Der Jugendverein Latschare Wendelsheim feiert am Wochenende seinen 30. Geburtstag und blickt auf Höhen und Tiefen zurück.
Seit 30 Jahren haben die Wendelsheimer einen Jugendverein, fast ebenso lange einen Jugendraum. Doch den mussten sie gleich zweimal bauen. Er ist am Rande des Wohngebiets in Richtung Märchensee, an die Turnhalle angebaut und gegenüber von der Grundschule.
Am Wochenende wird der runde Geburtstag mit einer großen Party gefeiert. Am Freitagabend steigt die Party mit dem Joe Späth Trio für die Älteren. Gut 400 Gäste werden erwartet. Die Jüngeren kümmern sich um die Bewirtung. Am Samstag legt ein DJ zur Party für Jugendliche auf und Älteren arbeiten.
„Es gab und gibt immer wieder Generationsumbrüche und Wechsel“, sagt Niklas Maul (22), Vorstand des Jugendraum-Vereins Latschare. Kamen kürzlich noch wenige Jugendliche in den Raum, ist er nach einer Werbeaktion in den Sommerferien nun wieder jeden Abend voll. Es gibt einen Tischkicker, Darts-Scheiben, Fernseher, Beamer, gemütliche Sofas zum Chillen und eine Bar.
Selbst einen Außenbereich gebaut
Neu haben sich die jungen Leute selbst einen Außenbereich gebaut. Dahinter befinden sich ein Bolzplatz und ein Beachvolleyball-Feld, das sie ebenfalls nutzen können.
Bevor es den Jugendraum gab, trafen sich die jungen Wendelsheimerinnen und Wendelsheimer oft am Bach. „Dort wurden sie immer wieder vertrieben, das hat nicht gepasst“, berichtet Maul, der mit einigen Gründungsmitgliedern gesprochen hat. Später hatten sie einen Bauwagen. 1995 schließlich gründete der Ortschaftsrat einen Jugendausschuss. Dieser arbeitete erste Vorschläge und Konzepte aus. Eine Idee war beispielsweise, den Keller der Schule zu nutzen. Doch das wäre nur zeitlich befristet möglich gewesen. Der Ortschaftsrat setzte sich deshalb für ein eigenes Gebäude ein.
Damals war Bauunternehmer Norbert Baur Mitglied, der das Projekt ehrenamtlich zusammen mit vielen Helfern voranbrachte. Am 20. September 1995 war die Gründungsversammlung des Vereins Latschare mit 51 Leuten. „Weil alle kräftig mit angepackt haben, konnte der Jugendraum schon ein Jahr später eröffnet werden“, berichtet Maul. Durch Eigenleistungen wurden die Kosten für die Gemeine deutlich gesenkt.
Wer sich mit der Entstehung von Verein und Raum beschäftige, wisse das jetzt Vorhandene mehr zu schätzen, sagt Lukas Pöppel (28). Er war sechs Jahre lang Vorstand und in seine Zeit fiel der gravierendste Einschnitt: Mit dem Abriss der Turnhalle und deren Neubau wurde auch der Jugendraum 2014 abgerissen.
„Das war schon eine miese Stimmung“, erinnert sich Pöppel. Lange sei gebangt und diskutiert worden. „Wir haben den Kopf trotzdem nicht in den Sand gesteckt“, sagt Pöppel. Einige trafen sich zwischendurch in einem Bauwagen, andere bei Leuten zu Hause, manche wichen nach Wurmlingen aus.
Unterstützung durch Handwerker und Eigenleistung
Mit dem Neubau der Halle bauten die jungen Leute auch ihren Jugendraum wieder auf – erneut mit Unterstützung örtlicher Handwerker und viel Eigenleistung. „Es waren nur die Bodenplatte und die Decke vorhanden“, sagt Pöppel. Die jungen Leute sammelten Spenden und besorgten sich die Einrichtung günstig. So wurde zum Beispiel der Schrank hinter der Bar zuvor bei einer Zahnarztpraxis ausrangiert. Aus dem alten, großen Tisch schreinerten sie selbst einen kleinren. Nur wenig nach der Halle im Jahr 2016 war auch der Jugendraum wieder fertig.
Und so sieht es heute aus
Momentan
haben zehn Leute einen Schlüssel. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Die Leute kommen in kleineren Gruppen, kümmern sich um alles selbst.
„Den Lärm
haben wir in den letzten Jahren gut in den Griff bekommen“, sagt Vorstand Niklas Maul. Das liegt vor allem daran, dass der Eingang und der Hof nicht mehr vorne in Richtung Wohngebiet, sondern auf der Rückseite liegen.
Für den neuen Außenbereich
wurden außerdem Bäume gepflanzt, die den Schall ebenfalls abfangen werden. „Wir sind immer erreichbar, wenn mal etwas nicht rund läuft“, sagt Maul.
Neben eigenen Festen
organisieren die junge Leute jedes Jahr eine Hockete zum Vatertag: „Wir wollen dem Ort etwas zurückgeben.“ Dass nun der 30. Geburtstag groß gefeiert wird, erklärt sich.
„Zu unserem 25-jährigen Jubiläum
war Corona, am 20. Geburtstag hatten wir keinen Raum“, sagt Maul. Seit einem Jahr wird geplant und organisiert, zwischenzeitlich dachten die Jugendlichen auch über ein Zelt auf dem Festplatz nach: „Jetzt machen wir etwas Großes in der Halle.“