Borussia Dortmund trifft in der Champions League am Dienstag auf Ajax Amsterdam. Jude Bellingham wird auch dann wieder das BVB-Team anführen. Was macht den 18-Jährigen so stark?
Dortmund/Stuttgart - Es ist nicht überliefert, was nach den Liebesbekundungen von Mats Hummels (32) an Jude Bellingham (18) passiert ist. Ob sich der Routinier und der Jungspund von Borussia Dortmund dann um den Hals fielen? Ob sie sich zumindest kurz drückten? Oder ob Jude Bellingham sogar mal sagte: „Ja, Mats, ich liebe dich auch“? Oder ob der Engländer inzwischen nur noch genervt abwinkt oder mit den Augen rollt, wenn Hummels ihn mal wieder umschmeichelt? Man weiß es nicht.
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Fakt ist: Bellingham kann sich der Zuneigung von Hummels nicht entziehen, denn Hummels sagt: „Ich glaube, ich habe Jude schon 25 Mal gesagt, dass ich ihn einfach nur liebe. Er ist der reifste, seriöseste 18-Jährige, den ich je gesehen habe.“ Und: „Jude ist schon jetzt einer, der vorangeht und einer der Lautesten im Team.“ Und überhaupt, so sagte das Hummels weiter: Bellingham sei „ein großartiger Typ“, der seinen Weg zu „100 Prozent“ gehen werde.
Der Jung-Star ist Lobeshymnen gewohnt
Bei so viel Liebe und Lobhudelei vonseiten eines erfahrenen Weltmeisters im Team könnte man ja schon mal abheben. Das Gute ist: Die Gefahr besteht bei Jude Bellingham kaum. Denn seine Mutter Denise ist vor etwas mehr als einem Jahr mit ihm aus der Heimat in Birmingham nach Dortmund gezogen – und sie kümmert sich nicht nur um die Wäsche und das Essen, sondern auch um die Bodenhaftung des Senkrechtstarters. Und obendrein ist Bellingham Lobeshymnen längst gewohnt. Auch wenn nicht alle wie bei Hummels gleich zu Liebeserklärungen werden.
Jude Bellingham aber verzaubert sie alle – in Dortmund, in der Bundesliga und in der Champions League. Wobei er die Gegner eher das Fürchten lehrt.
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18 Jahre und längst Chef, das ist Bellingham. Er grätscht im zentralen Mittelfeld, er erobert Bälle, verteilt sie und schießt Tore wie ein Großer. Bellingham ist 18 Jahre alt – und wirkt wie 28. Mindestens. „Das ist ein geiler Junge“, sagt sein Trainer Marco Rose, denn: „Seine Mentalität, seine Bereitschaft, fürs Team zu arbeiten, die Intensität, mit der er Fußball spielt, der Siegeswille und die fußballerischen Lösungen, die er findet – all das ist außergewöhnlich.“
Für 23 Millionen Euro zum BVB
So ist dieser Bursche mit 18 Jahren und 78 Tagen der jüngste Profi, der in zwei Champions-League-Partien in Folge traf. Zudem ist er der jüngste Engländer, der in der Königsklasse von Beginn an spielte (17 Jahre, 113 Tage). An diesem Dienstag betritt er im dritten Gruppenspiel des BVB bei Ajax Amsterdam wieder die große Bühne der Königsklasse – es sind Schritte, die sie ihm in Dortmund vor der Verpflichtung im Sommer 2020 zugetraut hatten, das schon. Dass er diese Bühne aber nach etwas mehr als einem Jahr im Club schon als Chef und Dirigent betritt, der das Dortmunder Ensemble anleitet, das ahnten die Strategen des BVB nicht.
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23 Millionen Euro hat der BVB für den damals noch 16-Jährigen in besagtem Sommer 2020 bezahlt, Bellingham kam vom Zweitligisten Birmingham City. Intensiv hatte sich die Borussia vor der Verpflichtung mit Bellingham, seiner Familie und seinem damaligen Club ausgetauscht. Schon damals trafen die Verantwortlichen auf einen Teenager, der einen extrem Erfolgshunger hatte – und einen starken inneren Antrieb. Kein Wunder, bei diesem Elternhaus, das ihn stets rund um den Fußball unterstützte, ihm aber klare Vorgaben für die Schule gab: „Meine Eltern haben von mir nie verlangt, der beste Schüler mit den besten Noten zu werden“, sagt Bellingham: „Aber sie wollten, dass ich 100 Prozent gebe.“ So wie auf dem Platz.
Ein Kind der Arbeiterklasse
„Mein Spiel spiegelt meine Herkunft wider“, sagt Bellingham dazu: „Es ist der Stil der Arbeiterklasse, denn mein Spiel basiert auf Energie und harter Arbeit.“ So einer hebt fußballerisch ab und bleibt dennoch am Boden, das ist die explosive Mischung, die Bellingham stark macht – und die ihm das Selbstvertrauen gibt, um sich schon jetzt mit jedem Gegner messen zu können.
So fing der Mittelfeldmann kürzlich im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen beim Jubel über Erling Haalands Siegtreffer zum 4:3 mit einer lässigen Bewegung einen Bierbecher, den ein wütender Bayer-Fan in die Dortmunder Jubeltraube geworfen hatte. Bellingham nahm einen Schluck und baute sich vor dem Heimblock auf. Oliver Kahn hat das früher mit den Bananen in seinem Strafraum nicht schöner hinbekommen.
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Das Gute aus BVB-Sicht ist: Die Bellingham-Show wird in Dortmund wohl noch ein bisschen weitergehen – sein Vertrag läuft bis 2025, dem Vernehmen nach gibt es keine Ausstiegsklausel. Und dennoch ist es auf Sicht wohl klar, dass die deutsche Fußball-Bundesliga für den englischen Nationalspieler nur ein Zwischenschritt ist – auf dem Weg in die Heimat: auf dem Weg in die große Premier League.