Hans-Joachim Schleusener ist seit 25 Jahren Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Villingen-Schwenningen und kämpft um den Fortbestand der stationären Jugendverkehrsschule. Foto: Birgit Heinig

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während das DRK den Spatenstich seiner Krankentransportwache feiert, bangt die stationäre Jugendverkehrsschule um ihren Bestand.

Die seit 1990 im Zentralbereich von der Kreisverkehrswacht betriebene Jugendverkehrsschule steht (noch) in unmittelbarer Nähe zu dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem bis April 2027 Unterstellplätze für 15 Krankentransport- und drei Rettungswagen des DRK Rettungsdienstes Schwarzwald-Baar entstehen.

 

Bei Hans-Joachim Schleusener, dem Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht, schellen dabei alle Alarmglocken, denn er unterstellt Oberbürgermeister Jürgen Roth in dieser Sache eine Interessenkollision: die zum Teil rigorosen Sparmaßnahmen der Stadt, denen auch die stationäre und mittlerweile marode werdende Jugendverkehrsschule zum Opfer fallen könnte, da ein seit fünf Jahren geplanter Neubau am Klosterhof ad acta gelegt werden soll, seien dem DRK-Kreisvorsitzenden Roth in Sachen Krankentransportwache nur Recht, glaubt Schleusener.

„Filet-Grundstück“ im Blick

Die Aussage, das das neue Areal „erweiterbar“ sei, ist für den ehemaligen Richter ein Zeichen dafür, das man dafür mit dem benachbarten „Filet-Grundstück“ rechnet, auf dem sich derzeit der Übungsplatz der Jugendverkehrsschule an der Ecke Wilhelm-Schickard-Straße, Europaallee und Albert-Schweitzer-Straße befindet.

Momentan laufen Gespräche mit den Bürgermeistern der Gemeinden, die sich seinerzeit an der Finanzierung der stationären Jugendverkehrsschule beteiligten, sagt Schleusener. Wie soll es mit der für die Verkehrserziehung von den jährlich gut 1500 Viertklässlern aus Bad Dürrheim, Brigachtal, Dauchingen, Königsfeld, Mönchweiler, Niedereschach, Tuningen, Unterkirnach und Villingen-Schwenningen weitergehen und wie soll die alternativ angedachte mobile Verkehrsschule funktionieren?

„Sinnlos Geld vernichtet“

„Das ist alles nicht durchdacht“, schimpft er. Fest stehe nämlich, denn so lege es die Verwaltungsvorschrift für Verkehrserziehung des Innen- und des Kultusministeriums fest, dass Schulhöfe dafür nicht geeignet seien.

Demnach müssen die Gemeinden für entsprechende Flächen sorgen, was wiederum Kosten verursache, die Einsparungen entgegenlaufen. Schleusener sieht damit „sinnlos Geld vernichtet“.

Wie wichtig neben dem bloßen Erlernen der Verkehrsregeln insbesondere der praktische Fahrradunterricht der Viertklässler ist, betont Elmar Dressel, Leiter der Villinger Südstadtschule. Rund 100 seiner Schüler werden pro Schuljahr in der Jugendverkehrsschule in authentischer Umgebung an das Radfahren herangeführt und für den Straßenverkehr fit gemacht.

Das sei insofern „ungemein wichtig“, weil immer mehr Kinder noch nie auf einem Rad gesessen seien.

Verkehrssichere Radler unter der Schülerschaft würden außerdem das Aufkommen der „Elterntaxis“ reduzieren.

Stadt bezieht Stellung

Zu einigen genannten Vorwürfen nahm die Stadtverwaltung unterdessen Stellung.

„Die Enttäuschung und der Ärger über die Entscheidung des Gemeinderats, die Jugendverkehrsschule nicht weiter unterstützen zu können, sind nachvollziehbar“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Unterstellung, Oberbürgermeister Jürgen Roth habe die Schließung der Jugendverkehrsschule bewusst herbeigeführt, um das Grundstück der Krankentransportwache des DRK zur Verfügung zu stellen, entspreche jedoch nicht der Wahrheit.

Roth habe sich seinerzeit im Gemeinderat für einen von der Stadt vorgeschlagenen Alternativstandort ausgesprochen. Das Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau habe bei der Beschlussfassung angeregt, ein alternatives Grundstück zu suchen, um den Erhalt kostengünstiger zu ermöglichen.

„Abwegige Annahme“

Das Grundstück für die Krankentransportwache sei zudem flächenmäßig ausreichend; ein Bedarf für eine Erweiterung sei deshalb nicht zu erwarten. Das Grundstück der Krankentransportwache liege weit von dem Grundstück der derzeitigen Jugendverkehrsschule entfernt und habe keinerlei räumlichen Zusammenhang. Also sei die Annahme auch dahingehend abwegig.