Die Freiburger Journalistin Julica Goldschmidt blickt auf ihr erstes Jahr als Stadionsprecherin beim SC Freiburg zurück. Dabei spricht sie über Anfeindungen von Fußballfans und ihre Höhepunkte der Saison.
Die zurückliegende Bundesliga Saison ist für Fans des SC Freiburg das Jahr, in dem Trainer Christian Streich aufgehört hat. Für Journalistin Julica Goldschmidt, die seit ihrer Jugend leidenschaftlicher SC-Fan ist, war das Jahr eine Zeit des Neubeginns: Sie wurde zu Saisonbeginn Stadionsprecherin beim SC Freiburg. Neben dem SCF ist Bayer Leverkusen der einzige Erstliga-Club, der ebenfalls auf eine Frau setzt, die bei Heimspielen für den Torjubel im Stadion zuständig ist, wie Goldschmidt berichtet.
Frau Goldschmidt, seit August 2023 sind Sie Stadionsprecherin beim SC Freiburg. Wie kam es dazu?
Der Verein hat mich gefragt, da Stadionsprecher Claus Köhn im vergangenen Jahr nach 35 Jahren seinen Abschied nahm. Das war natürlich ein schönes Gefühl, gefragt zu werden. Ich war für den Verein allerdings auch keine Unbekannte, weil ich von 2014 bis zur Geburt meines Sohns im Jahr 2018 bereits Moderatorin im Stadion war. Also vor dem Anpfiff jeweils. Mein erstes Spiel als Sprecherin war der Saisonauftakt gegen den FC Empoli, ein Freundschaftsspiel. Ich habe vom Verein seither stets Rückendeckung für meine Arbeit bekommen und freue mich jetzt auf die zweite Saison.
Was macht man eigentlich alles als Stadionsprecherin?
Da sind natürlich einerseits die sportlich relevanten Durchsagen: Die Aufstellungen beider Mannschaften. Die Tore. Wobei das unterschiedlich rübergebracht wird, wenn der SC oder der jeweilige Gast trifft. Aus- und Einwechslungen. Sponsoren-Nennungen gehören auch dazu. Die genaue Bezeichnung des Jobs lautet Stadion- und Sicherheitssprecherin. Das heißt, dass ich im Fall einer Evakuierung des Stadions auch durchsagen müsste, wie das vonstatten zu gehen hat. Der DFB hat da eigens ein Handbuch als Richtlinie für solche sicherheitsrelevanten Dinge. Auch wenn ,Pyros’ gezündet werden, zum Beispiel.
Sie sind eine von lediglich zwei Stadionsprecherinnen in der Bundesliga?
Es gibt noch ein paar Kolleginnen in der Zweiten Liga. Aber in Liga eins sind da tatsächlich lediglich Petra Dahl in Leverkusen und ich. Das ist schon auch ein Sinnbild für die Strukturen im Bundesliga Fußball im Ganzen. Da spielen Frauen eine untergeordnete Rolle. Und wenn du dich als Frau da exponierst, dann musst du davon ausgehen, dass du nicht nur Liebe zurückbekommst. Das ist meine Erfahrung. Und das war auch Petras Erfahrung in Leverkusen am Anfang, auch wenn sie heute nach 15 Jahren natürlich längst etabliert ist. Man hat einen Exoten-Status.
Werden Sie auch angefeindet?
Ja. Nicht direkt im Stadion. Da gab es zwar auch schon Kritik, aber die finde ich zunächst einmal nicht schlimm sondern eher auch inspirierend. Aber in den Sozialen Medien geht das viel weiter. Einige Fans werden da sehr unsachlich. Das ist dann auch oft extrem sexistisch und beleidigend. Am Anfang fand ich das sehr schmerzhaft, verstörend und brutal. Das kannte ich nicht, so wurde mit mir im Beruf nie umgegangen. Mittlerweile denke ich aber, dass das mehr über diejenigen sagt, die mich angreifen als über mich selbst. Mir hat da auch der Austausch mit Petra Dahl geholfen, die mir geraten hat, so gut es geht bei solchen Sachen die Ohren auf Durchzug zu stellen. Petra hat mich bei Heimspiel des SC gegen Leverkusen auch im Stadion in der Sprecherkabine besucht, was eine sehr schöne Geste war.
Gab es trotz solcher Widrigkeiten besonders schöne Erlebnisse in der zurückliegenden Saison?
Natürlich! Und die überwiegen auch alles andere! Da war zum Beispiel der 5:0-Heimsieg des SC in der Europa-League gegen Piräus. Das Spiel fand am fünften Geburtstag meines Sohns statt. Und da ging ich echt mit einem schweren Herzen zur Arbeit, weil er ja schon noch sehr klein ist. Aber die fünf SC-Treffer am fünften Geburtstag waren dann schon was Besonderes. Und natürlich das letzte Heimspiel Christian Streichs. Zum letzten Mal diese Aufstellung vorzulesen im Stadion mit seinem Namen, das hat mir schon viel Herzklopfen bereitet. Er hat den Verein einfach sehr lange und erfolgreich geprägt. Aber eigentlich fand ich die ganze Saison sehr aufregend und gehe froh gestimmt in die nächste Saison.
Zur Person
Radio
Julica Goldschmidt ist in Kirchzarten aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Volontariat als Redakteurin und Moderatorin beim Freiburger Sender Antenne Südbaden (heute: Baden FM), wo sie heute noch tätig ist.
Weihnachtszirkus
Bekannt geworden ist sie in der Region auch als Moderatorin des Freiburger Weihnachtszirkus „Circolo“ sowie zahlreicher Events. Seit einem Jahr ist sie als Stadionsprecherin des SC Freiburg. Sie lebt mit ihrer Familie bei Freiburg.