Gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und besonders schwerer Raub sowie Bedrohung wirft die Staatsanwaltschaft Konstanz den in unterschiedlicher Beteiligung agierenden Angeklagten vor. Foto: © nito – stock.adobe.com

Die Vorwürfe gegen vier junge Männer aus Villingen-Schwenningen und Donaueschingen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren wiegen schwer.

Villingen-Schwenningen/Konstanz - Gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und besonders schwerer Raub sowie Bedrohung wirft die Staatsanwaltschaft Konstanz den in unterschiedlicher Beteiligung agierenden Angeklagten vor. Zudem muss sich einer der Angeklagten, ein 19-Jähriger aus Villingen-Schwenningen, wegen Rauschgifthandels verantworten.

Mit Gesetz in Konflikt geraten

Die Große Jugendkammer des Landgerichts Konstanz hat zur Aufarbeitung der Tathandlungen zwei Verhandlungstage angesetzt. Bereits am Montagvormittag zeigte sich, dass es unterschiedliche Betrachtungsweisen in den Tathandlungen der Angeklagten gibt und sich deren Aussagen dahingehend unterscheiden. Alle Angeklagten, die sich seit Oktober beziehungsweise Dezember 2021 in Untersuchungshaft befinden, äußerten sich zu den Anklagepunkten, wobei zwei der Angeklagten ihre Aussagen über ihre Verteidiger verlesen ließen. Jeder der vier Angeklagten war zuvor bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten oder hatte in den zurückliegenden Jahren eine Haftstrafe verbüßen müssen. Auch der Konsum von Drogen scheint das junge Leben der Angeklagten geprägt zu haben.

Drei schwere Straftaten an einem Oktoberabend

An einem Oktoberabend im vergangenen Jahr sollen sich die Angeklagten in Villingen zu einer Wohnung in der Fördererstraße begeben und dort die Herausgabe eines ausgeliehenen Gegenstands, der zum Rauschgiftkonsum verwendet wird, gefordert haben. Da ihnen nicht gleich geöffnet worden war, soll der 19-Jährige zusammen mit seinem 25-jährigen Komplizen die Terrassentür eingetreten und sich so gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft haben. Danach zogen sie zu einer Wohnung eines 32-jährigen Bekannten in der Kirnacher Straße und tranken dort Alkohol und konsumierten Drogen. Plötzlich und wohl unvermittelt sollen sie in der Folge zu Dritt den Wohnungsinhaber mit Faustschlägen und Fußtritten attackiert haben. Das 32-jährige Opfer verlor durch die auch gegen den Kopf gerichteten Attacken kurzzeitig das Bewusstsein und musste sich ins Krankenhaus begeben.

Gründe für Angriff im Dunkeln

Die Gründe für diesen Angriff blieben im Dunkeln. Der 32-Jährige hatte dafür keine Erklärung. Er schilderte, dass er im Schlafzimmer auf dem Bett lag und nur noch rufen konnte "Hört auf, hört auf". Beim Opfer wurde ein leichtes Schädelhirntrauma diagnostiziert wurde. Der 32-Jährige leidet heute noch unter Angstzuständen, dass ihm wieder so etwas passiert, ohne dass ihm geholfen wird. Ohne sich um den Verletzen zu kümmern, sollen sich drei Angeklagte anschließend zu einem Wohnhaus in der Färberstraße begeben und dort erneut gewaltsam Zutritt zu einer Wohnung verschafft haben. Grund soll demnach eine "Forderung" des 19-jährigen Angeklagten gewesen sein. Der 19-Jährige machte wohl den Wohnungsinhaber, ehemals ein guter Kumpel, dafür verantwortlich, dass er wegen eines Corona-Verstoßes ein Bußgeld in Höhe von 300 Euro hatte entrichten müssen. Da der Wohnungsinhaber nicht anwesend war und sich nur zwei Bekannte in den Wohnräumen aufhielten, sollen die Angeklagten dann unter Drohung mit einem Springmesser Kleidung, Schuhe und Bargeld zusammengerafft haben.

Zeugenaussagen weisen Erinnerungslücken auf

Insgesamt zehn Zeugen wurden durch die Kammer geladen. Die ersten Zeugenaussagen am Montagnachmittag wiesen oft Erinnerungslücken auf oder waren von zögerlichem Aussageverhalten geprägt. Denn Angeklagte, Geschädigte und Zeugen kannten sich bereits flüchtig oder sogar persönlich, bevor es zur Verübung der Straftaten gekommen war. Allerdings wurden die Angeklagten durch einzelne Zeugen sowie durch den Geschädigten in dem einen oder anderen Fall als Tatbeteiligte identifiziert. Schon zu Beginn der polizeilichen Ermittlungen war das Aussageverhalten der Zeugen und Geschädigten gehemmt. Die ermittelnde Kriminalbeamtin bestätigte, dass viele der geraubten Gegenstände bei den richterlich angeordneten Durchsuchungen aufgefunden werden konnten. Einzelne Gegenstände aus der Raubstraftat wurden auch in der Justizvollzugsanstalt in Freiburg sichergestellt. Der 19-jährige Angeklagte hatte sich von seiner Mutter ein Paket zuschicken lassen, in dem sich Teile des Raubgutes befanden.

Prozess geht weiter

Der Prozess wird am Dienstag fortgeführt und bis dahin gilt die Unschuldsvermutung für alle vier Angeklagten.