Das Jugendreferat Loßburg nutzt vielseitige Wege, um Kinder und Jugendliche direkt zu erreichen und zu unterstützen. Welche das genau sind, erklärt Leiterin Sonja Müller.
Wie viele Eltern schmerzlich wissen, ist es oft gar nicht so leicht, zu Kindern und Jugendlichen durchzudringen. Doch Sonja Müller, Sozialpädagogin und Leiterin des Jugendreferats Loßburg, zeigt, wie es gehen kann. In der jüngsten Gemeinderatssitzung berichtete sie von ihrer Arbeit in den letzten zwei Jahren und den Themen, die junge Menschen aktuell beschäftigen.
Als Teil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) begleitet das Jugendreferat junge Menschen mit niedrigschwelligen Angeboten bei ihrer Entwicklung. Die Zielgruppe in Loßburg setzt sich dabei aus insgesamt 521 Kindern, 543 Jugendlichen und 648 jungen Erwachsenen zusammen.
Angesichts einer so großen Zielgruppe sind auch die Tätigkeitsbereiche des Jugendreferats entsprechend breit gefächert. Diese reichten laut Müller von Bildung und Beratung über aufsuchende Jugendarbeit, Beteiligung, Chancengleichheit und Prävention bis hin zur Demokratiebildung.
Bildung – alltagsnah und praxisorientiert
Im Bereich Bildung setzt das Jugendreferat auf alltagsnahe und praxisorientierte Angebote. So schaute sich eine Kindergruppe verschiedene erneuerbare Energien in der Praxis an, eine andere besuchte die Apfelpresse in Betzweiler, um Nachhaltigkeit erlebbar zu machen.
Im Schülercafé lernten Jugendliche indessen, welches Rädchen am Herd für Umluft steht oder warum vor dem Braten Fett in die Pfanne muss. Für junge Erwachsene gab es einen Aktionstag, an dem das Reifenwechseln auf dem Bauhof geübt wurde.
Beratung – überall und jederzeit
Die Beratung geschehe dabei ganz automatisch in Form von Gesprächen beim Kochen oder auf dem Sofa in Müllers Büro. Bei ihrer Arbeit erlebt die Sozialpädagogin täglich, welche Themen junge Menschen aktuell beschäftigen: Sie sprechen über Todesfälle in der Familie, Unsicherheiten rund um die Wehrpflicht, nicht bestandene Schulabschlüsse, Erfahrungen mit Flucht und Migration sowie Angststörungen.
Dabei versucht das Jugendreferat die Kinder direkt dort zu erreichen, wo sie ihre Freizeit ohnehin verbringen. Beispiele hierfür sind etwa das Spielmobil und Spielaktionen auf dem Mehrgenerationenspielplatz in Loßburg. Wobei Gemeinderätin Schuhmacher anmerkte, dass sie persönlich auch die Arbeit in den Sozialen Medien zur aufsuchenden Kinder- und Jugendarbeit zählen würde.
Dabei seien stets alle Kinder, unabhängig von Nationalität, Sprache oder Einkommen der Eltern willkommen, betonte Müller. Das Jugendreferat leiste somit auch einen Beitrag zur Chancengleichheit.
Kinder sollen ein Mitspracherecht haben
Ein weiteres Anliegen des Jugendreferats ist es, Kindern eine Stimme und ein Mitspracherecht zu geben. Im Rahmen der Beteiligung sollen sie daher bei Dingen, die sie selbst betreffen, mitreden dürfen – etwa bei der Kinderkonferenz 2024 im Bürgerhaus.
Im Bereich der Prävention veranstaltete das Jugendreferat den Projekttag „Mut tut gut“ mit Workshops, die Jugendliche in ihrem Tun stärken sollten. Im Rahmen des Präventionstheaters „Alles was recht ist“ und des Kinderrechte-Aktionstags, lernten Grundschüler indessen mehr über das Thema Kinderrechte.
Fokus auf der Demokratiebildung
Der Fokus des Jugendreferats liege dabei insbesondere auf der Demokratiebildung, da diese zunehmend wichtiger werde, so Müller. Daher wurde zur Kommunal- und Europawahl 2024 eine umfassende Erstwähler-Infokampagne durchgeführt. Dabei wurden eine Instagram-Reihe und ein Wahl-Informationsstand erarbeitet.
Das Jugendreferat biete somit ein mannigfaltiges Angebot, fasste Bürgermeister Christoph Enderle zusammen, allerdings stehe es dabei auch immer in Konkurrenz zu anderen Angeboten. Zwar könnten sie Angebote schaffen, jedoch keinen dazu zwingen, sie auch wahrzunehmen.