Fahrradfahren will gelernt sein. Die dazugehörigen Verkehrsregeln lernen die Schüler in der Verkehrsschule. Foto: Hirschberger

An der Diskussion über eine Schließung der Verkehrsschule im Zuge der Haushaltseinsparungen übt unser Leser Hans-Joachim Schleusener aus Villingen-Schweningen Kritik

Mit Entsetzen habe ich der örtlichen Presse entnommen, dass die Fraktion der CDU, allen voran der Fraktionsvorsitzende Dirk Sautter, beantragt hat, die Jugendverkehrsschule abzuschaffen.

 

Dies offensichtlich in Unkenntnis dessen, dass es sich bei dem in der Schule geleisteten Fahrradunterricht laut Schulgesetz in Baden-Württemberg in Verbindung mit der VwV Verkehrssicherheit um verpflichtenden Unterricht der vierten Schulklassen handelt.

Will die Fraktion der CDU in ihrem unreflektierten Einsparungseifer Geld dadurch einsparen, indem sie die Einrichtungen abschafft, die die öffentlichen Pflichtaufgaben zu erfüllen haben? Auf diese Weise könnte man sich der anstehenden Sanierungskosten der Schulen dadurch entledigen, dass man die Schulen schlicht abschafft.

Mein Vorgänger, Gerhard Altmann, hat sich jahrelang um den Bau der stationären Jugendverkehrsschule bemüht. Dort findet die optimale Fahrradausbildung (theoretisch und praktisch) mit anschließender Prüfung seit 35 Jahren statt. Die Jugendverkehrsschule wurde in den Jahren 1989/1990 gebaut und am 1990 in Betrieb genommen.

Kreisverkehrswacht hat die Trägerschaft übernommen

Die Kreisverkehrswacht Villingen-Schwenningen hat die Jugendverkehrsschule gebaut und die Trägerschaft übernommen. Finanziert hat diese die Stadt, das Land Baden-Württemberg, der Kreis, die Kreisverkehrswacht sowie die Gemeinden Bad Dürrheim, Brigachtal, Dauchingen, Königsfeld, Mönchweiler, Niedereschach, Tuningen und Unterkirnach. Die Schulen dieser Gemeinden, sowie die der Stadt nutzen die Jugendverkehrsschule. Insgesamt werden jährlich rund 1500 Schüler unterrichtet. Soll dieser Unterricht künftig auf dem Verkehrsübungsplatz des SAC in VS-Schwenningen stattfinden? Soll der theoretische Unterricht künftig im Freien stattfinden? Wer bringt die Übungsfahrräder dorthin und wo sollen sie gelagert und gewartet werden? Die Unterhaltungskosten der Jugendverkehrsschule und auch die Anschaffung der Übungsfahrräder trägt die Kreisverkehrswacht.

Zwischen der Stadt und der Kreisverkehrswacht besteht ein umfassendes, schriftliches Vertragsverhältnis. Will die CDU-Fraktion, dass dieses seitens der Stadt beendet wird, was für die Stadt erhebliche Mehrkosten mit sich brächte? Wo sollen die Schüler der Umlandgemeinden, die sich an der Finanzierung beteiligt haben, unterrichtet werden?

Können sich Gemeinderäte, insbesondere der größten Fraktion, nicht vorab über komplexe Sachverhalte informieren, bevor sie derartig gravierende Anträge zur Abstimmung stellen? Ich lade sämtliche Gemeinderäte zur Besichtigung dessen ein, was sie abschaffen wollen! Gäbe es eventuell bei anderen der geplanten Großprojekte der Stadt ein höheres Einsparpotenzial, ohne dies auf dem Rücken der Kinder auszutragen?

Hans-Joachim Schleusener Villingen-Schwenningen

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