den eigenen Eltern vorherbestimmt ist und die Vorstellungen von Eltern und Kind weit auseinanderdriften, ist der Weg nicht immer einfach und gradlinig. So auch bei Fabian Littau aus Zell. Seine Eltern wollten, dass er in die Industrie geht, er aber wollte von Anfang an Landwirt werden. „Meine Eltern waren dagegen, also habe ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion.
In diesem Beruf war er dann auch angestellt in der Schweiz. „Doch das hat mir keinen Spaß gemacht, mich nicht erfüllt.“ Schon 2021 hat er dann einen Nebenerwerb im Bereich Gartenpflege gestartet und immer wieder in der Landwirtschaft ausgeholfen. „So war ich samstags unterwegs mit der Heckenschere“, erzählt Littau. Teilweise habe er sogar Urlaub genommen, um seinen gewünschten Tätigkeiten nachzugehen.
„Ich saß den ganzen Tag in der Halle, im Büro oder an der Maschine, ich wollte einfach raus in die Natur und sehen, was ich geschaffen habe“, sagt er.
Von der Industrie ins Handwerk
Mit 21 Jahren kam dann im Oktober 2022 der entscheidende Schritt – von der Industrie ins Handwerk. Littau kündigte seinen Job in der Schweiz und machte sich mit seinem „Baumdienst Littau“ selbstständig. Einen Kletterschein und eine Weiterbildung zum Baumkontrolleur in einer Schule in Nürnberg in der Tasche ging es los – gelernte Gärtner und einen studierten Förster hat er eingestellt.
Was ihn am Handwerk reizt
Heute macht er immer noch gerne „Werbung“ fürs Handwerk, weil er selbst erlebt hat, wie schwierig es ist, Nachwuchs zu finden. „Als ich angefangen hatte, hatten wir echt Schwierigkeiten, gute Leute zu finden“, erzählt er. Denn das Handwerk habe nun mal ein schlechtes Image. Von wenig Gehalt sei die Rede, und man müsse bei jedem Wetter raus, auch sei es körperlich anstrengend, lauteten die Vorurteile. Littau hält dem entgegen: „Wir schätzen es sehr, jeden Tag an der frischen Luft zu sein, das steigert die Lebensqualität.“ Außerdem seien die Arbeitszeiten sehr flexibel, es gebe einen großen Zusammenhalt im Team, und man sehe am Ende des Arbeitstages, was man geschafft hat. „Und man erreicht das gemeinsam“, sagt er.
Durch diese Argumente habe er es – vor allem mit Hilfe der sozialen Medien – geschafft, Aufmerksamkeit zu generieren und damit gute Bewerbungen erhalten.
Das Unternehmen ist gewachsen
Sein kleines Unternehmen, damals noch allein gestartet in einem fünf Quadratmeter kleinen Raum in einer Mietwohnung, ist stetig gewachsen. Jetzt ist „Baumdienst Littau“ im Fessmann-Gebäude in Zell auf 500 Quadratmetern untergebracht und hat fünf Angestellte.
Weitere zwei Mitarbeiter stehen in den Startlöchern, und der inzwischen 25-jährige Geschäftsführer hat noch große Pläne. Ab Oktober möchte Fabian Littau nebenbei die Weiterbildung zum Fachagrarwirt absolvieren. „Und wir streben auch an, Ausbildungsbetrieb zu werden“, sagt er, was seine Ambitionen, junge Leute ins Handwerk zu führen, nur unterstreicht.
Was sein Unternehmen ausmacht
Auch ohne eine geregelte Ausbildung, etwa zum Gärtner, die es zum „Baumpfleger“ übrigens gar nicht gibt, habe er es geschafft, das Unternehmen zu führen. Mit den Experten aus seinem Mitarbeiter-Team sei er stets auf einer Wellenlänge, es gebe kein „Chef-Gehabe“, sondern entspanntes Zusammenarbeiten, und man lerne voneinander.
Spezialisiert habe man sich auf die Baumpflege. Im Forst sei man explizit nicht tätig. Denn schon früh hat Littau gemerkt, dass es eine Angebotslücke gibt, die man im Wiesental füllen kann: der nachhaltige Baumschnitt im Stadtgebiet. Dabei stellt sich Littau gegen Baumkappungen und steht für Erhaltungsschnitt statt radikaler Eingriffe. Denn falsche Schnitte führten häufig zu Stressreaktionen, instabilem Neuaustrieb und erhöhter Anfälligkeit des Baumes, erklärt der junge Unternehmer. Das heißt: Littau und sein Team hängen oft hoch oben in den Bäumen.
Auch dafür, dass Privatpersonen ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, ist das Team geschult und führt dazu Baumkontrollen durch. Aber auch Kommunen sind Auftraggeber, etwa die Stadt Zell.
Mit dieser speziellen Dienstleistung sei man eine Seltenheit im Wiesental, sagt Littau. Und auch sei man in der Umgebung das einzige Unternehmen mit einem Häckselgespann, das auch vermietet wird.
Und wer weiß, vielleicht schafft es Littau tatsächlich mit seiner Motivation, noch mehr junge Leute fürs Handwerk zu begeistern.