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Jung und Alt treibt es in den Wald Geocaching erfreut sich großer Beliebtheit

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Foto: © sanderstock - stock.adobe.com

Albstadt - Aus meinem Leben ist Geocaching – wie für drei Millionen andere Menschen weltweit – nicht mehr wegzudenken. Was aber ist so faszinierend daran, Tupperdosen im Wald zu suchen?

Mit hochmoderner technischer Ausrüstung Blechdosen in Wäldern und Städten der Welt suchen: Als meine Eltern von den Erfahrungen einer Arbeitskollegin berichteten, blieb mir zunächst die Spucke weg. Dennoch lässt sich die digitale Schatzsuche Geocaching mit diesen Worten wohl am besten beschreiben. Das Trend-Freizeitvergnügen hat längst das beschauliche Albstadt erreicht. Wer schon mal beim Spazierengehen Suchende im Gebüsch entdeckt hat und sich wunderte, was die da machen, hat wahrscheinlich unvorsichtige "Cacher" auf frischer Tat ertappt – so ging es mir jedenfalls einige Male. Was aber motiviert Jung und Alt, Tupperdosen zu suchen?

Auch nach 700 Dosen macht es noch Spaß

Ziel der GPS-Schnitzeljagd ist es, anhand von Koordinaten kleine versteckte Schätze zu finden, in die man einen selbst gewählten, fiktiven Namen einträgt. Je mehr gefundene Dosen, desto größer der Ruhm in Geocacherkreisen. Mit über 700 gefundenen Blechdosen blicke ich auf eine reiche Geocaching-Erfahrung zurück. Der Spaß vergeht einem dabei nicht – denn jedes Mal wartet ein anderes Abenteuer.

Was müssen Interessierte tun, um Teil der Geocacher-Familie zu werden? Lediglich eine Registrierung in der zugehörigen, kostenfreien App auf dem Smartphone ist nötig – für Profis gibt es auch ein extra für das Geocaching entwickelte Gerät, das ich selbst nicht besitze, denn es geht auch gut ohne.

Der erste sogenannte Geocache ist 2000 in den USA versteckt worden. Kurios: Erst als die künstliche Verschlechterung des GPS-Signals von der US-Regierung abgeschafft wurde – zuvor war die präzise Koordinatenangabe dem Militär vorbehalten – wurde Geocaching möglich. Die Faszination liegt darin, dass der öde Sonntagsspaziergang zur aufregenden und abwechslungsreichen Suchaktion wird, und im Moment sogar hilft, die Lockdown-Tristesse vergessen zu machen. Das Frühjahr brachte Freizeit, Geocaching bot Ablenkung. Mehr als 300 Funde sind mir und meiner Familie in diesem Zeitraum gelungen.

"Tradi"- und "Multi"-Caches mit verschiedener Schwierigkeit

Wenn es auf die Suche geht, dann sollte von allen Geocaching-Typen etwas dabei sein: Der einfachste Geocache ist der sogenannte "Tradi": Die App zeigt die Koordinaten des Ortes an, wo eine Dose versteckt ist. Anspruchsvoller ist es, mehrere Stationen zu absolvieren, Rätsel mit Hinweisen auf das Finale zu lösen, in dem es ebenfalls eine Tupperdose zu suchen gilt – das nennt sich dann "Multi"-Cache. Für Tüftler und Denker ist auch etwas dabei, nämlich der "Mysterie"-Cache. Die Rätsel darin sind zu Hause oder vor Ort zu lösen, um das Versteck zu enttarnen. Dafür kann selbst ein Superhirn einige Stunden brauchen – zumindest ist das bei mir so. Praktisch: Jeder Geocache ist in der App individuell näher beschrieben. Meist reichen ein Paar Wanderschuhe, ein Rucksack und ein Stift, um Dosen zu jagen.

Der erlösende Schrei "Ich hab’s" kann unterschiedliche Ursachen haben. Mal genügt es, einen Stein unter einer Wurzel zu heben, um das Logbuch – das Heft, in dem der fiktive Name eingetragen ist – zu finden, ein andermal ist handwerkliche und gedankliche Raffinesse nötig – beispielsweise muss ein Ast aus einem Baum gezogen werden, an dem die Dose hängt.

Wandertafel gibt Koordinaten an

Aber wo gibt es so etwas in Albstadt? Niemand muss weit fahren, meist reicht es aus, in den nächsten Wald oder in die Stadt zu laufen. Schon einmal auf dem Ochsenbergparklatz die Wanderschilder von hinten begutachtet? Dort sind nämlich Koordinaten angeschrieben, die es gilt, in die App einzutippen, um weitere Hinweise auf den anzusteuernden Ort zu erhalten. Wer nicht viel von Waldspaziergängen hält, dem ist zu raten, die Persiluhr in Ebingen näher unter die Lupe zu nehmen. Dort ist nämlich eine Mini-Filmdose angebracht. So kann man mehr als 100 Anlaufstellen für Geocaches in Albstadt ausfindig machen. Mir gehen nach sieben Jahren Geocaching die Dosen in der näheren Umgebung langsam aus. Aber mit einer kleinen Autofahrt sind weiter unzählige Ziele offen – und man sieht so immer wieder Neues.

Geocaching im Urlaub und zur Städtebesichtigung weiß mir auch zu gefallen. Wer kein Fan von Städteführungen ist – ich gebe zu, ich bin auch keiner – holt einfach sein Handy aus der Tasche, erkundet die Stadt mit GPS – und erfährt genau so viel. Denn: Jene, die die Dosen verstecken, verpacken meist noch viele Informationen rund um den Ort, wo der Geocache versteckt ist, als i-Tüpfelchen dazu. In Ulm etwa habe ich auf einer Geocaching-Tour binnen kurzer Zeit alles Sehenswerte entdeckt. Ohne Gedränge, ohne Zeitdruck: Was wünscht man sich mehr? Wer denkt, dass er seine Heimat richtig kennt, kann sich von Geocachern oft eines Besseren belehren lassen. Auch dieses Phänomen habe ich am eigenen Leibe erfahren dürfen.

Übrigens: Jeder, der eine Tupperdose zu Hause hat, kann selbst einen besonderen Ort für andere Geocacher mit einer Dose veredeln. Auch der Schwierigkeitsgrad kennt nach oben keine Grenzen. Kletter- und Kriecheinlagen in Höhlen durfte ich genauso wie das Kraxeln an Steilhängen miterleben – es wird also nie langweilig. Das erklärt auch, warum Geocacher selbst nach 20 000 gefundenen Dosen immer noch Lust auf neue Abenteuer haben. Gerade anspruchsvolle Geocaches haben ihren besonderen Reiz. Im Felsenmeer in Lautlingen herumzuturnen oder die Höhlen unter dem Malesfelsen zu erkunden, lässt auch das kindliche Herz im Erwachsenen höher schlagen. Selbst meine Oma lässt sich von der Schnitzeljagd begeistern. Jung und Alt macht Geocaching Spaß.

Drei Millionen Geocacher weltweit unterwegs

Über drei Millionen Geocaching-Nutzer weltweit zeigen den Erfolg der Dosensuche. Tipp für Eltern: Kindern, die das Tablet dem Wandern vorziehen, bringt es den Spaß an der Bewegung zurück. Und: Alleinstehende können neue Kontakte knüpfen – dafür gibt es alljährlich neue Veranstaltungen, auf denen sich Geocacher-Kollegen einer Region treffen, um Freundschaften zu knüpfen.

Läuft beim Geocaching mal nicht alles rund – mir passiert das häufiger! – sind Gleichgesinnte meist nicht weit. Jedes Mal freue ich mich aufs Neue, eine Dose in den Händen halten zu dürfen. Der aufkommende Stolz wirkt wie ein Suchtmittel – ich will es immer wieder.

Der besondere Vorteil in Zeiten der Pandemie: Trotz Lockdown kann Geocaching nicht eingeschränkt werden. Alle Freiluftaktivitäten erleben in diesem Jahr einen Boom – so auch die digitale Dosensuche. Bewegung und Spaß kombiniert – in Corona-Zeiten eine gesunde Kombination für Körper und Gemüt.

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